BGH · VI ZR 201/67 vom 17.09.1968
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Dazu wurde in einer vorausgeschickten Erklärung bemerkt, die Klägerin habe sich mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann unter Aufwendung von über 10 000 RM an dem Wiederaufbau des durch Brand zerstörten Ilausgrundstücks beteiligt und Am 31o Januar 1955 nahm der Beklagte eine weitere Urkunde auf, in der die Geschwister die früheren Erklärungen ohne bezifferte Angabe der Aufwendungen wieder-holten, dann aber weiter sagten, sie seien sich 1943 auch bereits einig geworden, daß die Klägerin zu 50 & am Grundbesitz beteiligt werden sollte. Januar 1955 eröffnet worden, daß die Übertragung auch deswegen erfolgen solle, weil der Klägerin noch eigene Ansprüche auf Grund Erbrechts gegen Friedrich zuständen. Die Klägerin bestritt, daß ihrem Bruder bei Vertragsabschluß die Geschäftsfähigkeit gefehlt habe, und trat dem Einwand, daß es sich um Ocheinverträge gehandelt habe, mit der Behauptung entgegen, zwischen den Vertragschließenden habe Einigkeit darüber bestanden, daß durch die Übertragung hälftigen Grundstückseigenturas und Einräumung von Wohnungs-eigentum umfangreiche Ansprüche hätten abgegolten werden sollen, die ihr gegen ihren Bruder Friedrich zu- gestanden hätten» Ihr Bruder habe ihr - abgesehen von der in den Verträgen erwähnten finanziellen Mithilfe beim Wiederaufbau des brandzerstörten Hauses - erhebliche Geldbeträge geschuldet, insbesondere wegen Bezahlung von Schulden, Gewährung von Unterstützungsbeträgen, aus einem ehemals hypothekarisch gesicherten Darlehen von 3 000 RM sowie auf Grund von Aussteueransprüchen, die ihr für sich und für ihre verstorbene, von ihr beerbte Schwester Klara gegen den elterlichen Nachlaß zugestanden hätten und deren Erfüllung ihr Bruder übernommen habe» Die Klage führte jedoch nicht zu dem erstrebten Erfolg» Die Verträge wurden für nichtig befunden» Dies zwar nicht darum, weil Friedrich I^^HP bei ihrem Abschluß geschäftsunfähig gewesen wäre, wohl aber aus dem Grunde, daß nach dem eigenen Vorbringen der Klägerin die Gegenleistungen der Klägerin in den Vertragsurkundon nicht vollständig und richtig bezeichnet worden seien» Immerhin kam das Oberlandesgericht Hamm in seinem Berufungsurteil vom 21» März 1961 (6 U 253/60) zu dem Ergebnis, daß die wegen Formmangels (§§ 313, 125 BGB) nichtige Zusage von Wohnungseigentum und Grundstücksmiteigentum im Y/ege der Umdeutung (§ 140 BGB) als formlos gültige Einräumung eines Dauerwohnrechts aufrechtzuerhalten sei; auf den Hilfsantrag der Klägerin traf es eine entsprechende Feststellung« Die Entscheidung wurde im Revisionsverfahren durch Urteil des Bundesgerichtshofs vom 28« November 1962 - V SR 127/61 (IM Nr« 4 zu § 140 BGB) bestätigt« In einem weiteren Rechtsstreit In dem gegenwärtigen Rechtsstreit will die Klägerin nun den beklagten Notar dafür schadensersatzpflichtig machen, daß sie nicht das hälftige Miteigentum am Grundstück mit dem Sondereigentum an der Wohnung erlangt hat; als weiteren Schaden verlangt sie von ihm die Kosten ersetzt, die ihr durch die vom Beklagten beurkundeten Verträge, das Verfahren in der Grundbuchsache und den Feststellungsprozeß gegen den Nachlaßverwalter entstanden sind» Er hat erwidert, von Erbansprüchen der Klägerin sei ihm erst vor der Beurkundung vom 31» Januar 1955 etwas gesagt worden, und zwar auch nur von Erbansprüchen der Klägerin aus eigenem Rechte Ihre Nichterwähnung in dem Vertrag vom 31» Januar 1955 sei aber nicht für dessen Nichtigkeit ursächlich gewordene Die Nichtigkeit folge nämlich schon daraus, daß andere Gegenleistungen, die nach dem Klagevorbringen auch hätten ausgeglichen werden sollen, ebenfalls nicht beurkundet worden seien0 Von anderen als in den Verträgen angeführten Aufwendungen sei ihm aber zu keiner Zeit etwas mitgeteilt wordene In dem Vertrag vom 21. Er hat diesem Vorwurf entgegengehalten, die Klägerin habe es selbst übernommen, für die nach dem Wohnungseigentumsgesetz notwendigen Unterlagen zu sorgen, diese aber nicht rechtzeitig beschafft» Der Beklagte ist auch dem Vorbringen der Klägerin zur Schadenshöhe und zu dem Nichtbestehen anderweiter Ersatzmöglichkeit entgegengetreten. Januar 1955 nicht in die Urkunde aufgenommen zu haben, daß die Erbansprüche der Klägerin nach ihren Eltern durch Übertragung von Miteigentum am Grundstück und Bondereigentum an der Wohnung mit abgegolten werden sollten. Das ist aber nach Ansicht des Berufungsgerichts für den von der Klägerin geltend gemachten Schaden nicht ursächlich geworden, weil auch noch andere von den Beteiligten gewollte Gegenleistungen der Klägerin unbeurkundet geblieben sind, ohne daß der Beklagte dies zu vertreten hatte. So haben nach der Feststellung, die das Berufungsgericht in Würdigung des Verhandlungs- und Beweisergebnisses getroffen hat, als Gegenleistung für die im Vertrag vom 31. Januar 1955 vereinbarte Übertragung von Sonder- und Miteigentum auch Forderungen der Klägerin ihre Erledigung finden sollen, die sie gegen ihren Bruder Friedrich aus Aufwendungen für ihn und seine Mit Recht hat das Berufungsgericht angenommen, daß es an der Gchadensursächlichkeit der festgestellten Amtspflichtverletzung des Beklagten fehlt, wenn der am 31» Januar 1955 beurkundete Vertrag auch ohne sie nichtig war» Auf die von der Revision hervorgehobene Frage der Beweislast kommt es in dieser Hinsicht nicht an» Ob nach dem Willen der Vertragsparteien auch andere Forderungen als die in der Urkunde erwähnten Forderungen aus Wiederaufbauleistungen und die unerwähnt gebliebenen Erbansprüche der Klägerin durch die Übertragung von Miteigentum am Grundstück und Sondereigentum an der Wohnung hatten ausgeglichen werden sollen, ist nicht etwa offen geblieben, vielmehr hat das Berufungsgericht dies für die von ihm bezeichneten Forderungen als erwiesen angesehen» Baß sich das Berufungsgericht diese Überzeugung gebildet hat, ist nicht darum angreifbar, weil es bei der Würdigung des Prozeßstoffs auch die eigene allerdings widerspruchsvolle Prozeßdarstellung der Klägerin in dem Feststellungsrechtsstreit gegen den Nachlaßverwalter berücksichtigt hat. der Beklagte bei dci* Aufnahme der Urkunde sich nicht mit den Angaben der Beteiligten hätte begnügen dürfen, vielmehr weitergreifende Aufklärung hätte erbitten müssen und dann erfahren hätte, daß der Klägerin auch noch Forderungen aus Aufwendungen für ihren Bruder und seine Familie und aus dem Verkauf des Hausrats der Eltern zustanden, die ebenfalls durch die Übertragung abgegolten werden sollten« Eine solche Annahme hat das Berufungsgericht jedoch nicht für begründet erachtet« Wie das Berufungsgericht als erwiesen angesehen hat, haben die Beteiligten, nachdem sie vorher nur die Aufwendungen für den Wiederaufbau des Hauses als die zu vergütende Gegenleistung bezeichnet hatten, erst vor der Beurkundung vom 31» Januar 1955 den Beklagten davon unterrichtet, daß auch Srbansprüche der Klägerin bestanden und zu ihrer Abgeltung das Miteigentum am Grundstück über die in der Urkunde vom 21« Oktober 1954 festgelegte Quote hinaus zu 1/2 auf die Klägerin übertragen werden sollte« Übereinstimmend mit dem Landgericht, dessen Ausführungen hierzu nach der Feststellung des Berufungsgerichts im Berufungsverfahren von der Klägerin nicht beanstandet worden sind, ist das Berufungsgericht der Ansicht, daß der Beklagte hiernach wegen der Erhöhung des Miteigentumsanteils bei der zweiten Beurkundung keine Bedenken zu haben brauchte« Hach Auffassung des Berufungsgerichts hat für den Beklagten auch kein Anlaß bestanden, auf die ihm bezeichneten Ansprüche der Klägerin näher einzugehen. geeinigt hatten* Wie der Beklagte daher nicht gehalten gewesen sei, die cum Wiederaufbau aufgewendeten Beträge im einzelnen festzustellen und ziffermäßig genau zu erfassen, so sei auch nicht ersichtlich, aus welchem Grunde er - immerhin bei einem Vertrage zwischen Bruder und Schwester über die anteilige Übei’tragung des elterlichen Grundbesitzes - dazu verpflichtet gewesen sein könnte, den ihm genannten Erbansprüchen der Klägerin im einzelnen nachzugehen. Go habe die Klägerin in dem voraufgegangenen Feststellungsproseß denn auch selbst vorgetragen, sie und ihr Bruder seien sich über die Übertragung des Sonder-eigenturas und der Miteigentumshälfte seit Jahren so klar gewesen, daß sie es beide nicht als erforderlich angesehen hätten, die Einzelheiten und näheren Umstände, die zu dem Gegenstand ihrer Übereinkunft geführt hätten, noch näher im Vertrage festlegen zu lassen. Denn jedenfalls hat das Berufungsgericht bei dieser Würdigung zutreffend herausgestellt, daß es zwei bestimmt bezeichnete Ansprüche gewesen sind, die nach den Erklärungen der Beteiligten durch die Übertragung von Miteigentum am Grundstück und Sondereigentum an der Wohnung hatten abgegolten werden sollen, und daß die Frage, die sich dem Beklagten stellen konnte, allein dahin ging, ob er sich diese beiden Ansprüche genauer präzisieren lassen müsse. Dagegen ist bei dem festgestellten Sachverhalt nicht ersichtlich, wieso der Beklagte auf den Gedanken hätte kommen können, daß auch noch andere Ansprüche der Klägerin im Spiel sein könnten. Die Revision greift aus dem Vorbringen zur Klagebegründung auf, daß der Beklagte in einem Schreiben vom 20c Mai 1955 an den Steuerhelfer des Friedrich bestätigt hat, die Klägerin und Friedrich seien sich darüber einig gewesen, daß die Klägerin zu 50 # an dem Grundbesitz beteiligt werden solle, weil sich Friedrich kierzu zwecks Abgeltung der Srbansprüche der Klägerin bereits vor Jahren verpflichtet habe. Die Revision macht geltend, bei Abfassung dieses Schreibens müßten dem Beklagten seine ganzen Unterlagen Vorgelegen haben; er habe demnach erkennen müssen, daß er das vereinbarte Entgelt zu demindest wegen der Erbansprüche nicht mitbeurkundet habe; infolgedessen habe er nun für die Herstellung der Rechtswirksamkeit des mangelhaft beurkundeten Vertrages sorgen und die Vertragsparteien zur Wiederholung der Beurkundung auffordern oder sich um eine Heilung des Urkundenmangels nach § 313 Satz 2 BGB durch eine alsbaldige Eintragung im Grundbuch bemühen müssen; bei erneuter Beurkundung hätte er mit den Parteien nicht nur das ihm bekannte Übertragungsentgelt, sondern überhaupt die Frage erörtern müssen, welches denn nun die Gegenleistung für die Übertragung sei; eine ausdrückliche Erörterung unter Hinweis auf die rechtliche Bedeutung einer solchen Feststellung würde nach der Lebenserfahrung zur Aufdeckung aller abzugeltenden Leistungen der Klägerin geführt haben. Mit diesen Einwendungen kann die Revision keinen Erfolg haben» Sie müssen schon daran scheitern, daß ihnen ein neues tatsächliches Vorbringen zugrundegelegt wird, mit dem die Klägerin in der Revisionsinstanz nicht mehr gehört werden kann» Aus dem Schreiben des Beklagten vom 20o Mai 1955 ist nicht zu entnehmen, daß dem Beklagten bei seiner Abfassung die Urkunde vom 31» Januar 1955 Vorgelegen und daß er die rechtliche Unwirksamkeit des Geschäfts infolge unvollständiger Beurkundung erkannt hat» Eine solche Behauptung hat die Klägerin im bisherigen Verlauf des Rechtsstreits auch nicht aufgestellt» Es besteht durchaus die Möglichkeit, daß der Beklagte das Schreiben ohne Einsichtnahme in die Urkunde aus der Erinnerung aufgesetzt hat und daß er sich der Unwirksamkeit des von ihm beurkundeten Geschäfts nicht bewußt gewesen ist» Die wegen Formmangels nichtige Zusage von Wohnungs-eigentum und Grundstücks-Miteigentum sei nämlich mit dem dinglichen Erfüllungsgeschäft so zu einer Einheit verbunden gewesen, daß die Nichtigkeit des Grundgeschäfts auch die Nichtigkeit der Auflassung zur Folge gehabt habe; durch Eintragung im Grundbuch habe das Grundgeschäft daher nicht zu rechtlicher Wirksamkeit gebracht werden können. darüber vorgelegt wurde, daß die Wohnungen in sich abgeschlossen waren (§§ 3 Abs„ 2, 7 Abs* 4 WEG)» Wie das Berufungsgericht als unstreitig feststellt, ist der Beklagte nicht damit beauftragt gewesen, diese Unterlagen zu beschaffene Hierfür hatte also die Klägerin selbst zu sorgeno Von ihr ist auch, so hat das Berufungsgericht als erwiesen angesehen, am 15° November 1956 im Anschluß an den vom Beklagten gestellten Eintragungsantrag eine bauamtliche Bescheinigung beim Grundbuchamt unmittelbar eingereicht wordene Daß die Bescheinigung vom Grundbuchamt beanstandet wurde, hat der Beklagte der Klägerin alsbald zur Kenntnis gebracht, ebenso die Beanstandungen der später eingereichten Unterlagen,, Inwiefern den Beklagten ein Verschulden daran treffen könnte, daß es nicht zu rechtzeitiger Ausstellung und Einreichung ordnungsmäßiger baubehördlicher Unterlagen gekommen ist, ist nach Ansicht des Berufungsgerichts nicht ersichtliche Die Revision meint, angesichts der bei der Abfassung des Schreibens vom 20» Mai 1955 zutage getretenen Fehlerhaftigkeit der Beurkundung vom 31« Januar 1955 und der daraus fließenden Verpflichtung des Beklagten, zur Herstellung der Wirksamkeit des Vertrages für eine beschleunigte Eintragung im Grundbuch zu sorgen, habe sich der Beklagte nicht darauf verlassen dürfen, daß die Klägerin von sich aus die erforderlichen vorschriftsmäßigen baubehördlichen Unterlagen beibringen werde, vielmehr habe er sie hierbei belehrend unterstützen müssen„ Baß der Beklagte eine dahingehende Amtspflicht gehabt hätte, hat das Berufungsgericht jedoch rechtsirrtumsfrei verneint. Ob das Berufungsgericht annehmen durfte, daß der Vertrag vom 21o Oktober 1954 von den Vertragsparteien aufgehoben worden sei, was die Revision wegen der Nichtigkeit des an seine Stelle getretenen Vertrages vom 31» Januar 1955 für irrig hält, kann dahinstehen; ein Vollzug des früheren Vertrages hat nach dem Abschluß des späteren jedenfalls nicht mehr in Frage gestanden; daß der Beklagte Vollzugspflichten hinsichtlich des früheren Vertrages gehabt und verletzt hätte, hat die Klägerin auch nicht behauptete Die Revision erweist sich hiernach als unbegründete Nach § 97 ZPO hat die Klägerin die Kosten ihres erfolglosen Rechtsmittels zu tragen..