BGH · VI ZR 186/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Revision der Kläger gegen das Urteil des 18« Zivilsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom. Nachdem Franz im Jahre 1953 verstorben war, erteilte seine Witwe durch Urkunde des Notars Dr. E^|^^ in vom 20» September 1954 Roland die Vollmacht, Verhandlungen Uber einen Erbverzicht mit den .Verwandten ihres Ehemannes zu führen und Erbverzichtsverträge mit ihnen abzuschließen» Die Verhandlungen führten zu Verträgen vpm 5« und 7« Oktober 1954, in denen die Angehörigen der Geschwisterstämme - außer dem durch Dr» Alexander und Eoland Halbgebildeten Stamm - auf ihr Erbrecht nach Wilhelmine gegen Zahlung von Abfindungen in Höhe von teils 20»000 DM teils 21.000 DM verzichteten und die durch Roland vertretene Wilhelmine sich mit dem Verzicht einverstanden erklärte» Erben nach Frau Wilhelmine H^pp seien, hilfsweise sie zu verurteilen, ihren Miterbanteil auf die Gebrüder Br, Alexander Hp^p und Roland zur gesamten Hand, hilfsweise auf die Erbengemeinschaft nach Frau Wilhelmine Hppp zur gesamten Hand zu übertragen» In dem einen Hechtsstreit (30 57/39) wies das Landgericht die Klage durch Urteil vom 1* Dezember 1959 ab» Die Berufung des Klägers wurde durch das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 9« November I960 zurückgewiesen (7 U 84/60) Die weiterhin eingelegte Revision, über die der Bundesgerichtshof durch Urteil vom 4« Juli 1962 entschied (V ZR 14/61 - BGH2 37, 319), blieb ebenfalls ohne Erfolg» In dem anderen Rechtsstreit (10 0 234/62 DG Duisburg), der zunächst geruht hatte, wurde die Klage nach dem Ausgang des Farallelprozesses zurückgenommen» Die Beklagten haben die Ansprüche nach Grund und Höhe bestritten, in erster Linie aber die Einrede der Verjährung erhobene Die Kläger haben hierauf erwidert, ihre Rechtsvorgänger hätten erst durch das Urteil, des Bundesgerichtshofsvom 4« «Tuli 1962 die Kenntnis erlangt, auf andere Weise keinen Ersatz erlangen zu können; erst mit dem Bekanntwerden dieses Urteils habe daher die Verjährung zu laufen begonnen« Wie das Berufungsgericht zutreffend ausgeführt hat, finden die Klageansprüche ihre Grundlage in § 1 RNotO io Verb» mit § 839 BGB» Daher gilt für sie die in § 852 BGB bestimmte dreijährige Verjährung» Die für den Beginn der Verjährung erforderliche Kenntnis von dem Schaden und der Person der Schädiger haben Br * Alexander Hf||^ und RoitUüfc von denen die Kläger ihre Ansprüche ableiten und deren Kenntnis sie sich nach § 404 BGB zurechnen lassen müssen, nach den unangefochtenen Feststellungen des Berufungsgerichts spätestens auf Grund des Teilerbscheines des Amtsgerichts Mülheim/luhr vom 16» Dezember 1958 und der Aufstellung der Westdeutschen Treuhandgesellschaft vom 31» Januar I960 über den Bestand und den Wert des Nachlasses erlangt; durch den Teilerbschein haben sie erfahren, daß die irbversichtsvertrage nicht wirksam beurkundet worden sind, und durch die Aufstellung der Westdeutschen Treuhandgesellschaft, welcher Schaden ihnen hierdurch entstanden ist«, Da nur eine fahrlässige Amtspflichtverletzung der Notare in Rede steht, diese daher nur dann auf Schadensersatz in Anspruch genommen werden konnten, wenn Dr, Alexan- zu gelangen vermochten, kommt es für den Beginn der Verjährung weiter darauf an, zu welchem Zeitpunkt ihnen bekannt geworden ist, daß keine anderweitige Frsatzmöglichkeit bestand* Das Berufungsgericht ist in Übereinstimmung mit dem Landgericht der Ansicht, daß diese Voraussetzung spätestens gegeben war, als Dr. Alexander und von dem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 9« November I960 Kenntnis erhielten, durch das die klagabweisende Entscheidung des Landgerichts Duisburg in dem Rechtsstreit 3 0 57/59 bestätigt wurde» Das war nach der Überzeugung dis Berufungsgerichts zu einem Zeitpünkt, der jedenfalls länger als drei Jahre vor der Einreichung der . nicht auf andere Weise Ersatz Die Revision vertritt demgegenüber die Meinung, Br. Alexander und hätten erst durch das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 4« Juli 1962 die Kenntnis erlangt, daß sie von den Miterben nichts beanspruchen könnten« Die voraufgegangenen Urteile des Landgerichts und Öberlandesgerichts hätten ihnen bei der schwierigen Rechtslage nicht schon die erforderliche Gewißheit vermittelt« Die Möglichkeit anderweitigen Ersatzes habe solange bestanden, bis der Bundesgerichtshof die Revision gegen das oberlandesgerichtliche Urteil zurückgewiesen habe« Das müsse genügen, um den Beginn und Ablauf der Verjährung aufzuhalten« Das Berufungsgericht , so meint die Revision, sei von einer zu engen Auffassung ausgegangen« Rach den Grundsätzen feststehender Rechtsprechung ist die Kenntnis im Sinne des § 852 BGB vorhanden, wenn der Geschädigte auf Grund der ihm bekannten Tatsachen gegen eine bestimmte Person eine Schadensersatzklage erheben kann, die bei verständiger Würdigung der von ihm vorgetragenen Tatsachen soviel IrfolgSaussicht bietet, daß ihm die Klage - wenn auch nicht risikolos - zuzu demuten ist (vgl« BGH Urteil vom 4« Juli 195? April 1964 - VI ZR 291/62 - LM Nr» 14 zu § 839 /!/ BGB = VersR 1964, 751)»■ Dieses Erfordernis ist nicht dahin zu verstehen, daß der Geschädigte vor Erhebung der Schadensersatzklage alle etwa denkbaren Möglichkeiten anderweitiger Ersatzerlangung erschöpft haben müßte» Als negative AnspruchsvorausSetzung kommen zunächst nur solche aus demselben $atsaehenkreis entspringenden Ersatzmöglichkeiten in Betracht, die begründete Aussicht auf baldige Verwirklichung bieten {BGH2 2, 209, 218) . Um das fehlen einer derartigen Ersatzmöglichkeit darzutun, muß der Geschädigte sodann auch nicht schon einen Rechtsstreit gegen den in Frage kommenden Ersatzverpflichteten durchgeführt haben; er kann den Nachweis im Amtshaftungsprozeß selbst führen (BGH Urteil vom 10, November 1955 - III ZR 150/54 - DM Nr« 6 zu § 839 /§/ BGB mit weiteren Nachweisen) .« Schließlich braucht er hierbei auch nur solche Ersatzmöglichkeiten zu widerlegen, für die sich aus dem Sachverhalt selbst Anhaltspunkte ergeben; Sache des Beklagten bleibt es, dem Kläger die Versäumung anderweitiger Ersatzmöglichkeiten nachzuweisen (RGZ 158, 277, 283; BGH Urteil vom 10. Soweit sich der Geschädigte um Ersatzmöglichkeiten nicht zu kümmern braucht, - sei es, daß sich aus dem gegebenen Sachverhalt keine greifbaren Anhaltspunkte für solche ergeben, sei es, daß er sich von diesen keine baldige Verwirklichung versprechen kann, - wird auch die Verjährung seines Amtshaftungsanspruchs durch sie nicht gehindert« Nur in anderen Fällen kann es sich auf den Beginn der jährung auswirken, ob anderweitige Ersatzmöglichkeiten be-stehen« Dann kommt es darauf an, wie diese Möglichkeiten Bietet die Amtshaftungsklage bei verständiger Würdigung der dem Geschädigten bekannten Tatsachen trotz der für das Bestehen einer anderweitigen Ersatzmöglichkeit in Betracht kommenden Umstände soviel Erfolgsaussicht, daß dem Geschädigten die Erhebung der Klage zuzu demuten ist, so kann der Verjährung^ beginn durch die Rücksicht auf jene Umstände nicht aufgehalten werden. Es hat erwogen, Br. Alexander hätte den Vorprozeß nicht zu führen brauchen, sondern sogleich die Klage gegen die Notare erheben können, ohne eine Abweisung der Klage wegen Vorliegens einer anderen Ersatz^ möglichkeit befürchten zu müssen. gericht entschieden hatte, von der Erhebung einer Schadensersatzklage gegen die Notare auch schon darum nicht durch Bedenken wegen des Bestehens etwaiger Ersatzansprüche gegen die Miterben•abhalten zu lassen, weil den Notaren im damaligen Berufungsverfahren durch Schriftsatz vom 15» Juni I960 der Streit verkündet worden war; hätten sie sich der auf sie zukommenden Schadensersatzpflicht durch Ausschaltung der Streithilfewirkung {§§ 68, 74 ZPO) erwehren wollen, so hätten sie dem Kläger im Rechtsstreit beitreten und ihrerseits die Revision gegen das oberlandesgerichtliche Urteil einlegen können» Zur Wahrung seiner Interessen gegenüber den beiden Notaren hatte es Br„ Alexander nicht nötig, den Rechtsstreit bis zur Entscheidung des . Mit Hecht hat das Berufungsgericht hiernach angenommen, daß dieAnsprüche gegen die Beklagten zu verjähren Begannen, als Dr. Alexander und - Uber drei Jahre vor Einreichung der Klage - von dem oberlandesgerichtlichen Urteil Kenntnis erhielten»