BGH · VI ZR 184/62 vom 07.06.1963
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Als der Kläger sich der Einmündung der Straße von Gailhof näherte, bog der Zv/oitbeklagte, der einen au3 einem Unimog und einem Anhänger bestehenden Zug des Erstbeklagten führte, aus dieser Straße in die Landstraße Nr. 190 nach rechts ein, fuhr auf dieser bis zur Einmündung der Straße nach Brelingen und bog sodann nach links ab, um in Richtung Brelingen weiterzufahren. sehr, daß für eine Anrechnung der Betriebsgefahr des vom Kläger gesteuerten Zuges kein Raum sei« Dessen Fahrgeschwindigkeit habe höchstens 50 km/st betragene Als er sich der Einmündung der Straße von Gailhof auf weniger als 100 Meter genähert habe, sei der Beklagte zu 2) mit einer Geschwindigkeit, die wesentlich geringer als 20 bis 25 km/st gewesen sei, von dieser Strasse in die Landstraße Nr. 190 eingebogen« Er habe sodann den Zug ganz auf die rechte Fahrbahnseite gezogen und sei mit geringer Geschwindigkeit weitergofähren« Inzwischen habe sich der Kläger so weit genähert, daß er den Zug habe überholen müssen« Als das Führerhaus seines Motorwagens bereits in Höhe des Anhängers gewesen sei, habe der Zweitbeklagte, ohne in den Rückspiegel zu schauen, ohne sich zur Fahrbahnmitte einzuordnen und ohne die beabsichtigte Richtungsänderurig anzuzeigen, unvermittelt scharf nach links gesteuert, um in die Straße nach Brelingen einzubiegen« Die Beklagten haben Klageabweisung beantragt« Sie haben entgegnet, der Zwoitbeklagte habe bereits 50 bis 60 Meter vor der Einmündung der Straße nach Brelingen die linken Blinkleuchten eingeschaltet« Er sei vor dem Einbiegen nach links nicht scharf rechts gefahren, wie der Kläger behaupte, sondern habe vom rechten Fahrbahnrande einen Abstand von gut 2 m eingehalten „ Ein weiteres Einordnen sei ihm nicht möglich gewesen» laß er vor den Einbiegen nicht rückwärts geschaut hat, und daß ecin Rückspiegel unbrauchbar war, bestreitet er nicht« 2») Eine Verletzung der Vorfahrt des Klägers durch den Zweitbeklagton beim Einbiegen in die Landstraße 190 hat das Berufungsgericht zutreffend verneint, weil nach seiner unangefochtenen Feststellung der Kläger den Zweitbeklagten erst 90 m hinter der Einmündung eingeholt hat, obwohl er seine Fahrgeschwindigkeit allenfalls ganz geringfügig, und zwar möglicherweise gerade auf die für die geschlossene Ortschaft zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/st ermäßigt hatte» 2udem ist kein Anhalt dafür ersichtlich, daß eine etwaige Vorfahrtsverletzung für den Unfall ursächlich geworden wäre» 4o) Dagegen beanstandet die Revision mit Recht, daß das Berufungsgericht dem in der Berufungsbegründung gestellten Antrag des Klägers auf Vernehmung des Zeugen KnMMHk ni°ht stattgegeben hat» Das Berufungsgericht stützt seine für den Grad des Verschuldens des Zv/eitbeklagten, insbesondere aber für das Mitverschulden des Klägers erhebliche Feststellung, der Zweitbeklagte habe bereits 45 bis 50 m vor dem Linkseinbiegen seine linken Blinkleuchten eingeschaltet, auf die Aussage seines Beifahrers BflHH^vor der Polizei sowie auf die Bekundungen des im Strafverfahren und vom Landgericht vernommenen Zeugen RfflB» der dem Lastzug des Klägers in einem Abstand von etwa 60 m gefolgt war. Strafverfahren, der Zweitbeklagte habe das Blinklicht erst im Augenblick des Einbiegens nach links eingeschaltet, erachtet das Berufungsgericht nicht als beweiskräftig0 Die vom Kläger beantragte Vernehmung dos Zeugen hält es nicht für erforderlich* Diese Erwägungen stellen, wie die Revision mit Recht rügt eine unzulässige vorweggenommene Beweiswürdigung dar«, Der Tatrichter darf von der Vernehmung eines Zeugen absehen, wenn er die in sein Wissen gestellten Tatsachen als wahr unterstellt, nicht aber aufgrund der Unterstellung, der Zeuge werde bei seiner Vernehmung diese Tatsachen als richtig bestätigen» Die Beweiserhebung darf nicht durch Vermutungen Uber das, was die Beweisaufnahme ergeben könnte, ersetzt werden (vgl» BGH, Urteil vom 12» Jan» 1962 - V ZR 179/60 - EM § 286 ZPO (A) Nr» 20 Stein-Jonas, 17« Aufl» § 284 ZPO Anm» B X; B III 3 d)» 5») Die Hilfsbegründung des Berufungsgerichts, das Be-weisangebot des Klägers auf Vernehmung des Zeugen KnflHHHi sowie weiterer erst in der Borufungsbegründung benannter Zeugen müßte, wenn cs erheblich wäre, nach § 529 ZPO als verspätet zurückgewiesen werden, ist ebenfalls nicht frei von Rechts irrtun. Beide Parteien hatten sich vor dem Landgericht mit der Verwertung der Zeugenaussagen im Strafverfahren für die £rstp_Instanz, einverstanden erklärt» Das Landgericht hielt cs aber für erforderlich, den Zeugen Rfl^ zu vernehmen, und zwar, wie das Berufungsgericht annimmt, aufgrund der unklaren Protokollierung seiner Aussage vor dem Schöffengericht» Unter diesen Umständen durfte das Berufungsgericht den in der Berufungobegründung gestellten Antrag des Klägers auf Vernehmung des Zeugen Kn^^Hl und weiterer im Strafverfahren vernommener Zeugen nicht nach § 529 ZPO als verspätet zurückwei-oen» Seine Auffassung, der Kläger habe, als er von dem Vorhaben des Landgerichts, lediglich den Zeugen zu verneh-