BGH · VI ZR 183/60 vom 07.07.1961
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des a) Die Zahlungsansprüche der Klägerin sind dem Grunde nach zu einem Fünftel des der Ehefrau und den beiden Kindern des am ■. Dezember 1957 gegen 4<>50 Uhr befuhr der Zweitbeklagte mit einem Lastzug der Erstbeklagten die Bundesstraße 9 von nach Die Straße ist als Schnellverkehrsstraße ausgebaut, hat eine 7,60 m breite Fahrbahn, zu beiden Seiten je einen 50 cm breiten Betonstreifen und daran anschließend zwei je 2,80 m breite asphaltierte Fahrbahnen für den langsamen Verkehr. kommen seien, nicht, mit Abblendlicht fahren dürfen» Die Klä- • gerin räumt ein, daß den Getöteten ein Mitverschulden treffe und begrenzt deshalb ihre Ersatzansprüche auf die Hälfte des den Hinterbliebenen entstandenen Unterhaltsschadens» In dem gleichen Umfang begehrt sie die Feststellung der Ersatzpflicht der Beklagten für die ZukunftsSchäden» Die Beklagten haben Klägeabweisung beantragt» Sie haben vorgetragen, der Getötete Stü^fe sei infolge von Trunkenheit und Übermüdung überraschend in die Fahrbahn des lastzuges getorkelt» Die überhöhte Geschwindigkeit sei daher für den Unfall nicht ursächlich gewesen» Der Unfall stelle für die Beklagten ein unabwendbares Ereignis dar» 2p) Das Berufungsgericht erachtet jedoch rechtsirrtumsfrei den ursächlichen Zusammenhang zwischen der fehlsamen Fahrweise des Zweitbeklagten und dem Unfall nicht für erwiesen, da sich die Möglichkeit nicht ausschließen lasse, daß der Verunglückte St^fr überraschend von rechts in die Fahrbahn des Lastzuges hineingelaufen sei* Damit entfällt eine Haftung des Zweit beklagt enrnach § 823 BGB. 3.) Das Berufungsgericht hält aber auch die Behauptung der Beklagten, St<HP sei plötzlich in die Fahrbahn des Lastzuges getorkelt, nicht für erwiesen; die Möglichkeit, daß sich St^P bereits einige Zeit vor dem Unfall auf der Schnellfahrbahn bewegt habe, sei ebenfalls nicht auszuschließeno Die Revision meint, diese Möglichkeit hätte durch das von den Beklagten beantragte Sachverständigengutachten ausge räumt werden können* St ölte sei vom rechten Teil der Stoßstange des Maschinenwagens ergriffen worden; die Stoßstange sei aber gerundet und an den Seiten zurückgebogen, Ein auf j der Fahrbahn gehender Fußgänger, der seine Gehrichtung parallel der Straße einhalte, würde bei dem angeführten Anstoß schräg nach rechts geschleudert, nicht aber nach links herübergerissen worden sein, wie es bei Stolte der Fall gewesen sei, der nach dem Unfall auf der Straßenmitte gelegen habe« Auch der Blutalkoholgehalt des Getöteten, der reichlich 6 Stunden nach dem Unfall noch 1,19 °/oo betragen habe, zur Unfallzeit also erheblich höher gewesen sein müsse, spreche dafür, daß dieser J unbesonnen in die Fahrbahn des Lastzuges gelaufen oder ge- T torkelt sei« Bei dieser Sachlage, so rügt dne Revision, hätte I das Berufungsgericht, dem eine hinreichende eigene Sachkennt- I nis zur Beurteilung dieser Fragen nicht zugebilligt werden könne,! Die Rüge kann keinen Erfolg haben« Auch wenn St41^ vor dem Unfall bereits auf der Schnellfahrbahn gegangen ist, kann er unmittelbar vor dem Anstoß infolge Trunkenheit, Übermüdung oder einer L'Skhreckreaktion plötzlich eine Bewegung nach links gemacht haben« Dann hätte aber, so konnte das Berufungsgericht 1 folgern, der Unfall sich in seinem weiteren Verlauf vielleicht nicht anders abgespielt, als wenn Stolte von rechts in die Fahrbahn des Lastzuges hineingestolpert wäre. Die Eevision irrt, wenn sie meint, der Blutalkoholgehalt des Getöteten Stfl^ sei zur Unfallzeit erheblich höher gewesen als bei der 6 Stunden später erfolgten Blutentnahme, Sie Ubersieht, daß St^^ beim Unfall sofort getötet worden ist und damit ein weiterer Abbau des Blutalkohols nicht mehr erfolgen konnte (vgl. 4«) Ist danach die Ursächlichkeit der verkehrswidrigen Fahrweise des Zweitbeklagten für den Unfall nicht auszuschlies-sen, so hat das Berufungsgericht den diesem obliegenden Ent-lastungsbev/eis, daß der Unfall von ihm nicht verschuldet worden sei, ohne Rechtsirrtum als nicht geführt erachtet. Die Erstbeklagte haftet außerdem, wie das Berufungsgericht zutreffend ausführt, für den von ihrem Fahrer verursachten Schaden nach § 831 BGB, da sie zu dem Beweis einer sorgfältigen Auswahl und Überwachung nichts vorgetragen hat und nicht nach-weisen kann* daß auch ein sorgfältig ausgewählter Fahrer den Unfall nicht hätte vermeiden können. 1.) Die Ausführungen des Berufungsgerichts zur Schadensabwägung nach §§ 9 StVG, 254 BGB sind dagegen, wie die Revision mit Recht rügt, nicht frei von Rechtsirrtum- Das Berufungsgericht geht zwar zutreffend davon aus, daß den Getöteten St^i^ oin erhebliches unfallursächliches Mitverschulden trifft, gleichgültig, ob er infolge Trunkenheit und Übermüdung überraschend in die Fahrbahn des Lastzuges getorkelt ist, oder ob er bereits einige Zeit vor dem Unfall 4,50 m vom rechten Straßenrand ent fernt auf der Fahrbahn des Lastzuges gegangen ist, ohne den Verkehr hinter sich zu beachten- Zu Unrecht wirft es aber zu zufolge der dargelegten verkehrswidrigen Fahrw^xse des Zweitbeklagten ein- Da nach § 254 BGB die Schadensverteilung in erster Linie davon abhängt, inwieweit der Schaden von dem einen oder dem anderen Teil verursacht worden ist, darf eine erhöhte Betriebsgefahr nur berücksichtigt werden, soweit sie für den eingetretenen Schaden ursächlich geworden istDas Berufungsgericht hält es aber für wahrscheinlich, daß die überhöhte Geschwindigkeit und die damit verbundene erhöhte Betriebsgefahr des Lastzuges für den Unfall nicht ursächlich geworden ist, denn es führt aus, der Unfall hätte mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch durch ein völlig verkehrsgerechtes Verhalten des Beklagten nicht verhindert werden können- Bei dieser Sachlage durfte eine erhöhte Betriebsgefahr dem Beklagten nicht angelastet werdenDie Schadensverteilung durch das Berufungsgericht kann daher nicht bestehen bleiben, Das Verschulden des Getöteten und seine Bedeutung als Unfallursache ist vom Berufungsgericht zutreffend gewürdigt worden* Mit Rücksicht darauf, daß das Berufungsgericht rechtsfehlerhaft eine erhöhte Betriebsgefahr zu lasten der Beklagten eingeworfen hat* erscheint es angemessen, die Ersatzpflicht der Beklagten nicht auf ein Drittel, sondern nur auf ein Fünftel des entstandenen Schadens festzusetzen«