BGH · VI ZR 183/57
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grundelegung von Vergleichslöhnen erstklassiger Einkäufe-* rinnen auf monatlich 750 DM bis März 1953, für die spätere Zeit auf höhere bis 1350 DM monatlich ansteigende Be- ♦ trage zu bemessen* Entsprechend habe er, der Kläger, auch * eine Ersatzkraft entlohnen müssen« Der Kläger hat mit der Klage eine Ersatzforderung von 81 375 DM nebst Zinsen geltend gemacht, die die Zeit bis zu dem 30« September 1956 betrifft* Ferner hat er um die Feststellung der weiteren Ersatzpflicht des Beklagten gebeten, wobei er sich hdlfs-weise - für die Zeit nach dem Inkrafttreten des Gleichberechtigungsgrundsatzes - auf eine Abtretung der Ansprüche seiner Ehefrau berufen hat« Der Beklagte, der um Abweisung der Klage bittet, hat bestritten, daß die Ehefrau des Klägers in dem angegebenen . sei* Vor allem hat er unter H weis auf die vier minderjährigen Kinder der Eheleute und deren soziale Verhältnisse die Ublichkeit der behaupteten Arbeit der Ehefrau und damit die in § 845 BGB vorausgesetzte Rechtspflicht der Ehefrau zur Reiatung von Diensten Gewerbe bestritten* Bach Ansicht des Beklagten ist die An-Wendung des § 845 BGB aber auch deshalb ausgeschlossen, weil die Dienste der Ehefrau für Gesellschaften geleistet worden sind, an denen der Kläger nur zu einem gewissen Brozent-Satz beteiligt war« Ein eigener Erwerbsschaden der Ehefrau sei nicht entstanden*. Der Beklagte hat im übrigen die Earasede der Verjährung erhobene Demgegenüber hat der Kläger geltend gemacht, der Beklagte habe durch seinen Haftpflichtversicherer die Ersatzpflicht dem Grunde nach anerkannt» Ausserdem verstosse die Erhebung der Verjährungseinrede gegen Treu und Glauben, nachdem die Versicherungsgesellschaft durch die Führung längerer Vergleichsverhandlungen zu erkennen gegeben habe, daß sie sich auf eine Verjährung nicht, berufen werde. 2. festzustellen, daß der Beklagte verpflichtet ist, gemäß § 845 BGB allen weiteren Schaden zu ersetzen, den der Kläger dadurch erlitten hat und erleidet, daß ihm infolge des Unfalls, den seine Ehefrau in der Nacht zu dem 16. Bieser Ansicht ist zuzustimmen«» Bie Verjährungsfrist für den auf die Bestimmung des § 843 BOB gestützten Anspruch begann am 16* Juni 1949, allenfalls einige Tage später ztr • laufen, als sich der Kläger darüber im klaren war, daß sei«^ ne Ehefrau infolge ihrer Verletzungen zu einer Mitarbeit im’(: Geschäft nicht mehr oder nur noch in beschränktem Umfang in der Lage sein werdeo Bie.Klage auf Ersatz des Wertes ihrer Bienste ist erst am 21* März 1953 bei Gericht einge-gangen und am 27« März 1953 dem Beklagten zuge.stellt worden* Im März 1953 war aber die dreijährige Verjährungsfrist des § 852 BGB längst abgelaufen«» Bie Verjährung ist auch nicht durch ein Anerkenntnis des' Beklagten unterbrochen wor*-? den« Aus dem vom Berufungsgericht eingehend gewürdigten Schriftwechsel zwischen dem Kläger und- seinem Rechtsanwalt einerseits und der Versicherungsgesellschaft des Beklagten andererseits ergibt sich, daß die Versicherungsgesellschaft zwar die haftungsrechtliche Verantwortung des Beklagten für den Unfall nicht in Zweifel zog, auch andere aus J dem Verhalten der Versicherungsgesellschaft des Beklagten, die sich auf Erörterungen über den streitigen Anspruch ein- . JM Nr«, 2 zu § 242 (C b) BGB = VersR 1956, 116)* Einer Entscheidung dieser frage bedarf es nicht« Denn der Einwand der unzulässigen Reehtsausubung steht der Verjährungseinrede in solchen fällen nur für eine kurze, nach den Umstän-li den des Einzelfalles zu bemessende Frist entgegen, nachdem die Umstände weggefallen sind, die beim Kläger das Absehen von der gerichtlichen Geltendmachung seines Anspruchs/ verständlich machen (BGHZ 9, 1 Urteil des I«Zivil~. BGB)c Hat ein Kläger schon über die Verjährungsfrist hinaus mit der Klageerhebung gewartet, so muß von ihm gefordert werden, daß er sich alsbald zur Klage ent~ schließt, wenn aus dem Verhalten des Beklagten zu entnehmen ist, daß dieser sich auf eine Befriedigung des Anspruchs nicht einläßt« Falle hatte die Versicherungsgesell* schaft des Beklagten durch das Schreiben vom 20«Dezember 1952, das dem Kläger spätestens am 22« Dezember•1952 sugegangen ist, diesem unter Darlegung ihres, Standpunktes in klarer ^eise zu dem Ausdruck gebracht,' daß sie eine Erfül* lung des streitigen Anspruchs ablehne« Sie hatte überdies darauf hingewiesen, daß sie sich von einer mündlichen Erörterung der Angelegenheit keinen Erfolg mehr verspreche« Bei dieser Lage durfte der Kläger nicht mehr rund drei Monate bis zur Erhebung der Klage verstreichen lassen« Der Senat stimmt der Würdigung des Berufungsgerichts zu diesem Punkt in allem zu« Bemühte sich der Kläger nach Ablehnung seiner Forderung noch über einen Mittelsmann um ein Einlenken der Versicherung, so konnte er doch nicht darauf vertrauen, daß weitere Bemühungen um einen Vergleich erfolgreich sein würden, nachdem die beiderseitigen Rechtsansichten wiederholt dargelegt waren und die langdauernden Verhandlungen zu keiner Annäherung der Standpunkte geführt hatten« Bei der Entscheidung der Frage, inwieweit*dem Kläger Nachsicht gewährt werden kann, fällt auch ins Gewicht, daß der Kläger Kaufmann ist und durch einen Rechtsanwalt vertreten war, so daß ihm die Gefahr einer Verjährung bewußt sein mußteo Schon insoweit liegt der Fall durchaus anders als der in RGZ 143, 250, 258 entschiedene Fall« Entgegen der Ansicht der Revision kann nicht anerkannt werden, daß der* Erhebung der Klage besondere Schwierigkeiten im Wege standen« Die allein unter den Parteien streitige Frage, ob eine Mit-* * arbeit der Ehefrau in einem Geschäftsbetrieb der Art und Größenordnung, wie er hier vorlag, üblich ist, war Gegenstand eingehender Erörterung gewesen« Bereits in einer Besprechung vom März 1951 hatte idle Versicherungsgesellschaft den geltend gemachten Anspruch aus Rechtsgründen abgelehnt, und bereits im Oktober 1951 hatte der Anwalt des Klägers mit der Erhebung einer Klage gedroht« Der Kläger mußte sich also seit langem darauf einstellen, daß eine Klage-erhebung erforderlich sein,könne« Zu dieser fehlte es ihm auch nicht an den notwendigen Unterlagen« Schon im Januar 1952 hatte sich der Kläger eine Stellungnahme seines Fachverbandes über die üblichkeit der Mitarbeit von Ehefrauen in Textilunternehmen besorgt; er hatte sich ferner der Versicherung gegenüber auf die Verhältnisse in namentlich benannten Vergleichsbetrieben bezogen« Wollte der Kläger die Berechtigung seines Begehrens noch durch weitere Auskünfte e* härten, so durfte er doch deshalb die Erhebung der Klage nicht noch weiter aufschieben, nachdem die Verjährungsfrist bereits seit einem halben Jahr abgelaufen war» Bas weitere Zuwarten des Klägers kann auch nicht mit der Erwägung entschuldigt werden, daß sich die Versicherungsgesellschaft ebenfalls reichlich Zeit zu ihrer Prüfung gelassen habe* Benn eben diese Zeit stand auch dem Kläger zur Verfügung, um sich über seine Absichten für den Pall schlüssig zu werden, daß die Versicherung auf seinen Anspruch nicht einging, was nach dem Briefwechsel‘keineswegs fernlag* Auch darf bei der V/ürdigung nicht ausser Betracht bleiben, daß der Kläger selbst seinen Anspruch sehr spät an die Versicherungsgesellschaft herangetragen hat* Irgendwelche Anhaltspunkte dafür, daß die Versicherungsgesellschaft die Verhandlungen in arglistiger Weise erschwert hat, um die Verjährungs einrede zu gewinnen, sind aus dem Schriftwechsel und den Pest Stellungen des Berufungsgerichts nicht zu entnehmen* Bie von der Revision befürwortete großzügige Pristbemessung würde dem Zweck der VerjährungsvorSchriften zuwiderlaufen und überdies im Gegensatz zu den in der Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen stehen (vgl* die oben angeführten Entscheidungen und RG BRR 1940, 980)* Wenn das Reichsgericht in dem in RGZ 128, 211 entschiedenen Pall die Klageerhebung nach einem Zeitraum von zwei Monaten 19 $agen seit Behebung des Hindernisses als verspätet bezeichnet hat, so lassen sich aus der Eigenart des vorliegenden Palles keine Gründe dafür gewinnen, die eine Erstreckung der Prist zur Klageerhebung auf einen längeren Zeitraum rechtfertigen könnten* Da die Einrede der Verjährung gegenüber dem Anspruch des Klägers aus § 845 BGB durchgreift, braucht nicht darauf ein-* Als ungeeignet erweist sich der Versuch, der Klage dadurch zu dem Erfolg zu verhelfen, daß der Klageanspruch hilfsweise auf eine Abtretung von Forderungen gestützt wird, die in der Peröon der Ehefrau entstanden sein sollen* Die Ehefrau könnte einmal dadurch, geschädigt sein, daß sie die angeblich für ihre Tätigkeit bezogene Vergütung von 250 DM monatlich nicht weiter erhalten hat« Doch .soll offenbar dieser Schaden, dessen Geltendmachung nehegelegen hätte, gerade nicht Gegenstand der Klage sein (vgl« Schriftsatz vom 16« Mai 1955 - Bl« 151 d«A.)« Ehegatten lebten* ob eine Rechtspflicht der Ehefrau zur Mit" arbeit im Gewerbebetrieb des Ehemannes bestand, hat der erkennende Senat in dem Urteil vom 16f Dezember 1953 - VI ZR * ‘ vom 18* Juni 1957 eingeführte neue Fassung des § 1356 BGB zeigt, daß in dem hier wesentlichen Funkt der Rechtspflicht der Ehefrau zur Mitarbeit im Geschäft des Mannes kein sachlicher Unterschied zwischen früherem und neuem.Recht besteht« Nach wie vor kann der Ehemann den Schaden geltend machen, der ihm durch den Wegfall der Dienste der Ehefrau in seinem Geschäft entstanden ist, vorausge- • setzt, daß eine Rechtspflicht zur Leistung dieser Dienste bestand« Daß eben diese Schadensfolge eingetreten ist, wird vom Kläger auch jetzt noch vorgetragen« Sollte der Ehefrau aber ein eigener Erwerbsjschaden entstanden sein, so war auch schon vor dem 31 * März 1953 (Art*117 Abs« 1 GG) von der Rechtsprechung die Möglichkeit anerkannt worden, daß der Ehefrau ein.Anspruch auf Ersatz eines solchen Schadens zusteht (RG JW 1911, 810; RG Warn« 1933* 198; RGZ 129, 55 /587)o Der Kläger, dem es ersichtlich mit seinem Eventualantrag um Ersatz eben des gleichen Schadens geht, der auch' im Hauptantrag geltend gemacht wird, kann daher der Verjährungsfolge nicht dadurch entgehen, daß er die rechtliche Begründung Seines Anspruchs aus einer angeblich erst am 1« April 1953 eingetretenen Änderung der Rechtslage herleitet« Auf die Bedenken, die sich aus § 400 BGB in Verbindung mit § 850 b Nr. 1 ZPO gegen die Rechtswirksamkeit der be- .