BGH · VI ZR 180/58
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September 1959 unter Mitwirkung der Bundesrichter Br« Kleinewefers, Hanebeck, Br« Bodef.Br. Hauß und Heinrich Meyer für Recht erkannts Auf die Revision' der Kläger wird das Urteil des Io Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Neustadt an der Weinstraße vom 9o Juli 1958 aufgehoben* Sie leben mit ihrer Mutter im Haushalt der Großeltern, Nach der von den Eheleuten und der Mutter der Kläger Unterzeichneten Forderuhgsabtretung vom 19* September 1955 sind die Schadensersatzänsprüche an die Kläger abgetreten, "soweit sie abgetreten werden können, sonach ausgeschlossen «-oo Ansprüche aus § 843 BGB (besondere Bedürfnisse, und aus § 847 BGB (Schmerzensgeld), Pie Abtretung erfaßt hingegen insbesondere die Ansprüche auf Entschädigung wegen nicht mehr herzustellender Körper- und Gesundheitsbeschädigung September 1955 von den durch diese Abtretung ausgeschlossenen Ansprüchen aus § 843 BGB (besondere Bedürfnisse) die o., o Ansprüche auf Ersatz von Pflegekosten” gleichfalls an die Kläger abgetreten haben* Pas Berufungsgericht ist in Übereinstimmung mit dem Landgericht der Auffassung,, daß die Porderungsabtretung vom 19o September 1955 wegen des Zweckes» den die Eheleute S Eine stichhaltige Begründung für die Vo nähme der Abtretung hat es auch in der von den Klägern vorgelegten schriftlichen Erklärung der Eheleute Sdl^voni 25t g, tember 1955 nicht gesehen, daß die Abtretung einer vorweggenommenen Erbfolge entsprechend gemeinsamer testamentarischer Erbeinsetzung der Kläger habe dienen sollen, Ebenso wenig . Viel mehr hat das Berufungsgericht' die Überzeugung gewonnen, daß die Abtretung der mit der Klage geltend gemachten Ansprüche ursprünglich nur bezweckte, die Kläger als arme Partei zur Führung des Rechtsstreits vorzuschieben* die Ansprüche durch sie im Armenrecht verfolgen zu lassen und das Kosteritisiko - zu dem Kostennachteil des Staates und der Prozessgegner - zu vermeiden oder zu verringern. Darin liegt nach Ansicht des Berufungsgerichts ein gegen die guten Sitten verstoßender Rechtsmißbrauchv der die Abtretung nach § 138 BGB nichtig gemacht hat o erwogen hat, waren die geltend gemachten Klageansprüche such so zweifelhaft, daß selbst bei Anerkennung der Abtretung mit einem mindestens teilweisen Unterliegen der Kläger und dem Entstehen von erheblichen Kostenerstattungsansprüchen der Beklagten hätte gerechnet werden müssen; rechtsirrtumsfrei hat es das Berufungsgericht daher als Verstoß gegen die guten Sitten auch befunden, daß das Handeln der Eheleute Sg^| und der Mutter der Kläger darauf hinauslief, die minderjährigen Kläger ohne jeden vernünftigen und billigenswerten Grund mit dem Risiko einer Kostenlast zu beladen, die sie noch dann beschwert haben würde, wenn sie erwachsen und erwerbsfähig geworden wären» Baß die Kläger, wie die Revision zu bedenken gibt, auf Grund des gemeinschaftlichen Testamentes ihrer Großeltern deren zukünftigen Nachlaß zu erwarten haben, war bei der Unsicherheit des späteren Erwerbs und seines Umfangs zu ungewiß, als daß das Berufungsgericht hätte annehmen müs • sen,.das Kostenrisiko sei ~ zu demindest nach der Vorstellung der Beteiligten - hierdurch gedeckt .gewesen* V/enn der Rechtsstreit nach der Verweigerung des Armenrechts ohne diese Vergünstigung durchgeführt worden ist, so konnte dies nach der zutreffenden Barlegung des Berufungsgerichts an der Nichtig • keit der Abtretung vom 19° September 1955 äoch schon darum nichts ändern, weil ein.nichtiges Rechtsgeschäft auch danr; nichtig’ bleibt, wenn der Nichtigkeitsgrund später etwa weg- gegen ihn gerichteten Strafverfahren falsche Angaben gemacht habe* Das Berufungsgericht hat es als grobe Nachlässigkeit des Prozeßbevollmächtigten der Kläger gewertet, daß er mit diesem Vorbringen nicht schon in erster Instanz her--vorgetreten ist* Es hat das Vorbringen nach § 529 Abs* 2 Satz ; ZPO als verspätet zurüekgewiesen* Das wird von der Revision mit Recht bemängelt* Es braucht hier nicht darauf eingegangen zu werden, ob einer Partei im Anwendungsbereich dieser Bestimmung die grobe Nachlässigkeit ihres Proseßbe • vollmächtigten angerechnet werden kann (verneinend Rosenberg. inwie fern die Erledigung des Rechtsstreits, wie das Berufungsgericht meint, verzögert worden wäre, wenn das verspätete Vorbringen berücksichtigt wurde* Das Gregenteil ergibt sich daraus, daß das Berufungsgericht in einer Hilfserwägung das Vorbringen in den Kreis seiner Betrachtung einbezogen und sich in der Lage gesehen hat, unter seiner Mitberücksich-• tigung über die Berufung ohne Aufschub sachlich zu entschei -den* Eür eine Zurückweisung war daher kein Raum (BGH Lindenmaier 'Möhring Nr» 3 au § 4 PreisüberwVO)* Indessen hat das Berufungsgericht trotz der Zurückweisung, wenn auch unzulässigerweise (Stein/jonas ZPO 18* Aufi, § 5)9 III 1 d; Wieczorek ZPO § 529 C VI a), über das nachträgliche Vor • bringen sachlich doch mitbefunden* War das Verfahren des Be • l'iifungsgerichts auch fehlerhaft, so sind die Kläger hierdurch doch nicht beschwert (RG HRR 1933« 1894)o 1958 in Betrieb 1958, 843}<> Zutreffend hat es jedoch betont , daß die Beurteilung der Präge, ob ein Rechtsgeschäft mit den guten Sitten vereinbar und rechtswirksam ist, von einer Betrachtung der gesamten Umstände des Palles ausgehen mußo In der Gesamtschau ist das Berufungsgericht aber zu dem Ergebnis gelangt, daß die Abtretung vom 19* September 1955 nicht vorwiegend zu dem Zweck vorgenommen worden ist, dem Zedenten Scherff eine Zeugenstellung zu verschaffen, sondern daß wesentlich bestimmend gewesen *istf unter Erlangung des Armenrechts das Kostenrisiko für zweifelhafte Ansprüche auf die vermögenslosen Kläger und damit in der Hauptsache auf die Staatskasse und die Prozessgegner abzu-• wälzen« Auch bei Berücksichtigungdes nachträglich vorgebrachten Abtretungsgrundes hat das Berufungsgericht hiernach die Abtretung für nichtig gehalten.» Das Berufungsgericht hat esin erster Linie wieder als grob nachlässig und prozessverzögernd zurückgewiesen, daß die Kläger diese - erst mit Schriftsatz vom 7» Juli 1958 unmittelbar vor der Berufungsverhandlung vom 9* Juli •1958 mitgeteilte - weitere Abtretung nicht schon früher zu dem Gegenstand ihres Prozeßvortrags gemacht haben* Die Zurückweisung- war auch hier nicht zulässig* Da die Abtretung erst am.3* Juli 1958 stattgefunden hat, ist nicht verständlich, wie es den Xlägern als grobe Nachlässigkeit soll angerechnet werden können, die Tatsache der Abtretung nicht schön früher vof.^febrächt zu haben« Daß die Abtretung nicht früher vollzogen worden ist* kann nicht zur Begründung der Annahme eines nachlässig verspäteten Prozeßvortrages dienen, zu demal das Zustandekommen des Rechtsgeschäfts der Abtretung vor allem von dem Willen der Eheleute abhing und nicht in der Macht der gesetzlichen Vertreterin der Kläger stand. Bei dieser Beurteilung hat das Berufungsgericht verkannt, daß die Sachlage bei der Abtretung vom 3.- Juli 1958 wesentlich anders gewesen ist als bei der vom 19c September •1955« Bei der früheren Abtretung hatte der Anspruch auf Zahlung einer Entschädigung für Körper- und Gesundheitssehaden in.vermeintlich beträchtlicher Höhe im Vordergrund gestanden Mit diesem Anspruch waren die Kläger inzwischen vom Landge• Der Anspruch auf Zahlung von 15oo DM für Pflegekosten fand seine rechtliche Grundlage, wie das Berufungsgericht bei Erörterung der Frage seiner Abtretbarkeit zutreffend dargelegt hat, in § 843 Abs, 3 BGB5 mit dem Verlangen nach seiner Entschädigung für Haushaltshilfe war nach der Klarstellung in der Berufungs-begründungsschrift ein Anspruch des Ehemannes aus § 845 BGB auf Ersatz des Wertes der Dienste seiner zur Führung des Haushalts nicht oder nicht mehr voll fähigen Ehefrau gemeinte Die Abtretung vom 3« Juli 1958 und ihre schrifü-sätzliche Mitteilung geschahen in Beantwortung des Schriftsatzes der Beklagten vom 24« Juni 1958, in dem diese die .Ansicht geäußert hatten, daß der Pflegekostenanspruch von der Abtretung'vom 19» September 1955 ausgeschlossen geblieben sei. Wurde auf Gruhd der neuen Abtretung ..der F.echtsstreifc fortgeführt, so blieb allerdings das JRisiko einer nun noch in Betracht kommenden gewissen Kostenlast von den Rh©, leuten Scherff auf die Kläger und zu dem Teil gegebenenfalls auf die Staatskasse und die Prozeßgegner verlagert* Dieses Kostenrisiko hatte aber- da inzwischen der fragwürdige Haupfcanspruch ausgeschieden und der Rechtsstreit bereits bis zur Verhandlung im Berufungsverfahren gediehen war, keineswegs mehr das frühere Gewicht, Das etwaige Interesse an einer verschiebenden Kostenvorsorge konnte bei der Sachlage, die bei der Abtretung vom 3* Juli 1958 gegeben war, nur von untergeordneter Bedeutung sein. Es liegt kein Anhalt für die Annahme vor, daß mit der Abtretung vom 3- Juli 1958 wiederum eine mißbräuchliche Ausnutzung des ArmenrecTits erstrebt worden sei* die bei.wertender Gesamtbetrachtung diesem Rechtsgeschäft - anders als der Abtretung vom 19* September 1955 - nicht den Makel der Unsittlichkeit aufprägen* Es kaue daher nicht anerkannt werden, daß auch diese Abtretung nach § 138 BGB nichtig gewesen wäre.* daß von den durch die damalige Abtretung ausgeschlossenen Ansprüchen aus § 843 BGB in Ergänzung der Abtretung auch die Ansprüche auf ..Ersatz von Pflegekosten an die Kläger abgetreten würden* Es liegt nahef diese Erklärung dahin auszulegen, daß mit ihr die am T9* September 1955 vor--genommene, vom Landgericht inzwischen bereits als nichtig befundene Abtretung insoweit bestätigt werden sollte als im Berufungsverfahren die vom Landgericht abgewiesenen Ansprüche weiterverfolgt wurden0 In diesem Falle wäre dann auch für den Anspruch aus § 845 BGB auf Ersatz des Wertes der dem Ehemann entgangenen Dienste seiner Ehefrau eine neue Rechtsgrundlage zugunsten der Kläger geschaffen worden* Das Revisionsgericht ist freilich gehindert., selbst an die Auslegung der Abtretungserklärung heranzutreten* da die Auslegung von individuellen Willenserklärungen eine dem Tatrichter vorbehaltene Aufgabe ist,. Die Sache muß an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden« das den Anspruch auf Ersatz von Pflegekosten-prüfen muß® Weiter wird zu untersuchen sein,, ob die Abtretungserklärung vom 3, Juli 1958 in dem vorstehend erwogenen Sinne gedeutet werden.kann*