BGH · VI ZR 179/68 vom 14.07.1970
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§ 67 Abs. 2 WG der Rückgriff gegen den Familienangehörigen (= Erstschädiger) verwehrt ist, kann sich an einen außerhalb des VersicherungsVerhältnisses stehenden ZweitSchädiger nur insoweit halten, als dieser im Innenverhältnis zu dem (familienange-hörigen) Erstschädiger den Schaden zu tragen hat (Ergänzung zu BGHZ 41, 79)« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 14« Juli 1970 unter Mitwirkung des SenatsPräsidenten Pehle und der Bundesrichter Dr. Bode, Dr. Weber, Prof.Dr. Nüßgens und Sonnabend für Hecht erkannt: Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des 15« Zivilsenats in Kassel des Oberlandesgerichts in Frankfurt (Main) vom 12, Juli 1968 wird zurückgewiesen. Die Klägerin hat mit ihrer Klage Erstattung der aus Anlaß des Unfalls u.a. für ihr Mitglied Christine kBHB erbrachten Leistungen verlangt, die sie auf 1.269930 DM beziffert. Jedenfalls könne der Klägerin aber mit Rücksicht auf den im Rahmen des § 1542 RVO entsprechend anzuwendenden § 67 Abs. 2 WO von den Leistungen für Christine K^HBnur der Betrag zugesprochen werden, der im Innenverhältnis zwischen Peter und dem Zweitbeklagten auf letzteren entfalle• Zwar enthält § 1542 RVO keine dem für die private Schadenversicherung geltenden § 67 Abs. 2 WG entsprechende Bestimmung, die den Übergang der Ersatzforderung des Versicherungsnehmers aus fahrlässiger Schädigung ausdrücklich ausschließt, wenn der Anspruchsgegner ein mit dem Versicherungsnehmer in häuslicher Gemeinschaft lebender Familienangehöriger ist. Der Forderungsübergang nach § 1542 RVO ist deshalb bei fahrlässigen Schädigungen durch Familienangehörige, die mit dem Versicherten in häuslicher Gemeinschaft leben, entsprechend der Regelung des § 67 Abs. 2 WG ausgeschlossen (vgl. Der erkennende Senat hat bisher nicht darüber befunden, ob der SVT, dem in entsprechender Anwendung des § 67 Abs. 2 WG der Rückgriff auf den familienangehörlgen Schädiger verwehrt ist, einer entsprechenden Einschränkung Diese Präge ist zu bejahen, wenn und soweit die Geltendmachung dieses Anspruchs zu einem Ausgleichsanspruch des Zweitschädigers gegen den familienangehörigen Erstschädiger führen würde, der mit dem Geschädigten in häuslicher Gemeinschaft lebte« a) Geht man davon aus, daß dem Zweit Schädiger, der an den SVT geleistet hat, der sich aus dem Gesetz ergebende Ausgleichsanspruch gegen den mitverantwortlichen familienangehörigen Schädiger im Grundsatz nicht verschlossen ist, so hätte das zur Polge, daß der Zweitschädiger, bei dem der SVT nach § 1542 RVO in uneingeschränktem Umfang Rückgriff nimmt, von dem familienangehörigen Mitschädiger entsprechend dem beiderseitigen Unfallbeitrag Ausgleichung verlangen könnte« Der SVT, dem mit Rücksicht auf den sozialen Schutzzweck seiner Versicherungsleistung die Rüokgriffs-möglichkeit gegen den Familienangehörigen des Verletzten (sErstschädiger) genommen ist, würde so durch den uneingeschränkten Rückgriff bei dem Zweitsohädiger auf einem Umweg das gleiche Ergebnis herbeiführen, das durch die Einschränkung des Forderungsübergangs entsprechend § 67 Abs« 2 WG vermieden werden soll« Der Sinn dieser Einschränkung erheischt in solchen Fällen, daß der SVT die Ansprüche des Verletzten gegen den Zweitschädiger insoweit nicht geltend machen kann, als der Zweitschädiger von dem Familienangehörigen des Verletzten Ausgleich verlangen könnte; der SVT ist also beschränkt auf die Geltendmachung de8 Betrages, der entsprechend dem TJnfallbeitrag des Zweitschädigers auf Grund des Ausgleichsverhältnisses endgültig auf diesen entfällt (im Ergebnis ebenso: OLG Stuttgart NJW 1968, 2147? b) Entgegen der Auffassung der Revision ist die Frage des Rüokgriffsanspruchs des SVT gegen den Zweitschädiger im Ergebnis auch dann nicht anders zu beantworten, wenn man - wie die Reyision unter Hinweis auf das zu § 636 RVO ergangene Urteil des erkennenden Senats yom 10» Januar 1967 (VI ZR 77/65 = LM BGB § 426 Nr. 27 - VersR 1967, 250) meint einen Ausgleichsanspruch des yom SVT in Anspruch genommenen Zweitschädigers gegen den familienangehörigen Erstschädiger bereits im Grundsatz yerneinen wollte. Juni 1970 - VI ZR 311/67 -, zur Aufnahme in BGHZ vorgesehen) ausgeführt, wäre es vielmehr auch bei Verneinung eines Ausgleichsanspruchs gerechtfertigt und geboten, daß der SVT von dem Zweitschädiger nur soviel beanspruchen könnte, wie im Innenverhältnis zwischen dem Familienangehörigen des Verletzten (= Er st Schädiger) und dem Zweit- Aus diesen Gründen geht es nicht an9 den nach den Ausführungen zu a) gebotenen Schutz auf dem Rücken des Zweit Schädigers dadurch zu gewährleisten, daß man einen Rückgriff des SVT gegen den ZweitSchädiger (»Beklagten) unbeschränkt zuläßt, diesem aber einen Ausgleich gegen den familienangehörigen Erstschädiger (» Peter verwehrt. Nach ihrer Ansicht muß die häusliche Gemeinschaft des ersatzpflichtigen Familienangehörigen mit dem versicherten Geschädigten in dem Zeitpunkt bestehen, in dem der SVT Rückgriffsansprüche erheben kann, weil er seinerseits geleistet hat. In diesem Falle genügt nach Auffassung des Senats, daß die häusliche Gemeinschaft jedenfalls im Unfallzeitpunkt bestand, wobei dahinstehen mag, ob für bestimmte Fallgruppen auch der Zeitpunkt der Leistung ausreichen könnte. Knüpft man dagegen an den Zeitpunkt der Ersatzleistung an, so stellte sich erst in ihrem Augenblick die Übergangsfähig-keit heraus, während der Anspruch nach § 1542 RVO nicht Im Bereich der unmittelbaren Anwendung des § 67 Abs. 2 WG räumt man, auch soweit auf den Zeitpunkt des Unfalls abgestellt wird, ein, daß sich eine Anknüpfung an den Leistungszeitpunkt durchaus mit der Zielsetzung dieser Bestimmung - Schutz des versicherten Verletzten dahin, ihn in seinem Lebensunterhalt nicht durch die Belastung der gemeinsamen Familienkasse mit einem Ausgleichsanspruch zu beeinträchtigen - vereinbaren lasse (Bruok/Möller/Sieg aaO Bern. auch BGHZ 43, 72) ist dargelegt worden, daß die Sozialversicherung entsprechend ihrer sozialen Aufgabe nicht nur den Versicherten selbst vor der durch die Wechselfälle des Lebens bedingten wirtschaftlichen Not sichern will, vielmehr auoh verhindern soll, daß der Versicherte infolge Krankheit und Not seiner Familie zur Last fällt. Die Leistungen des SVT an den Versicherten sollen zugleich dessen Familienangehörigen zugute kommen (BGH Urteil vom 9* Januar 1968 - VI ZR 44/66 = LM RVO § 1542 Nr. 59 = VersR 1968, Der erkennende Senat hat schon im Urteil vom 9* Januar 1968 - VI ZR 44/66 « aaO ausgeführt, daß § 67 Abs. 2 WG das nVorbildn für die Einschränkung des Rückgriffsrechts abgebe und daß die Rückgriffsrechte der öffentlichen Versicherungsträger gegen Familienangehörige des Versicherten nin ähnlicher Weise" wie im Bereich der privaten Schadensversicherung durch § 67 Abs. 2 WG eingeschränkt seien. Damit kommt bereits zu dem Ausdruck, daß diese Zielsetzung hier über den engeren Schutzzweck des § 67 Abs. 2 WG hinausreicht, der (lediglich) den Versicherten dahin schützen will, daß er in seinem Lebensunterhalt durch die Belastung der gemeinsamen Familienkasse mit einem Aus- Insbesondere der darüber hinausgehende, auf die ideelle und wirtschaftliche Verbundenheit der Familienangehörigen Rücksicht nehmende Schutzzweck der öffentlich-rechtlichen Versicherungs- und Versorgungsleistungen rechtfertigt es, daß der für eine fahrlässige Körperverletzung verantwortliche, in häuslicher Gemeinschaft mit dem Geschädigten lebende Familienangehörige in dem Umfang nicht in Anspruch genommen wird, in dem öffentliche Ver-sicherungs- und Versorgungsleistungen den Schaden auffangen (Urt.v. 9* Januar 1968 - VI ZR 44/66 = aaO). Diesem Schutzzweck liefe es zuwider, wenn der Rückgriff nach § 1542 RVO zu Lasten des schadensersatzpflichtigen Familienangehörigen nur deshalb zugelassen würde, weil die häusliche Gemeinschaft nach dem Unfall, aber vor der Leistung der Krankenkasse durch den Tod des Verletzten aufgehoben worden ist. Das Rückgriffsrecht des SVT gegen den in häuslicher Gemeinschaft mit dem Versicherten lebenden Familienangehörigen ist unabhängig davon ausgeschlossen, ob der fahrlässige Schädiger im Einzelfall durch eine private Haftpflichtversicherung, etwa durch die Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung, geschützt ist (BGHZ 41» 79» 84; Hieran hat sich mit der Einführung des Eirektanspruchs gegen den Kraftfahrzeughaftpflichtversicherer durch § 3 Nr. 1 PfliehtverSicherungsgesetz in der Fassung des Gesetzes vom 3* April 1963 (BGBl I 213) nichts geändert (vgl. 5. Da nach alledem die Klägerin in ihren Rechten kraft Rechts-Übergangs (§ 1542 RVO) gegen den Zweitbeklagten (Zweitschädiger) auf die Quote beschränkt ist, die dieser entsprechend seinem Unfallbeitrag im Innenverhältnis zu dem Familienmitglied Peter zu tragen hätte, hat das Berufungsgericht hier im Ergebnis zutreffend einen Rückgriffsanspruch der Klägerin gegen den Zweitbeklagten wegen der für Christine KdB) erbrachten Leistungen verneint. 6. Hit dem Rückgriffs anspruch gegen den Zweit schädige: scheidet zugleich ein Anspruch gegen die Erstbeklagte als seinen Haftpflichtversicherer aus, da sie nach § 3 Nr* 1 Pflichtversicherungsgesetz nur insoweit unmittelbar haftet, als ihr Versicherungsnehmer für den Schaden einzustehen hat.