BGH · VI ZR 178/61 vom 01.06.1961
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am 4« Dezember 1956 gegen 18«30 Uhr fuhr der Beklagte Kf|HK mit seinem Opel-Olympia Personenkraftwagen auf der Bundesstraße 3 bei Bovenden von hinten auf das in gleicher Richtung fahrende, mit zwei Pferden bespannte Langholzfuhrwerk des Fuhrunternehmers mit dem Arbeiter Hofmann als Fahrer auf.Die Ladung des Fuhrwerks bestand aus dünnen Holzstangen, die etwa 6,50 m Uber die hintere Runge des Wagens hinausragten. Die Kläger werfen dem Beklagten vor, er sei zu schnell und ohne genügende Aufmerksamkeit in eine unklare Verkehrslage hineingefahreno Sei er, wie er behaupte, durch den Gegenverkehr geblendet worden, so habe er scharf abbremsen müssen. Die Kläger haben beantragt festzustellen, daß die drei Beklagten als Gesamtschuldner verpflichtet sind, ahnen den Schaden zu ersetzen, der ihnen durch den Tod ihres Vaters entstanden ist und künftig noch entstehen wird» licht gefahrene Seine Geschwindigkeit möge etwa 43 bis 50 km/st betragen haben» ln einiger Entfernung habe er mehrere rote Dichter vor sich gesehen, die er für Rücklichter gehalten habe« Ihm sei dann ein Personenkraftwagen entgegengekommen, der nicht abgeblendet habe« Schließlich sei die Blend-v/irkung so stark gewesen, daß seine Sicht behindert worden sei« Er habe erfolglos versucht, den Fahrer durch Auf- und Abblenden zur Abschaltung des Vollichtes zu veranlassen« Um auf der feuchten Fahrbahn nicht ins Schleudern zu kommen, habe er das Gas weggenommen und leicht gebremst« Er habe so seine Geschwindigkeit auf etwa 35 km/st herabgesetzt« Die Stammenden des Holzfuhrwerks habe er nicht gesehen» Als es gekracht habe und die Stämme ins Wageninnere gedrungen seien, habe er scharf abgebremst» Die rote JDampe des Dang-holzfuhzworks sei für scharf rechts fahrende Verkehrsteilnehmer nicht zu sehen gewesen, da sie verdeckt worden sei« Infolge ihrer hohen Anbringung an der Runge habe sie zudem auf der ansteigenden Straße den Eindruck erweckt, daß sie zu einem wesentlich weiter entfernten Fahrzeug gehöre« schen ihm und den in seinem Wagen beförderten Personen, die Vertreter der gleichen Firma gewesen seien, habe ein Gesellschafts Verhältnis bestanden, so daß er nur nach dem Ver- Das Landgericht hat festgestellt, daß die Beklagten als Gesamtschuldner den Klägern den ihnen durch den Tod ihres Vaters entstandenen und in Zukunft entstehenden Schadens im Rahmen des § 844 BGB zu ersetzen haben, soweit die Ansprüche nicht auf öffentliche Versicherungsträger übergegangen sind. "Es wird festgestellt, daß die Beklagten als Gesamtschuldner verpflichtet sind, den Klägern denjenigen Schaden zu ersetzen, der ihnen infolge des Todes ihres Vaters, des Vertreters Brich GUI, nach dem 15. Das Berufungsgericht sieht ein für den Unfall ursächliches Verhalten des Beklagten darin, daß dieser trotz starker und längerer Blendung durch das entgegenkommende Kraftfahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 30 his 40 km/st weitergefahren sei« Demgegenüber meint die Revision, das Berufungsgericht stelle .überspannte Anforderungen Ein Kraftfahrer brauche mit einem so schlecht erkennbaren Hindernis, wie es hier gegeben gewesen sei, nicht zu rechnen Die Geschwindigkeit des Beklagten habe ausgereicht, um vor einem normal beleuchteten Fuhrwerk anhalten zu können Die herausragenden Stämme seien auch bei langsamer Fahrweise nicht rechtzeitig zu erkennen gewesen« Denn der Beklagte ist im Abblendlicht mit einer Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/st weitergefahren, obwohl er längere Zeit so stark geblendet wurde, daß er nach seinem eigenen Geständnis praktisch überhaupt keine Eicht mehr hatte« Rach dem beobachteten rücksichtslosen Verhalten des entgegenkommenden Kraftfahrers, der die Aufforderung zu dem Abblenden unbeachtet ließ, konnte der Beklagte nicht damit rechnen, daß die Blendung bis zur Annäherung des Kraftfahrzeugs aufhören werde« Unter diesen Umständen bedeutete es einen klaren Verstoß gegen die sich für den Kraftfahrer aus § 9 Abs« 1 StVO ergebende Verpflichtung, daß der Beklagte mit einer Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/st längere Zeit weiterfuhr« Sein Verschulden wiegt deshalb besonders schwer, v/eil er wußte, daß vor ihm auf der Fahrbahn andere Verkehrsteilnehmer waren. Entgegen der Ansicht der Revision bedeutet es keine Überspannung, daß das Berufungsgericht das Verhalten des Beklagten als grobe Fahrlässigkeit gewertet hat. Las schwere Verschulden, das der Halter und Fahrer des Pferdefuhrwerks zu vertreten haben, ändert nichts daran, daß der Unfall auch auf die verkehrswidrige Fahrweise des Beklagten zurückzuführen ist. Selbst wenn sonst die Voraussetzungen des § 708 BGB gegeben gewesen wären, konnte nach § 277 BGB angesichts der groben Fahrlässigkeit des Beklagten eine Haftungsfreistellung nicht in Betracht kommen.