BGH · VI ZR 175/63
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§ 1629 Abs.% Halbsatz 2 BGB ist als Ausnahme von dem Grundsatz der Gesamtvortrotung des Kindes zu verstehen„ Ohne daß es einer Vertretungsregelung durch das Vormundschaf tsgcricht bedarf, kann daher ein Elternteil TJnter-haltoansprücho des Kindes gegen den anderen Elternteil geltend machen, wenn die Eltern getrennt leben. Im Aufträge der Erstklägerin erhob der Beklagte im August 1957 vor dem Amtsgericht Trier eine Klage auf Zahlung einer monatlichen Unterhaltsrente von 250 DM zugunsten der Kläger seit dem 1» Dezember 1956» In diesem Unterhaltsrechtssiroit schloß der Beklagte im Namen der Erstklägerin mit deren Ehemann einen Vergleich, in dem sich dieser verpflichtete, an die Erstklägerin ab 1. Juli 1958 eine monatliche Unterhaltsrente von 140 DM zu zahlen» Mit diesem Betrag sollten auch die Untorhaltsforderur-gen des Zweitklägers abgegolten sein» Der Vergleich wurde durch einen Schlußvergleioh vom 21» Januar 1959 ergänzt, in dem sich F^^|^ verpflichtete, zusätzlich eine einmalige Abfindung von 250 DM in Raten zu zahlen» Da die Er3tklägerin die Vergleiche nicht gegen sich gelten lassen wollte, beantragte sie, dem Verfahren Fortgang zu geben» Das Amtsgericht stellte sich jedoch auf den Standpunkt, der Beklagte habe die Vergleiche für die Erstklägerin wirksam abgeschlossen, und wies die Klage ab» Das Landgericht hat den Beklagten durch Teilurteil verurteilt, an die Erstklägerin 3 900 DM und an —den Zweitkläger 2 510 DM nebst Zinsen als Schadensersatz für Unterhaltsausfall in der Zeit vom 1„ Dezember 1956 bis zu dem 31 „ August I960 zu zahlen» Zutreffend hat das Berufungsgericht ausgeführt, daß der Beklagte durch den weisungswidrigen Abschluß des Prozcßvergleichs seine Pflicht aus dem Anwaltsvertrag gegenüber der Erstklägerin schuldhaft verletzt hat» Ebenfalls ist dem Berufungsgericht zu-zustimmen, daß der Anwaltsvertrag auch Sorgfaltspflichten gegenüber dem Zweitkläger begründete, dessen Intorossonwahrnehmung dem Beklagten übertragen worden war» Mit der Revision stellt der Beklagte erneut zur 1») Das Berufungsgericht hat festgestellt, daß der Beklagte bei Abschluß des Vergleichs auch für die Erstklägorin in ihrer Eigenschaft als gesetzliche Vertreterin des Zv/eitklägers gehandelt habe. Denn nach § 1629 Abs. 2 Halbsatz 2 BGB kann ein Eltorntoil Unterhaltsansprüche des Kindes gegen den anderen Elternteil geltend machen, wenn die Eltern getrennt leben. Nun ist im Schrifttum zwar geltend gemacht worden, diese Vorschrift enthalte nur eine Ausnahme von der Vertretungsbeochränkung des § 1795 BGB (i.V. m.§ 1629 Abs. 2 Halbsatz 1 BGB), die Anwendung der Vorschrift setze aber voraus, daß der die Unterhai tsansprüche des Kindes geltend machende Elternteil das Kind sonst allein vertreten könne. Juli 1957 über die gesetzliche Vertretung des Kindes Rechnung trägt» Doch erscheint es nicht angemessen, diesen eine maßgebliche Bedeutung zuzu-sprochen» Vielmehr muß entscheidend ins Gewicht fallen, daß schon bei Einführung des § 1629 BGB durch das Gloichborechtigungsgesetz entgegen den Vorstellungen des Gesetzgebers kraft höherrangigen Verfassungsrechts (-Art» 117 GG) der Grundsatz galt, daü-Kinder in der Regel von beiden Eltern gemeinsam vertreten werden (Gesamtvertrotung). Da § 1629 Abs» 1 BGB wegen Verstoßes gegen das Grundgesetz von Anfang an unwirksam war, muß der Richter die Gesetzeslücke ausfüllen, die hinsichtlich der Einzelrogelung der Kindesver-tretung besteht» Dabei hat er die Vorschrift des § 1629 Abs» 2 Halbsatz 2 BGB so auszulegen, daß sie unter der Herrschaft des Grundsatzes der Gesamtvertretung ihren Zweck erfüllt» Dieser Zweck ging aber unstreitig dahin, beim Gotrenntleben der Eltern eine schnelle Durchsetzung der Unterhaltsansprüche des Kindes möglich zu machen« Diesem objektiven Sinn der Vorschrift wird die Auslegung gerecht, die {, § 1629Abs» 2 Halbsatz 2 BGB als eine sachgerechte Ausnahme von der sonst notwendigen Vertretung des Kindes durch beide Eltern versteht» Mit dieser Auslegung wird unter Achtung des Wortlautes der Vorschrift dem Interesse des Kindes am besten gedient. ausgeschlossen ist, wenn er von diesem auf Unterhalt in Anspruch genommen wird* Würde in solchen Fällen erst eine Vertretungsregelung durch das Vor-mundschaftsgericht erforderlich sein, das die Beteiligten in der Regel hören müßte ( § 1695 Abs» 1 BGB), so wäre hierdurch gerade die Erreichung des Zweckes in Frage gestellt, den § 1629 Abs, % Halb-; satz 2 BGB erreichen wollte» Der Senat schließt sich daher der herrschenden Auffassung an, die sich inzwischen zur Auslegung dieser Bestimmung in der Rechtslehre und der-Rechtsprechung durchgesetzt hat (vgl« Scheffler in BGB RGRKomm» 11, Aufl» Anm» 22 zu § 1629 mit liachv/eiaen; Drman-Eonke BGBKomm. Bio Voraussetzung einer solchen subsidiären Unterhalts Verpflichtung sind vom Beklagten nicht dargetan, Unter Würdigung der Verhältnisse stellt das Berufungsgericht aus-drücklich klar, daß Hella F( ihrer Mutter gegenüber nicht unterhaltspflichtig War, Schon deshalb kommt es nicht in Frage, daß durch ihre Leistungen der Unterhalt sanspruch der Mutter kraft gesetzlichen Forderungsübergangs auf sieVüberge-gangen ist ( §§ 1607 Abs» 2, 1608 BGB)« b) Es ist aber auch nicht dargetan, daß Hella F^|0l mit der Unterstützung der Mutter und des Bruders ein Geschäft des Vaters besorgen, nämlich für ihn den Unterhalt zahlen wollte (§§<677, 679, 683 BGB), Nach der Feststellung des Tatrichters ihat sic sich lediglich aus Mitleid der Kläger angenommen« Durch eine solche freiwillige Leistung, die der Linderung der Not der Kläger dienen sollte, ist aber, wie das Berufungsgericht zutreffend ausführt, die Unterhaltsforderung gegen den im Verzug befindlichen Unterhaltspflichtigen nicht getilgt worden. c) Den Klägern sind also erst durch den vom Beklagten geschlossenen Vergleich ihre Unterhaltsansprüche gegen den Ehemann und Vater genommen__worden, soweit sie über die Vergleichsgrenze hinausgingen» Damit war der vom Berufungsgericht festgestellte Schaden entstanden, für den der Beklagte verantwortlich ist» Soweit Holla F^m^ die Kläger nach dem Vergleich unterstützt hat, ist es rechtlich ausgeschlossen, daß ihr freiwilliges Opfer auf den Schaden angorechnet wird und so dem Beklagten als Entlastung zugute kommt (vgl, Erman aaO Anm« 9 zu § 249; BGHZ 21, 112, 117). Dio Ausführungen des Berufungsurteils, in denen die Entstehung des Schadens begründet wird, enthalten daher entgegen der Ansicht der Revision keinen Reehtofehlor, Soweit das Urteil unter Würdigung der Einkommensverhältnisse der Eheleute die Höhe dos den Klägern durch den Vergleich entstandenen Schadens berechnet hä^, liegen die Ausführungen dos Berufungsurteils im wesentlichen auf tatrichter-lichem Gebiet, Auch in diesem Teil der Urteilsgründe ist nirgends erkennbar, daß Normen des sachlichen Rechts su Lasten des Beklagten unrichtig angewandt worden sind»