BGH · VI ZR 175/59
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
c) Daher entfällt die Anrechnung der Einkünfte aus der Erbschaft auf den Anspruch nicht schon deshalb, weil bei längerer Lebensdauer des Erblassers der Erbteil (oder Pflichtteilsanspruch) des Betroffenen größer gewesen wäre, hat der VI* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 4* Oktober i960 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr. Engels sowie der Bundesrichter Dr. Kleinewefers, Dr. Bode, Dr. Hauß und Heinrich Meyer für Recht erkannt: Zivilsenats des vom 1» Oktober 1959 wird das Urteil in Hamm/westf.Die Kosten der Revision werden dem Kläger auf- 2o500 DK Unterhalte Das Studium ist hei normalen Verlauf his zu dem 3t»Dezember I960 beendete Der Kläger verlangt vom Beklagten Ersatz des ihm infolge des Todes seines Vaters entgangenen und entgehenden Unterhalts« Dem Kläger ist zwar infolge des unfallbedingten Todes seines Vaters ein Unterhaltsanspruch in Höhe von jährlich 2.500,- DM entzogen worden, für den der Beklagte ersatzpflichtig ist» Streitig ist indessen, ob die Vorteile, die; der Tod des Vaters für den Kläger mit sich gebracht hat, 4 Das Berufungsgericht ist der Auffassung, die aus dem Erbfall sich, ergebenden Vorteile, insbesondere die Zinsen aus dem Pflichtteilsanspruch von über 50„000,— DM, glichen den Uhterhaltsverlust aus. Der Kläger hatte in der Klageschrift zu den Vermögensverhältnissen seines verstorbenen Vaters vorgetragen, dieser habe außer der Holzhandlung mit einer halben Million Umsatz im Jahr noch ein Gut von 104,5 ha besessen, laut Vermögenssteuer-bescheid für 1955 betrage das Gesamtvermögen 76.000,- DMo Es sei jedoch zu beachten, daß es sich bei dem land- und forstwirtschaftlichen Vermögen von über 35»000,- DM und dem Grundvermögen von über 19*000,- DM um steuerliche Einheitswerte handele. Unter diesen Umständen bestand für das Gericht kein Anlaß anzunehmen, der Kläger habe irrigerweise bei der Berechnung seiner erbrechtlichen Ansprüche auch für das' landwirtschaftliche Anwesen den Verkehrswert eingesetzt, während für die Pflichtteilsberechnung nach §§ 12, 16 der Höfeordnung ein geringerer Wert maßgebend sein kann. Darüber hinaus hat auch die Revision lediglich behauptet, es sei nicht berücksichtigt, daß das Waldgut nur mit dem linheitswert von 23.000,— DM einzusetzen sei. 700.000,— DM zugrunde gelegt, so steht dem Kläger gemäß § 2307 Abs. 1 in Verbindung mit § 2303 Abs. 1 BGB unter Berücksichtigung der übrigen Berechtigten ein Pflichtteilsanspruch von wesentlich mehr als 50.000,— DM zu, was auch die Revision nicht bezweifelt. Es können vielmehr im Einzelfall triftige Gründe, insbesondere eine berechtigte Rücksichtnahme auf den Erben aus Verwandtschaft-liehen oder wirtschaftlichen Erwägungen - etwa um eine Verschleuderung von Nachlaßgegenständen zu vermeiden -eine andere Beurteilung erheischen» Für das Vorliegen solcher Umstände ist aber kein Anhalt gegeben» Bas Berufungsgericht hat daher unter Würdigung der gesamten Interessenlage zu Recht angenommen, daß der Kläger sich hinsichtlich der auf den Schaden anrechenbaren Zinsen so behandeln lassen müsse, als ob er den Pflichtteil erhalten und angemessen angelegt hätte» Daß dann aber der Ausfall an Unterhalt allein durch die Zinsen des Pflichtteils gedeckt sein würde, ist nicht zweifelhaft. Die Revision meint noch, das Berufungsgericht habe außer Acht gelassen, daß der Kkäger nach seinem Sachvortrag, selbst unter Berücksichtigung solcher anrechenbarer Vorteile, im Endergebnis einen wirtschaftlichen Verlust erleide. Sein Vater sei nämlich Inhaber einer ausbaufähigen Holzhandlung mit einem Jahresumsatz von einer halben Million DM gewesen; ohne den unfallbedingten Tod hätte sich der Betrieb wesentlich vergrößert; die laufenden Unterhaltsverpflichtungen wären aus den Einnahmen bestritten worden; dem Kläger wäre also bei dem mutmaßlichen Tode seines Vaters ein größeres Vermögen angefallen, als er jetzt selbst unter Berücksichtigung der Zinsen erhalte. Derartige Ausnahmebestimmungen lassen keine Ausweitung 2u (BGHZ 7, 30, 33)« Der Kläger könnte daher aus der zukünftigen Entwicklung der Vermögensverhältnisse seines Vaters keinen eigenen Schadenersatzanspruch deshalb herleiten, weil er infolge des verfrühten, unfallbedingten Todes in seinem Erbteile-’ recht oder seinem Pflichtteilsrecht betroffen würde. Wenn also der Vater des Klägers infolge einer Vergrößerung der Firma und seines wachsenden Vermögens höhere Unterhaltsleistungen an den Kläger hätte erbringen müssen, so wäre dies ein beachtenswerter schaden. Es geht aber nicht an, den nach dem Standpunkt unserer Rechtsordnung nicht zu ersetzenden allgemeinen Vermögensschaden dadurch in die Berechnung des Unterhaltsschadens einzubeziehen, daß dieser allgemeine Schaden benutzt wird, um der bei einem Erbfall stattfindenden Vorteilsausgleichung hinsichtlich der zugefallenen Einkünfte aua der vorzeitigen Erbschaft zu entgehen* Wäre es anders, so müßte auch umgekehrt der Schädiger, verlangen können, daß eine mutmaßliche ungünstige Entwicklung des Vermögens des Erblassers seiner Entlastung deshalb zugute käme, weil der frühe Tod des Erblassers die erbrechtliche Lage des Betroffenen verbessert hätte* Auf diese Weise würde sich die Ermittlung der Höhe des Anspruchs auf Ersatz des Unterhaltsschadens von jenen Grundlagen entfernen, die § 844 Abs* 2 BGB als maßgebend ansieht * Unter Anwendung der allgemeinen Rechtsgrundsätze der Vorteilsauegleichung sind auf diesen Anspruch zwar die Einkünfte aus der vorzeitig angefallenen Erbschaft oder aus dem erworbenen Pflichtteil anzurechnen, jedoch ist die Höhe des Schadensersatzanspruchs nicht davon abhängig, ob der frühe Tod des Erblassers die erbrechtlichen Vermögenserwartungen des Betroffenen günstig oder ungünstig beeinflußt hat. Da hier der Kläger in der Lage wäre, aus den Zinsen des ihm durch den Tod des Vaters zugefallenen Pflichtteils seinen Unterhalt in gleicher Weise wie bisher zu bestreiten, hat das Berufungsgericht im Ergebnis zutreffend das Vorliegen eines gemäß § 844 Abs. 2 BGB erstattungspflichtigen UnterhaltsSchadens verneint und die Klage ab-gewiesen.