BGH · VI ZR 174/59
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2. des Kaufmanns Br. Albrecht W beide wohnhaft in Hufl|9 MlH^weg Beklagten9 Berufungskläger und Revisiönsklägerg - Prozeßbevollmächtigt er: Rechtsanwalt Br gegen den Schlosser und Maschinenbauer Albert in T(HHP~SBH^Straße xt Kläger, Berufungsbeklagten und Revisionsbeklagten, - Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt hat der VI- Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 8# Juli I960 unter Mitwirkung der Bundesrichter Br. Kleinewefers, Br «K^E «Meyer, Hanebeck, Br. Hauss und Br« Graf für Recht erkannt: sie mit dem Wagen auf den linken Bürgersteig geraten sei und dort noch eine längere Strecke zurückgeiegt habe» Der Kläger hat vorgetragen, er werde wogen der Unfallfolgen voraussichtlich dauernd arbeitsunfähig sein. Sie haben vorgetragen, das plötzliche Auftauehen der Helga Bf//} vor dem Wagen sei nicht vorhersehbar gewesen o Es habe sich bei dem Anfahren des Mädchens um einen unabwendbaren Zufall gehandelt0 Da inan der Erstbeklagten eine Schrecksekunde zubilligen müsse und ihre Sicht erst durch das vor der Windschutz-scheibe liegende Mädchen, dann durch das auf die Vorderhaube geschleuderte Fahrrad versperrt gev/esen sei, könnten auch die weiteren Reaktionen nicht beanstandet werden. Durch das Herumreißen des Wagens nach links habe die Erstbeklagte erreicht, daß Helga B/// nicht unter der* Wagen geraten sei. Bei dem Anstößen des linken Vorderrades an die Kante des Bordsteins sei der Erstbeklagten, die unter einer verständlichen Schreckeinwirkung gestanden habe, der Fuß vom Brems-hebol gerutscht* Daher sei es nicht möglich gewesen, den Wagen eher zu dem Stehen zu bringen* Die Entfernung zwischen der Anstoßstelle mit der Helga und der* Anstoßstelle mit dem Kläger habe höchstens 32 m betragen* Auf dieser Strecke habe die durchaus fahrge-wandte Erstbeklagt'e das Anfahren des KudHt und des Klägers nicht vermeiden können- Der Kläger habe den Unfall mitverschuldet, da er von der Möglichkeit, seitlich auszuweichen, keinen Gebrauch gemac^b habe* Die geltend gemachten Unfallfolgen seien stark übertrieben und zu dem Teil simuliert* Der Kläger habe vor dem Unfall bereits während eines längeren Zeitraums nicht gearbeitet und versucht, bei der Sozialver-Sicherung eine Invalidisierung zu erreichen. Das Landgericht hat die Erstbeklagte durch Teil« urteil verurteilt, dem Kläger für den Verdienstausfall bis zu dem 28. Ferner ist die Erst« beklagte verurteilt worden, ein Schmerzensgeld von 3.000 DM zu zahlen und den Kläger von den Ansprüchen des Fürsorgeamts der Stadt auf Rückzahlung der bis zu dem 28. b) daß der Zweitbeklagte als Gesamtschuldner neben der Erstbeklagten den dem Kläger aus dem Unfall entstandenen und in Zukunft noch entstehenden Schaden bis zur Höhe eines Rentenbetrages von 1.500 DM jährlich oder eines Kapitalbetrages von 25-000 DM zu ersetzen hat. Sonst wäre es nicht zu verstehen, daß sie mit dem Wagen auf den linken Bürgersteig geraten und dortt nach Überquerung eines 3*5 m breiten Sandstreifens noch ein Stück weitergefahren ist. Hätte ein sorgfältiger Fahrer mit durchschnittlicher Reaktionsfähigkeit die Situation eher gemeistert und den Zusammenstoß mit dem Kläger vermieden, so ergibt sich schon aus dieser Feststellung, daß die im Verkehr erforderliche Sorgfalt {§ 276 BGB) nicht beobachtet worden ist« Bei dieser Würdigung hat das Berufungsgericht die an einen Kraftfahrer zu stellenden Sorgfaltsanforderungen nicht zu hoch gespannt und insbesondere der Tatsache Rechnung getragen, daß die Erstbeklagte beim Umfahren des haltenden V/agens auch den rückwärtigen Verkehr beobachten mußte* Da der Sorgfaltsmaßstab bei der zivil-rechtlichen Beurteilung der Fahrlässigkeit nach objektiven Gesichtspunkten zu bestimmen ist, bedeutet es keine Entlastung, daß die Erstbeklagte infolge ihrer seelischen Eigenart besonders reaktionsunsicher ist* Das gilt umso mehr**als ihr aus früheren Erlebnissen Bedenken kommen mußten, ob sie den hohen Anforderungen gerecht war, die an die Reaktionssicherheit eines Kraftfahrers im heutigen Straßenverkehr gestellt werden müssen* Das Berufungsgericht hat daher mit Recht die Haftung der Erstbeklagten für die Folgen der Körperverletzung des Klägers gemäß § 823 BGB bejaht* Da ein unabwendbares Ereignis nicht vorliegt, haftet der Zweicbeklagte als Halter des Wagens gemäß § 7 StVG. 2* Rechtlichfbedenklich sind dagegen, wie die Revision zutreffend rügt, die Ausführungen des Berufungsgerichts Uber den Umfang der Unfallfolgen, für die die Beklagten einzustehen haben* Nach der gutachterlichen Würdigung hat der Kläger bei dem Unfall eine Gehirnerschütterung und eine leichte Hirnprellung erlitten* Die Gutachter gehen davon aus, daß im Zeitpunkt der Erstattung der Gutachten allenfalls noch geringfügige organisch-neurologische Be^undab-weichungen als Unfallfolgen anzuerkennen siyJ|o Im Vordergrund stehe eine durch den Charakter des Klägers bedingte abnorme seelische Verarbeitung des tungsausdehnungen zu vermeiden» Der Senat hat diese Grenze dann als erreicht angesehen, wenn der seelische Zustand des Geschädigten im wesentlichen nur durch das - bewußte oder auch unbewußte - Streben nach Versorgung und Sicherheit odor durch eine starre Anklammerung an oinc vorgestellte Rechtsposition zu erklären ist» Die Schadensersatzpflicht des Schädigers geht nicht so weit, daß er auch die Auswirkungen charakterlich be-dingter abartiger Begehrens- und RechtsvorStellungen eines Geschädigten zu ersetzen hat, der den Unfall zu dem Anlaß nimmt, fortan der Arbeit und dem Lebenskampf auszuweichen. Die Bedeutung der Entscheidung BGH$ 2Ö, 157 liegt gerade darin, daß die Schadensersatzpflicht für gewisse Neuroseschäden auch dann entfallen kann, wenn weder eine Simulation noch ein Mitverschulden, in dem Sinne festzustellen ist, daß der Klager seinen Vorstellungen nicht den ihm möglichen Widerstand geleistet hat. Damit, daß das Berufungsgericht die neurotische Haltung des Klägers als "echte Krankheit” bezeichnet, ist für die rechtliche Würdigung noch nichts gewonnen. Bei der rechtlichen Auswertung der Gutachten ist d Berufungsgericht darin zuzustimmen, daß grundsätzlich auch solche Beeinträchtigungen; zu ersetzen sind, die aus einer seelischen Reaktion des Betroffenen auf einen Körperschaden herrühren. die rechtlich gebührende Beurteilung erfährto Insoweit fohlt ec aber än jeder Auseinandersetzung mit dem Ergebnis der Gutachten» Zu einer näheren Würdigung hätte insbesondere auch der Umstand Anlaß geben müssen, daß neurotische Begehrensvorstellungen bereits im Kampf des Klägers um Zuerkennung einer Invalidenrente hervorgetreten sind» Nach dem Gutachten der medizinischen Universitätsklinik in Kiel vom 25» Oktober 1958 hatte der Kläger vor dem Unfall für mehrere Jahre die Anerkennung einer bestehenden Invalidität erreicht» Im Jahre 1951 wurde ihm dann die Invalidenrente mit der Begründung entzogen, daß die geringen körperlichen Beschwerden durch eine seelische Pehlhaltung überbewertet würden und die Anerkennung einer Arbeitsunfähigkeit nicht mehr rechtfertigten»Die Versagung der Rente hatte zur Polge, daß der Kläger fortan wieder arbeitete. War bei dem Kläger schon vor dem Unfall eine neurotische Haltung im Sinne eines Ausweichens vor der Arbeit und eines Versorgungsstrebens zutage getreten, so lag es nicht fern, daß auch die neurotische Haltung des Klägers nach dem Unfall das gleiche Gepräge trug» Eben deshalb hätte geprüft werden müssen, ob nicht unter Berücksichtigung der Rechtsgrundsätze des Urteils BGHZ 20, 157 von einem gewissen Zeitpunkt an die Schadensersatzpflicht der Beklagten entfiel oder nur noch in einem eingeschränkten Umfang bestand. 5» Das angefochtene Urteil konnte daher keinen Bestand haben» Auch soweit es Über die gegen den Zweit-beklagten erhobene Peststellungsklage und die Höhe des Schmerzensgeldes entschieden hat, kann es durch die unzureichende rechtliche Würdigung beeinflußt sein» Bei der erforderlichen neuen tatrichterlichen Prüfung dürfte es sich empfehlen, falls eine Ergänzung der gut-