BGH · VI ZR 166/67 vom 09.06.1970
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Klägerin gelang es nicht, diese Anleihe zu erhalten» Auch aus anderen Gründen, über deren Ursachen die Parteien streiten, kam es zu Schwierigkeiten bei den Ausbau der Klägerin» Schon im Mai 1964 starb V^P, der nach dem Vertrag die Klägerin für mindestens noch drei Jahre als Generaldirektor hätte leiten sollen, und mußte durch einen von den belgischen Gründern gestellten Ingenieur ersetzt werden» Dieser wandte sich in Juni 1964 namens der, belgischen Gründer in einem Schreiben an die Aktionäre der “Gruppe V^P" und erklärte, es sei jetzt möglich geworden festzustellen, daß die Einlagen des Verstorbenen zu hoch bewertet worden seien und zv/ar seine Sacheinlage um mindestens 500.000 DM und die immateriellen Werte um 1,5 Millionen DM; durch den vorzeitigen Tod von sei einer der wichtigsten immateriellen Werte, nämlich dessen Yfeiterarbeit für das neue Unternehmen, entfallen» In anschließenden Verhandlungen trat die Erstheklagte der aus ihren 30.000 Aktien 15.001 Stück ah, so daß diese seitdem mehr als 75 % der Aktien besitzt; dafür zahlte sie der Erstbeklagten nach einem Kurs von (nur) 40 % insgesamt 6 Millionen bfrs a rd. Mit ihrer Klage nimmt die Klägerin die Erstbeklagte als Erbin ihres Ehemannes auf Schadensersatz in Anspruch, gestützt vor allem auf die Vorschriften über die Haftung der Gründer einer Aktiengesellschaft und auf unerlaubte Handlung. Die Klägerin wirft ihm vor* V^p bei seinen betrügerischen Machenschaften zur Seite gestanden zu haben* Deshalb hat sie auch die Beklagte zu 2) und deren persönlich haftenden Gesellschafter, den Beklagten zu 3), in Anspruch genommen«. Das Oberlandesgericht hat durch ein Teilurteil die Berufung der Klägerin insov/oit zurückgewiesen, als sie von den Beklagten zu 2), 3) und 4) Schadensersatz verlangt. 1. Das Berufungsgericht ist der Auffassung, eine unerlaubte Handlung des Beklagten zu 4) - demnächst: dos Beklagten - könne nicht mit der erforderlichen Sicherheit festgestellt werdeno Es geht zutreffend und insov/oit von der Revision unangegriffen davon aus, daß die Klägerin ihre Ersatzansprüche nicht auf vertragliche oder vertragsähnliche Beziehungen stützen könne, sondern nur auf § 826 oder § 823 Abs«, 2 BGB in Verbindung mit § 263 StGB (vgl«, auch Art«, 12 EGBGB). Es läßt zu Gunsten der Klägerin die Frage offen, ob diese sich überhaupt auf jene Vorschriften stützen könne, da sie z.Zt. der dem Beklagten vorgeworfenon Anstiftungs- und Täuschungshandlungen rechtlich noch nicht existent gewesen war. Im Herbst 1959 erwarb er von der 0^|^ Industries Ltd« in London deren Rechte zur Herstellung der Reiseschreibmaschine "Oliver Courier" für 20,000 englische Pfund und nahm die Herstellung dieser Maschine unter dem Namen "Privat" auf.Etwa seit dieser Zeit erlitt er in seinem Unternehmen, das bis dahin Gewinne abgeworfen hatte, laufend Verluste, so daß er zunehmend Kredit aufnehmen mußte. triebsberater von einer größeren Privatbank in Belgien beauftragt wird, ein Expose 2u erstellen, wobei insbesondere die Entwicklung für das belgische Geschäft dargestellt wird«, Ferner bittet Herr Vpp||| uns um ein weiteres Expos6 über ihre bisherigen Geschäfte in Deutschland und hierfür möchte er die von ihnen erstellte Gegenüberstellung der Bilanzen I960, 1961, 1962 dahingehend erweitert wissen, daß die Höhe der jeweiligen Kosten für die Entwicklung der Kloinmaschino aufgeführt wird, so daß man hieraus ersehen kann, daß der Betrieb als solcher rentabel gearbeitet hat, obwohl durch die entstandenen Entwicklungskosten bilanzmäßig eine Abnahme des Kapitals zu verzeichnen ist „.e«.. zu dem 31»12.1962 dargolegto Diese Zahlen sind gegenüber der Financbohörde als allgemeine Unkosten deklariert« Die Produktionsergcbnisse in Belgien lassen schon eine bessere Rentabilität des Unternehmens erwarten« Die Firma hat angeregt, daß die Arbeitsergebnisse in Belgien von einem Experten geprüft werden, damit genaue Unterlagen über die Gewinne der neuen Firma zu Verfügung stehen«" Io Die Klägerin behauptet - dies vor allem insoweit, alq sie sich in ihren Schriftsätzen gegen die Erstbeklagtc wendet die von Vpp eingcbrachten Sacheinlagen seien, wie er gev/ußt habe, in den Gutachten un mehr als die Hälfte überbewertet gev/esen; auch habe Vfl^ gewußt, daß die von ihm der Klägerin für 2,2 Millionen DM verkauften unkörperlichen Werte zu dem erheblichen Teil überhaupt nicht vorhanden gev/esen seien* An diesen läuschungshandlungcn habe der Beklagte "nicht unvresontlichcn Anteil" gehabt (so S» 4 ihrer Berufungobegründung)» Da sich dies jedoch, v/ie sie hier sagt, nur schwer werde bev/cisen lassen, hat sie ihre Klage in der Berufungsinstanz auf die Behauptung gestützt, VpB habe wissentlich der Wahrheit zuwider in seiner in April 1963 auf Wunsch des Beklagten erstellten "4-JahroDbilans11 Entv/icklungskosten für die Schreibmaschine "Privat" angegeben, die er gar nicht gehabt habe, da er diese Maschine nicht selbst entv/ickelt, sondern von der Firma übernommen habe; diesen Bas Berufungsgericht hat sich jedoch außerstande gesehen, aus diesem Schreiben auf eine böse Absicht des Beklagten zu schließen oder doch darauf, daß er sich leichtfertig zun Nachteil der belgischen Finanzgruppen über sich aufdrängende Bedenken hinweggesetzt hätte* Die hiergegen von der Revision auf § 286 ZPO gestützten Rügen können keinen Erfolg haben* 1959-1961 übersandte, bemerkt hatte, die hier aufgeführten, von rd* 493*000 DM im Jahre I960 auf über 1,3 Millionen DM in Jahre 1961 angewaebsenen kurzfristigen Verbindlichkeiten beruhten auf der Konstruktion der "Privat"« Außerdem hatte V^p, wie erwähnt, an 14* Dezember 1962 auch der staatlichen Kreditbank auf deren Frage nach den Gewinnen geantwortet, diese seien.in den letzten drei Jahren durch Investitionen und Entwicklung eines neuen Modells aufgesogon worden* Das Berufungsgericht hält es daher für durchaus möglich, daß er auch, dem Beklagten seine wachsende Verschuldung mit diesen Entwicklungskosten erklärt und daß dieser das geglaubt habe« Unrentabilität des V^P' schon Betriebes sprechen könnten, nicht Überseheno Auch die Klägerin bestreitet nicht, daß V^p für die Herstellung der ’’Privat" Aufwendungen gemacht hat, so die Kosten für die erforderlich gewordenen Werk-zeugünderungen und den an die englische Firma zu zahlenden Kaufpreis; daß der Kaufpreis später vergleichsweise herabgesetzt wurde, stand der Aktivierung in voller Höhe damals nicht entgegen® Ob V^p diese Entwicklungskosten in der vollen Höhe der ihm im Zusammenhang mit der Produktion der "Privat" entstandenen Kosten, Unkosten und Verluste von angeblich 1®862®131 DK in einer Handelsbilanz (vgl® § 40 HGB) aktivieren durfte, ist im Rahmen der §§ 826, 823 Abs® 2 BGB unerheblich® Entsprechend hat das Berufungsgericht in Betracht gezogen, welchem Zweck die Bilanz-Übersichten dienen sollten? sie sollten dem Empfänger die Beurteilung der Präge ermöglichen, ob der Betrieb, hätte^er_nichts dieae rentabel gewesen wäre® Das war das erklärte Anliegen V^^^pp gewesen® Insofern kommt es auf die von der Revision gestellte Frage nicht an, ob VpP denn seine (angeblichen) Aufwendungen auch insoweit aktivieren durfte, als er sie vergebens gemacht hatte, sie also Verluste waren® Diese Frage ist, v/ie das Berufungsgericht mit Recht sagt, bei Entwicklungs- dies werde auch den belgischen Interessenten nicht unbekannt sein, und das Unternehmen werde künftig, nachdem die verlustreiche Entwicklung der "Privat" abgeschlossen v/ar, rentabel sein» Auf diesen Funkt hatte denn auch der von zugezogone Finanzfachmann D{ b) Bas Berufungogoricht verweist .ferner darauf, daß der Beklagte in seinem Expos6 in einer für jeden kritischen Xesor der Voss*schon Bilanzen erkennbaren Weise nichts dazu gesagt hat, ob die "gegenüber den FinansbehÖrdon als allgemeine Unkosten deklarierten Entwicklungskosten" in Höhe von zusammen lo862«131 DM jetzt aktivieren könne« Es kann daher nicht beanstandet worden, wenn da3 Berufungsgericht geglaubt hat, auch deshalb picht mit der erforderlichen Sicherheit auf eine böse, vor allen betrügerische Absicht des Beklagten schließen zu können« V/onn die kritischen Bemerkungen den belgischen Gründern der Klägerin nicht bekannt geworden sein sollten, so geht das nach dem vorgetragenon Sachverhalt nicht zu lasten des Beklagten« 2« In der Hauptsache greift die Revision das angcfochtene Urteil mit der Begründung an, das Berufungsgericht hätte auch die von V^| aufgestellte und vom Beklagten weitergegebene '^-Jahresbilanz", in seine Überlegungen einbeziehen müssen, weil gerade die Bilanzen eines Unternehmens für dessen Rcntabili tät und damit für die Entschlüsse der belgischen Gründer von entscheidender Bedeutung gewesen seien« endgültig aufrecht erhalten werden solle, nachdem eie in der mündlichen Verhandlung erklärt hatte, die Klageforderung werde hilfsweise auch auf die in der Berufungsinstanz nicht geltend gemachten Teilbeträge der einzelnen Sehaöcnspositionen entsprechend Ziffo V der Klageschrift gestützte Biese Erklärung der Klägerin konnte jedoch das Berufungsgericht ohne Rechtsvcrstoß lediglich auf die Höhe des mit der Tcilklagc geltend gemachten Schadens beziehen« Bann aber hatte sie mit der Präge, ob sie ihr Schadens-crcatcverlangcn nicht nur auf die Aktivierung der Entwicklungskosten stützen wolle und könne, nichts zu tun« Wollte die Klägerin ihre Klage nun doch - entgegen ihrer nach läge der Sache durchaus verständlichen Erklärungen in der Berufungsbegründung - auch darauf stützen, daß der Beklagte wissentlich verfälschte Bilanzen woitergogoben habe, so hätte sie dies ausdrücklich sagen und ihren Vortrag in dieser Richtung ergänzen müssen« Bonn es läßt 3ich, wie sich aus dem folgendem ergibt, nicht sagen, dem Berufungsgericht hätte sich auch ohne solchen Vortrag aufdrängen müssen, daß eine Analyse und Kritik der Bilanzen den von ihm vermißten Nachweis einer unerlaubten Handlung des Beklagten ergeben hätte« b) Auch das, was insoweit die Revision nunmehr unter Bezugnahme auf das, was die Klägerin in Richtung gegen die Erstbcklagto in den Tatsacheninstanzen vorgetragen hatte, vorbringt, erlaubt nicht den mit der zur Verurteilung des Beklagten erforderlichen Sicherheit Der Beklagte macht zunächst nicht zu Unrecht geltend, bei den von ihn weitergegebenen ’^-Jahresbilanzen” und "4—Jahresbilanzen" habe es sich nach den von Vannoste erklärtermaßen verfolgten Zweck nicht un eigentliche Bilanzen, also eine erschöpfende Gegenüberstellung des Vermögens mit den Schulden der Firma Voss (§ 40 HGB), gehandelt; sic stellten vielmehr nur eine Zusammenstellung von Zahlen dar, die zwar zu dem Teil den Handelsbilanzen entnommen zu sein schienen, aber erkennbar auf den besonderen Zweck ausgorichtet waren, vor allen hinsichtlich der Bewertung der Positionen, den ihre Übersendung dienen sollte« Nun mag zwar der Klägerin zuzugoben sein, daß die neue Zusammenstellung ein günstigeres Bild abzugoben vermochte, als die ”5-Jahresbilanz”, die V<|^ in Jahre vorher an gesandt hatte« Auch das Berufungs- gericht meint, gewisse Anhaltspunkte deuteten auf ein Eestrebon hin, die angespannte Lage des V^p' sehen Unternehmens zu verschleiern« Indessen kann nicht angenommen v;ordcn, daß der Beklagte geglaubt habe, über diese Tatsache dio belgischen Geldgeber mit Erfolg täuschen zu können« Er wußte ebenso wie diose, daß dio bisherigen V^Q* sehen Kreditgesuche gescheitert waren und zwar, wie anzunehmen ist, deshalb, weil Zweifel an der Rentabilität des Unternehmens und damit an der wollte aber gerade deshalb sein Unternehmen nach Flandern verlegen, weil er hoffte, dort rentabler arbeiten zu können* Insoweit hatte der Beklagte in seinen Brief von 3» Mai 1963«, mit den er V^^Hfc dio neuen Bilanzen und sein Expos6 übersandte, geschrieben: "Gut-wäre es, wenn Sie durch einen Sachverständigen die Kostcnlage in Belgien selbst prüfen würden, um eine konkrete Unterlage für die Rentabilität des Unternehmens in Belgien, die,so glauben wir, sicherlich gegeben ist, zu bekommen*" Ebensowenig läßt sich Entscheidendes gegen den Beklagten daraus schließen, daß er V^P in seinem Brief von 19« April 1965 fragte, ob die von ihm auf-gcstollton Zahlen "noch heute Ihren Vorstellungen entsprochen", nämlich, wie die Klägerin behauptet, die Zahlen auf S« 5 dos vom Beklagten entworfenen Exposes« Diese Zahlen hatte der Beklagte offen- ' sichtlich der "3-Jahresbilanz" von 1961 entnommen« Hinsichtlich der von der Klägerin als "verdächtig" angesehenen Rcdizicrung der Bankschulden von 1« 316 «747,38 DH auf nur noch 772 «684,90 DM hat der Beklagte darauf hingewiesen, daß auf der anderen Seite der Bilanz die Hinderung der Debitoren von 631«ö$4,13 DH auf nur noch 196«978974 DM gegonüborstoho« vpp hatte seine Bankschuld deshalb jetzt als geringer angegeben, weil er seine Außenstände der Bank nach dom Factoring-System verkauft hatte« Diese Erläuterung dos Beklagten hat die Klägerin nicht auszuräumen vermocht» Die Revision behauptet jetzt zwar, die Klägerin habe eine Verschuldung des von mehr als Zudem hat die Klägerin auf So 27 ihres Schriftsatzes vom 15* Dezember 1966 selbst vorgeträgen, der Steuerberater von VflP habe den Gründern in einer Verhandlung von 30o Januar 1964 vorgestollt, daß V^| zur Begleichung seiner Schulden bald eine Summe von schätzungs-v/eisc 2 Millionen DM benötige» Ohne Erfolg beruft sich die Revision auf den Bericht, den der Botriebstechnikcr D^|pim Februar 1964 für Voss persönlich erstattet hatte, und in dem von rd» 3,3 Millionen DM die Rede ist« c) Auch eine Goeamtbetrachtung all der einzelnen von der Revision für oino "Bosgläubigkeit" des Beklagten ins Feld geführten Umstände rechtfertigt nicht den von der Klägerin gev/ünschton Schluß, dies auch dann nicht, v;enn berücksichtigt wird, daß der Beklagte als Bankfachmann und langjähriger Berater dos V^^fsehen Unternehmens sicherlich einen vroitgohonden Einblick in dessen v/irkliche Verhältnisse gehabt haben wird« 3« Die Revision beanstandet noch, daß das Berufungsgericht nicht auch geprüft hat, ob etwa der Belclagto nach den Vorschriften des belgischen Rechts über die Haftung der Gründer einer Aktien-Gesellschaft ersatzpflichtig sei«. Der Beklagte war bei den Verhandlungen, die zur Gründung der Klägerin führten, nicht mehr beteiligt, auch nicht mehr als Berater des V^p, wie dies die Klägerin auf S« 42 ihrer Berufungsbegründung selbst vorgetragen hat«, Sie hatte daher ihre Schadens-crsatzansprüchc nur insoweit auf die Gründerhaftung gestützt, als sie sic gegen die Erstbeklagte als Erbin des Mitgründors geltend machte (S. 22/23 ihrer Berufungsbegründung)«, Im übrigen gehört der Beklagte, der die Klägerin nicht nitgegründot hat, nicht zu den Personen, die nach Arto 35 Nr«, 4 AbSo 1 des IXo Titels des ersten Buches des belgischen Code de Commerce (in der Passung des Gesetzes vom 30» Juni 1961) für eine "manifeste Überbewertung” der nicht durch Barzahlung zu leistenden Einlagen haftbar sein könnte» Baß das belgische Rocht die Haftung auch auf außenstehende Dritte ausgedehnt hätte (v/ie in § 47 17r.