BGH · VI ZR 166/60 vom 18.04.1961
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Die Parteien stürzten und erlitten schwere Verletzungen Der Kläger hat mit der Klage Ersatz seines Sachschadens, ein angemessenes Schmerzensgeld sowie die Feststellung verlangt, daß der Beklagte ihm zu dem Ersatz aller weiteren noch entstehenden Unfallschäden verpflichtet ist. Das Landgericht hat dem Kläger als Ersatz für seinen Sachschaden und Schmerzensgeld den Betrag von 8,082,85 DM nebst 4 # Zinsen seit Klagezustellung zugesprochen und die begehrte Feststellung vorbehaltlich des Rechtsübergangs nach § 1542 RVO getroffen. ihn in Abänderung des angefochtenen Urteils zur Zahlung von 1,966,45 DM nebst 4 # Zinsen seit dem 17« Dezember 1959 zu verurteilen und festzustellen, daß der Beklagte dem Kläger die Hälfte allen weiteren Schadens aus dem Unfall vom 6, August 1956 zu ersetzen habe, soweit der Kläger seinen Schadensersatzanspruch nicht an einen öffentlichen Versicherungsträger verloren habe, im übrigen das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen. Auch für die Frage des Mitverschuldens des Klägers ist es nicht entscheidend, ob der Beklagte ein Richtungszeichen gegeben hat; denn auch bei Abgabe eines solchen Zeichens durfte der Kläger darauf vertrauen, daß der Beklagte seine Fahrbahn nicht entgegenseiner gesteigerten Sorgfalts-pflicht nach § 17 StVO unmittelbar vor ihm überqueren, sondern ihn vorbeilassen werde« Damit erledigen sich die Verfahrensrügen der Revision gegen die Feststellung des Berufungsgerichts, der Beklagte habe kein Richtungszeichen gegeben. Es führt hierzu aus, nach den Aussagen der Zeugen und vor dem Landgericht habe die Geschwindigkeit des Klägers 40-50 km/st betragen. nur einen kurzen Augenblick und in spitzem Winkel beobachtet hätten» Für eine höhere Geschwindigkeit als 40 km/st könne auch nichts aus dem Umstand gefolgert werden, daß nach den Zeugenaussagen der Kläger mit seinem Motorrad nach dem Zusammenstoß auf der Straße noch etwa 2-3 1/2 m weitergerutscht sei» Auch Art und Schwere der Verletzungen des Klägers böten keine zuverlässigen Anhaltspunkte für die Annahme, dieser sei schneller als 40 km/st gefahren» Unter den gegebenen Umständen bestehe kein Anlaß zur Einholung eines Sachverständigengutachtens über die Fahrgeschwindigkeit des Klägers sowie eines solchen über die Zuverlässigkeit der Ge-schwindigkeitsschätzungen der jugendlichen Zeugen und Hö^|^ auf der Grundlage von Testversuchen» Derartige Untersuchungen könnten schon deshalb keine sichere Grundlage für die erforderten Feststellungen liefern, weil die zur Unfall zeigt 15 bzw» 17-jährigen Zeugen inzwischen fast 3 3/4' Jahre älter geworden seien und daher auch in der Schätzung von Geschwindigkeiten eine größere Erfahrung gesammelt hatten* Daß der Kläger im August 1953 schon einmal bei schneller Fahrt auf der Autobahn einen Unfall erlitten habe, lasse keinen Rückschluß auf seine Fahrgeschwindigkeit vor dem Zusammenstoß vom 6» August 1956 zu, zu demal seine Behauptung, der frühere Unfall sei ausschließlich auf ein technisches Versagen des Motors zurückzuführen, nicht widerlegt sei» 3» Diese Ausführungen werden von der Revision vergebens mit Verfahrensrügen angegriffen« Die Beurteilung der Aussagen der Zeugen und hält sich im Rahmen der dem Tatrichter nach § 286 ZPO zukommenden freien Würdigung» Ein Verstoß gegen einen Erfahrungssatz ist nicht ersichtlich« Daß das Berufungsgericht von der Einholung der beiden erwähnten Gutachten abgesehen hat, ist ebenfalls nicht zu beanstanden, da nach seinen zutreffenden Darlegungen keine hinreichenden tatsächlichen Grundlagen für die Erstattung dieser Gutachten gegeben waren» Zu Unrecht rügt die Revision, des Berufungsgericht habe die Strafakten über den Unfall des Klägers vom August 1953 zu dem Beweis dafür beiziehen müssen, daß auch dieser Unfall auf eine überhöhte Geschwindigkeit des Klägers zurückzuführen sei« Der Beklagte hatte, wie die Revision selbst einräumt, die Beiziehung der Strafakten zu diesem Beweisthema nicht beantragt, sondern sich mit der Vorlage eines Zeitungsabschnittes und der Ablichtung einer Zeugenaussage im Ermittlungsverfahren begnügt, die von einer überhöhten Geschwindigkeit des Klägers spräche Unter diesen Voraussetzungen war das Berufungsgericht nicht gehalten, die Strafakten beizuzieheno Es bestand entgegen der Meinung der Revision auch kein Anlaß, nach § 139 ZPO einen Antrag auf Beiziehung dieser Akten anzuregen o 4o Bas Berufungsgericht erachtet die Fahrgeschwindigkeit des Klägers im Hinblick auf die Straöenbeschaffenheit und die gesamte Verkehrslage zur Unfallzeit nicht für zu hoch«, Baß die Straße vor dem Unfall von anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere von Fußgängern derart belebt war, daß der Kläger seine Fahrbahn nicht übersehen konnte, hält das Berufungsgericht nicht für bewiesen«, Ber Zeuge Hö^^^, so führt es aus, habe nicht sagen können, daß sich auf der Fahrbahn überhaupt Fußgänger befunden hätten«, Rach der glaubhaften Aussage des Zeugen Hefl|^ - der den Beklagten mit seinem Motorrad etwa 10 m vor der Unfallstelle überholt hatte - hätten sich vor dem ihm entgegenkommenden Kläger auf der Fahrbahn keine Fußgänger befunden« Aus der Aussage des Klägers in der;Hauptver-handlung im Strafverfahren, seine Fahrbahn sei in einer Breite von d,8o -Im frei gewesen, folgert das Berufungsgericht, es lasse sich nicht ausschließen, daß noch Angehörige der Fabrikbetriebe auf der Mitte der Fahrbahn gegangen seien» Banach hält es das Berufungsgericht entgegen der Meinung der Revision nicht für erwiesen, daß die Fahrbahnhälfte des Klägers auf der an der Unfallstelle gerade verlaufenden, Weder eine Unübersichtlichkeit der Fahrbahn, noch die gebotene Rücksichtnahme auf entgegenkommende Fahrzeuge oder die Sicherheit von Fußgängern auf der Fahrbahnseite des Klägers lassen nach den vom Berufungsgericht für erwiesen erachteten Umstanden die genannte Fahrgeschwindigkeit als zu hoch erscheinen. Das Bewußtsein der Notwendigkeit, zur Vermeidung schwerer Unfallfolgen einen Schutzhelm zu tragen, war jedenfalls zur Unfallzeit, im Jahre 1956,noch nicht in solchem Maße Allgemeingut der Kraftradfahrer, daß man dem Kläger zur Last legen könnte, er habe damals durch Nichtanwendung dieser Vorsichtsmaßnahme diejenige Sorgfalt außer acht gelassen, dio ein orddntlicher und verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens anzuwenden pflegt (vgl, Müller, Straßenvorkehrsrecht 21. Bei tder Schadensabwägung geht das Berufungsgericht zutreffend davon aus, daß die Betriebsgefahr des Motorrades des Klägers zu berücksichtigen sei, weil dieser den Entlastungsbeweis nach § 7 Abs, 2 StVG nicht erbracht habe. Wenn unter diesen Umständen das Berufungsgericht in Ausübung seines freien Ermessens nach § 287 ZPO von der Einholung des beantragten Gutachtens abgesehen hat, so ist dies rechtlich nicht zu beanstanden«