BGH · VI ZR 158/61 vom 13.03.1962
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des 1, Zivilsenats des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 18o Mai 1961 in der Kostenentscheidung und insoweit aufgehoben, als die Berufung des Beklagten gegen das Urteil der 8o Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf vom 11«, No-' vember I960 hinsichtlich eines 23 292,01 DM nebst 4 Zinsen davon seit dem 2o4ol960 übersteigenden Betrages zurückgewiesen worden ist. Der Beklagte hat seine Haftung bestritten und evtl» eine Forderung wegen des ihm angeblich durch den Unfall entstandenen Schadens zur Aufrechnung gestellt» Er hat erneut vörgetragen, sein Fahrer Pg^phabe vor dem Zusammenstoß nicht die für ihn linke Fahrbahn benutzt« Kulhanek habe Paul geblendet und möglicherweise selbst die für ihn linke Hälfte der Fahrbahn befahren« Weiter hat der Beklagte seine zur Aufrechnung gestellte Ersatzforderung um 2 150 DM auf 9 993 DM erhöht « Die Sachbefugnis der Klägerin ist nicht mehr in Frage gestellt worden« Die Klägerin hat beantragt, die Berufung zurückzuweisen« Mit der Revision wendet sich der Beklagte gegen das seine Berufung zurückweisende Urteil des Oberlandesgerichts, soweit der Klägerin mehr als 9 363,51 DM zuerkannt worden sind« Das Berufungsgericht hat festgestellt, daß der Zusammenstoß der Fahrzeuge auf der Fahrbahn des von KuHH^ gesteuerten Sattelschleppers erfolgte« Es kommt danach zu dem Ergebnis, daß der Beweis des erf-ten Anscheins für ein verkehrswidriges Verhalten des Fahrers spricht« Diese Auffassung ist nicht zu beanstanden, sie v/ird auch von der Revision nicht als irrig bezeichnet« Ebensowenig wendet die Revision sich gegen die Ausführungen des Berufungsgerichts, daß diesem Anscheinsbeweis der Boden nicht entzogen sex Die Revision meint aber, die Schadensabwägung könne deshalb keinen Bestand haben, weil das Berufungsgericht zu Lasten der Klägerin rechtsirrtümlich nur die Betriebsgefahr des Sattelschleppers eingeworfen habe, während der Sachverhalt ein Verschulden ergebe«, Die Klägerin hat, auf den Angaben Kulhaneks als des einzigen Zeugen zu dem Unfallgeschehen fußend, folgende Darstellung über den Hergang des Unfalls gegeben: KuflHHP habe sich mit dem Sattelschlepper auf der für ihn rechten Hälfte der Fahrbahn befunden* Er habe den Lastzug des Beklagten schon von weitem ent gegenkommen sehen* Der Lastzug habe sich aber nicht auf der für ihn rechten Hälfte der Fahrbahn gehalten, sondern sei abwechselnd zur linken und zur rechten Fahrbahnseite gefahren« KuflHP habe deshalb ständig gehupt und auf- und abgeblendet« Der Lastzug sei danach vorübergehend auf seiner Fahrbahnseite geblieben, dann sei der Lastzug erneut in Schlangenlinien rechts p überwiegend aber links der Trennungslinie mit unverminderter und höherer Geschwindigkeit als der Sattelschlepper gefahren« Um einen Frontalzusammenstoß zu vermeiden, habe nicht angehalten« Nach links habe er wegen der Bauarbeiten, nach rechts wegen der Böschung nicht auswcichen können« Die Überführung über die Autobahn habe jede nennenswerte weitere Ausweichbewegung verboten« Obgleich KuflHHl mit dem rechten Vorderrad rechts neben der Fahrbahn gefahren sei, habe der Lastzug den Sattelschlepper noch links erfaßt« Das Berufungsgericht hat in tatrichterlicher Beweiswürdigung angenommen, daß der Unfallhergang etwa diesen Darlegungen entspricht, wobei es feststellt, daß die Lichtzeichen KuflIBN die Fahrweise von BSP nicht veranlaßt haben* Das Berufungsgericht erörtert im Rahmen der Beweiswürdigung, daß sich die verschiedenen Aussagen KuflHBs - des einzigen Unfallzeugen - im Ermittlungsverfahren und vor dem Landgericht zwar nicht in allen Funkten decken, aber doch im wesentlichen übereinstimmend die Entwicklung bis zu dem Unfall wiedergeben* Diese tSbtrichterliche Beweiswürdigung ist den Angriffen der Revision entzogen; das Berufungsgericht hat insbesondere auch die gutachtlichen Ausführungen des Sachverständigen Fiedler berücksichtigt* Nachv/eis eines unfallursächlichen, fehlsamen Verhaltens des Zeugen als nicht erbracht angesehen hat, denn dann hätte dieses Verschulden bei der Schadenaabwägung zu Lasten der Klägerin eingeworfen werden müssen» Ohne Hechtsirrtum hat das Berufungsgericht ausgeführt, Kulhanek habe den nicht ordnungsgemäß fahrenden Fpp^durch Hup- und Licht Zeichen warnen dürfen» Zudem ist festgestellt, daß die Lichtzeichen für den Unfall nicht ursächlich waren» Zu Recht hat das Gericht auch angenommen, zunächst habe k trotz der merkwürdigen Fahrweise ppps für Ku^HHI kein Anlaß bestanden, seine Fahrgeschwindigkeit zu ermäßigen» Ersichtlich geht das Berufungsgericht bei dieser Überlegung davon aus, der Lastzug habe sich noch in erheblicher Entfernung befunden und KuflHHl habe deshalb annehmen dürfen, es handele sich nur um ein vorübergehendes Abkommen des Lastzuges von der Fahrbahn, auf seine Hup- und Lichtzeichen werde der Fahrer alsbald wieder nur auf der für ihn rechten Hälfte der Fahrbahn weiterfahren» Nun weist die Revision darauf hin, daß nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats den Fahrer eines Wagens ein Verschulden treffen könne, wenn er eine ungewöhnliche und verkehrswidrige Fahrweise eines begegnenden Fahrzeugs nicht ausreichend beachte» In dem Urteil vom 21» April 1954 (VRS 7» 8 ff ) ist aber ein Verschulden des auf seiner reichten Fahrbahn befindlichen Fahrers nur deshalb angenommen worden, weil er die Gefahr erkannte, jedochrsunächst nichts unternahm und erst bei einer Annäherung auf 100 m Warnzeichen gab und seine Geschwindigkeit verminderte» Weiter hätte dieser Fahrer nach rechts auf den Fußweg ausweichen kön~ Zu Recht führt die Revision aus, daß ein Kraftfahrer, der vorschriftsmäßig auf seiner Fahrbahnseite fährt, sich dann auf den Gegenverkehr einstellen muß, "wenn sich ihm unmißverständliche Anzeichen für einen Fahrbahnwechsel und ein Verbleiben des entgegenkommenden Fahrzeugs auf der falschen Fahrbahnseite aufdrängen1'« Das Berufungsgericht hat sich aber gerade nicht davon überzeugen können, daß eine solche Lage bestand. Auch der Sachverständige Fiedler hat als möglich bezeichnet, daß F^^vor Beginn der Bremsspur weiter rechts gefahren sei, worauf das Berufungsgericht ausdrücklich hinweisto Dann aber durfte Ku^HB annehmen, der Fahrer werde ordnungsgemäß auf der für ihn rechten Hälfte der Fahrbahn bleiben, so daß zu irgendwelchen Maßnahmen zunächst kein Anlaß bestand« 4 Es kommt somit darauf an, ob nunmehr der Lastzug eine Fahrweise zeigte, die KuflH^ zu irgendwelchen noch möglichen Maßnahmen zur Abwendung eines Zusammenstoßes oder Minderung seiner Folgen hätte veranlassen müssen« Hier meint das Gericht, inzwischen habe der Sattelschlepper sich der Überführung soweit genähert, daß dem Zeugen Kul-hanek sein Entschluß, in unverminderter Fahrt zu bleiben, nicht vorgeworfen werden könne. Schaden des Beklagten von 9 993 DM« Es kommt nach der obigen Schadensverteilung zu dem Ergebnis, daß davon nur 1/5 * 1 998,60 DM zur Aufrechnung gestellt werden können,. Aber auch diese evtl, mögliche Aufrechnung hält das Gericht für unerheblich, weil die Klägerin 4/5 eines Gesamtbetrages von 43 720,81 DM zu fordern habe, doho 34 976,65 DM* Selbst unter Berücksichtigung des Betrages von 7 500 DM müsse der Beklagte also 27 476,64 DM ersetzen« Werde hiervon die angebliche Gegenforderung' mit 1 998,60 DM abgesetzt, so bliebe der erhobene Forderungsbetrag mit 25 290,61 DM dennoch unberührt« Die dem zugrunde liegende Rechtsauffassung des Berufungsgerichts ist nicht zu billigen« Die Klägerin hat einen Teil ihrer Forderung' eingeklagt und der Beklagte hat in diesem Rechtsstreit vorsorglich mit eventuellen Ersatzansprüchen aufgerechnet« Dann aber kann die Klägerin den Beklagten,, der seine Forderung gegen die Klageforderung zur Aufrechnung stellt, nicht auf den nicht eingeklagten Teil ihrer Gesamtforderung verweisen (BGH HJW 1957p 1553$ BGB RGRK 11« Aufl« Anm« 9 vor § 387)« Eine andere Beurteilung mag dann gerechtfertigt sein, wenn die klagende Partei die Aufrechnung - sei es auch nur eventuell in der Klageschrift - dadurch vorwegnimmt, daß sie die Gegenforderung des Beklagten von ihrer Gesamtforderung absetzt und diesen Teil nicht mit einklagt$ denn dann ist die zur Aufrechnung benutzte Gegenforderung bereits verbraucht und kann vom Beklagten nicht mehr seinerseits zur Aufrechnung im Rechtsstreit verwendet werden (BGH tfrt« v« 26,3o54 - Y ZR 151/52 = LM Er« 75 zu § 18 Abs. 1 3