BGH · VI ZR 158/57 vom 21.05.1957
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menschluß gewisser Ziegeleien, der auch die Beklagte an-gehört* Die Beklagte, deren Inhaber seit vielen Jahrzehnten als Ziegeleifachmann tätig ist, betreibt mehrere Ziegeleien, von denen eine in Heiligenstein liegt« Diese war von der Beklagten erst im Jahre 1952 erworben worden* Die für den Bau der Eheleute gelieferten Ziegelsteine stammen nach der Behauptung der Klägerin aus diesem Betrieb , Die gelieferten Ziegelsteine wiesen in ungewöhnlich großem Umfange Kalkeinschlüsse, sogen- Kalkmännchen, auf-Dieser Kalle zieht Wasser an, und zwar sowohl aus atmosphärischer Nässe wie aus dem beim Bau verwendeten Hörtel und Stuck- Dies führt dann dazu, daß der betreffende Ziegel seine Tragfähigkeit verliert und zerfällt- Das Haus der Eheleute M^H^ist weitgehend von diesem Zerfall der Ziegel betroffene Es haben sich Risse gebildet. Die Beklagte hat Klageabweisung begehrt« Sie hat bestritten, daß die von ihr gelieferten Steine mangelhaft gewesen seien, zu dem mindesten sei ihr von etwaigen Mängeln nichts bekannt gewesen* Eine Vertragsbeziehung zwischen ihr und der Klägerin bestehe nicht, da diese nur von der Vertriebsgesellschaft bezogen habe» Etwaige vertragliche Rüge-fristen seien nicht innegehalten, eine Schadensersatzpflieh außerdem durch ihre Lieferungsbedingungen ausgeschlossen«, Die Beklagte hat weiter das Vorliegen einer unerlaubten Handlung bestritten. Bas Berufungsgericht hat zv/ar die Annahme einer vertraglichen Beziehung zwischen den Parteien abgelebnt und auch die Anwendung des § 823 BGB verneint* Im Gegensatz zu] Ansicht der Revision hat das Berufungsgericht aber die Voraussetzungen, unter denen grober Leichtsinn sur Haftung gemäß § 826 BGB führen kann (BGHZ 10, 228, 233; Urteil des erkennenden Senats vom 13«- Juli 1956 - VI ZR 1^2/55 IM ET.- Außerdem sei dem Inhaber der Beklagten mehrere Monate vor der den Anlaß dieses Rechtsstreits gebenden Lieferung eindeutig bekannt geworden, daß die Mißstände sofort abzustellen wären5 denn von dem Zeugen seien 4000 Ziegelsteine zurückgewiesen worden und zwar ausdrücklich darum, weil die verweigerten Ziegel Kalkeinschlüsse in gefährlicher Größe auf wiesen« Auch die spätere Verarbeitung dieser Ziegel im eigenen Betrieb der Beklagten für die Errichtung eines Schornsteines ist vom Berufungsgericht gewertet worden« Hach alledem, so folgert das Berufungsgericht abschließend, legten diese Feststellungen den Schluß nahe, da-B der Inhaber der Beklagten wußte, daß die Erzeugnisse seines Heiligensteiner Betriebs gefährliche Kalkeinschlüsse aufwiesen, zu dem mindesten aber, daß er die Möglichkeit des Vorhandenseins dieses Mangele nicht für ausgeschlossen hielt und es in Kauf nahm« a) Die Revision vermißt die Feststellung des bedingten Vorsatzes in dem von ihr angeführten Satz des Bern-fungsurteils: "Die (vorgenannten) Feststellungen legen insgesamt den Schluß nahe, daß der Inhaber der Beklagten im Zeitpunkt des Beginns der Belieferung der Klägerin wußte, daß die Erzeugnisse seines Heiligensteiner Betriebes gefährliche Kalkeinschlüsse aufwiesen, zu demindest aber, daß er die Möglichkeit des Vorhandenseins dieses Mangels nicht ftir ausgeschlossen hielt und es in Kauf nahm"« Die Revision rügt namentlich, daß "ein naheliegender Schluß" nicht eine klare Feststellung ersetze« Sie hat aber augenscheinlich den Sinn des Berufungsurteils mißverstanden, so wie er sich zwar nicht eindeutig aus dem Wortlaut, aber aus dem Zusammenhang ergibt« Das Berufungsgericht betrachtet nur den Schluß als naheliegend, daß der Inhaber der Beklagten die positive Kenntnis hatte, welche gefährlichen Mängel die von ihm gelieferten Ziegel aufwiesen. im Berufungsurteil ausreichend dargelegt, Baß der Zeuge beim Inhaber der Beklagten den Eindruck gehabt hat, daß dieser ’’ernsthaft der Meinung gewesen sei, die Kalkeinschlüsse seien ungefährlich”, besagt nichts * Benn einmal ist das Berufungsgericht mit besonderer Begründung der Ansicht, daß dieser Eindruck nicht zutraf (Bio 11 BU Ende); aber selbst v;enn der Eindruck des Zeugen richtig gewesen wäre, entstand er, als die erste Lieferung mangelhafter Steine von einem anderen Abnehmer, der Stadt Speyer, eben durch den Zeugen verweigert wurde« Nachdem der sachkundige Zeuge, ein Oberbaurat, dem Inhaber der Beklagten seine ernsten sachlichen Bedenken gegen diese Art Steine dargelegt und sie retourniert hatte, mochte zwar der Inhaber der Beklagten auch weiterhin zu einer etwaigen abweichenden Ansicht gestanden haben» Bas Berufungsgericht erkennt aber dem Sinn nach zutreffend, daß er dann nicht ohne grobe Leichtfertigkeit handelte, wenn er, ohne bei weiteren Lieferungen aus der gleichen Produktion sorgfältig nachzuprüfen, an andere Kunden lieferte» Er hat allerdings, 'vie das Berufungsgericht feststellt und wie es die Revision in ihrem Sinne ausdeuten möchte, zunächst versucht, den beugen HflBl zu veranlassen, die Steine "unten drin", also in: Fundament des Schlachthofneubaues zu verwenden» das Fundament besondere fest sein müsse - sich aus ch-r an-geführten Bemerkung die Redlichkeit des Inhabers der Beklagten ergebe r Diese Bemerkung kann genauso gut bedeuten-, und das hat das Berufungsgericht augenscheinlich ihr entnommen,- daß im Fundament, wo also weder die Witterungseinflüsse noch Verputz unmittelbar Wasser an die Steine bringen, wasserempfindliche Steine eher verwendet werden könnten als an anderen Mauern* Aber das kann dahingestellt bleiben, wenn der Inhaber der Beklagten zur Ansicht gekommen v/ar, daß Steine aus einer bestimmten Produktion nicht für alle Zwecke oder wenigstens vorzugsweise doch nur für einen bestimmten Zweck verwendbar waren, dann war es eben leichtfertig, sie ohne eine derartige Erklärung zu dem allgemeinen Gebrauch, also auch zu anderen Zwecken zu verkaufen» Aus diesem Grunde konnte die vom Zeugen bekundete Äußerung des Inhabers der Beklagten sehr wohl im Berufungsurteil im Zusammenhang mit der Darstellung seiner sittenwidrigen Leichtfertigkeit angeführt werden» Erst recht geht die Rüge der Revision fehl, daß doch ein Kamin im Betrieb der Beklagten festgestelltermaßen aus den zurückgegebenen Steinen ohne Einfluß auf die Standfestigkeit erbaut worden sei und daß dies ergebe, daß auf Seiten der Beklagten bei einer Lieferung gleichartiger Steine keine Leichtfertigkeit vorliege. Die Revision übersieht dabei, daß es sich bei den verwendeten Steinen, wie im Berufungsurteil im nachfolgenden Satz festgestellt ist, nur um den Rest der beanstandeten Lieferung handelte, nachdem diese einmal, wahrscheinlich sogar zweimal aussortiert worden war und außerdem die Steine längere Zeit zur Beobachtung gelagert worden waren• mensetsung der verwendeten Erde - Umstünde, die von der Revision nicht angegriffen sind - die vor der Lieferung an die Abnehmer der Beklagten im vorliegenden Balle erfolgte Zurückweisung der Lieferung an die Stadt Speyer und die unbestrittene in Jahrzehnten erworbene Sachkenntnis des Inhabers der Beklagten rechtfertigen also sowohl die Annahme der groben Leichtfertigkeit als auch des bedingten Vorsatzes bei dem Letzteren, demzufolge auch die Bejahung der Voraus- Eine Eigentümlichkeit des Palles liegt nun darin, daß die Klägerin nicht einen ihr unmittelbar entstandenen Schaden geltend gemacht hat, sondern Schäden, die ihren Weridbestellern erwachsen sind, deren Verursachung durch die grob fahrlässige Lieferung der Beklagten nach dem Ausgeführten nicht zweifelhaft ist und deretwegen die Werkbestell die Klägerin auf Ersatz in Anspruch genommen habeno Die Klägerin verlangt Preisteilung von Regreßansprüchen, die gegen sie selbst entstanden sind, die zu dem Zeil rechtskräftig feststehen und über deren Höhe noch Ermittlungen laufenc Solche Ansprüche können im Rahmen des § 826 BGB, der auch die Haftung für Vermögensscliäden gewährt, geltend gemacht ■werden und zwar von jedem, der durch das sittenwidrige Verhalten im Rahmen adäquater Ursächlichkeit geschädigt ist* Das hat das Berufungsgericht auch erkannt» Es hat aber, wozu es an sich im Rahmen dieser Vorschrift berechtigt ist, das Verschulden der Beklagten als so überwiegend angesehen, daB es dieser allein die Schadensfolgen aufgebürdet und die Klage mit Ausnahme der Hebenforderung wegen der Kosten des Vorprozesses voll zugesprochen hat. Es hat hierzu ausgeführt, es könne dahinstehen, ob die Klägerin verpflichtet gewesen wäre, selbst die Steine vor ihrer Vermauerung darauf zu untersuchen, ob sie Kalkeinschlüsse aufwiesen« Denn selbst wenn »sie eine selche Verpflichtung aus den Augen gelassen hätte, so könnte ihr hierwe&en nur eine einfache Fahrlässigkeit vorgeworfen werden, da sie im Gegensatz zur Beklagten keine besonderen Anhaltspunkte für die Annahme gehabt habe, dal solche Mängel tatsächlich Vorlagen« Es stehen sich bei der Abwägung, wie aus dem Ausgeführten folgt, bedingter Vorsatz und leichte Fahrlässigkeit gegenüber« Y/ie das Berufungsgericht zutreffend ausführt, hat das Reichsgericht für solche Fälle ausgesprochen dai3 von einer Beteiligung am Schaden durch den nur fahrlässig Getäuschten abgesehen werden kann (RGZ 76.> 323? Das Berufungsgericht hat auch keine Umstande, die für eine Auswirkung des § 254 3GB zu Gunsten der Beklagten sprechen könnten, unberücksichtigt gelassen.