BGH · VI ZR 154/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Br« Hauß und Heinrich Meyer für Recht erkannts Bie Revision des Beklagten gegen das Urteil des 6o Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Köln vom 16o Juli 1958 wird zurückgewieseno Bie Kosten der Revision werden dem Beklagten auferlegt® Der Beklagte hat Abweisung der Klage beantragt und geltend gemachts Er sei mit einer Geschwindigkeit von 45 bis 50 kn/st gefahren und habe Warnzeichen gegeben, als SfHHMdie Straße überquert habe* Da dieser daraufhin stehen geblieben sei, habe er angenommen, sm| wolle ihn vorbeilassen* Erst als er bis auf einige Meter he range kommen sei«, sei S^m^ plötzlich weitergegangen und in das Motorrad hineingelaufeno Das Landgericht hat die Klageansprüche dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärto Die Berufung des Beklagten ist erfolglos gebliebene Mit der Revision verfolgt der Beklagte seinen Klageabweisungsantrag weitere Die Klägerinnen beantragen, die Revision zurückzuweisen» Entscheidungsgründei Io Das Berufungsgericht hat die Schadensersatzpflicht des Beklagten auf Grund folgender Feststellungen und Er-, wägungen bejahts überquerte die 6,20 m breite Fahrbahn in normalem Gang und verhielt etwa au£ der Mitte der Fahrbahn , als der Beklagte Warnzeichen” gab® Das Anhalten v/ar aber nicht lange genug, um als Stehenbleiben bezeichnet werden zu können« SHHHB 6ing dann schneller als vorher weiter und wurde, kurz bevor er den Sommerweg erreicht hatte, von dem Motorrad des Beklagten erfaßt und 22,4-0 m durch die Luft geschleuderte Der Beklagte hatte auf 190 m Entfernung bemerkt, daß der Fußgänger die Straße überquerte»■ Er gab mehrmals heftige Warnsignale und zwar so, daß man daran erschreckt werden konnte» Daß der Beklagte bei der Annäherung an den Fußgänger mit einer Geschwindigkeit von 70 km/st gefahren ist* hält das Berufungsgericht nicht für bewiesen« Es ist entsprechend der eigenen Darstellung des Beklagten davon ausgegangen, daß die Geschwindigkeit des Motorrades 45 bis 50 km/st betrug«. Das Berufungsgericht hält die Behauptung des Beklagten, der Fußgänger sei ihm plötzlich in das Motorrad gelaufen, für widerlegt«, Es sieht ein Verschulden des Beklagten darin, daß er sich in seiner Fahrweise nicht genügend auf den Fußgänger eingestellt hat und nicht hinter ihm vorbeigefahren ist«, Hierzu ist im Berufungsurteil ausgeführts Da der Beklagte den Fußgänger auf 190 m Entfernung bemerkt habe? Aber auch nach dem Warnzeichen habe der Beklagte sich noch in dem Zeitpunkt ausreichend auf den Fußgänger einstellen können,.als dieser nach seinem Anhalten weitergegangen sei« Gerade in der letzten Zeitphase habe der Beklagte sich darauf einstellen müssen, daß der Fußgänger das Überqueren der Straße fortsetzte« Dieser habe für die drei Meter, die er von der Fahrbahnmitte bis zur Unfallstelle zurückgelegt habe, mindestens drei Sekunden gebrauchte Bei gehöriger Aufmerksamkeit habe der Beklagte dieses Vorhalten des Fußgängers wahrnehmen und ihm in gebührender Weise Rechnung tragen müssen« Er habe die Geschwindigkeit herabsetzen und hinter dem Fußgänger vorbeifahren können« Auch vor dem Fußgänger.habe ihm der 3,20 m breite Sommerweg und damit ausreichender Raum zur Vorbeifahrt zur Verfügung gestanden«.Der Beklagte sei aber unverändert geradeaus gefahren« . Das Berufungsgericht hat ein Mitverschulden des S0HHI angenommen und berücksichtigt und ist bei seiner Abwägung der für den Unfall ursächlichen Umstände zu den Ergebnis gekommen? Das Berufungsgericht hat- diese Feststellung auf die Aussage des Zeugen Rolf Iif| gestützte Nun stand der Zeuge zwar am Unfalltage erst kurz vor der Vollendung seines 14c Lebensjahres« Das allein macht ihn aber noch nicht zu einem untauglichen Beweismittel« Das Berufungsgericht hat den Angaben des Zeugen Glauben geschenkt? Rahmen der dem Tatrichter vorbohaltonen Bev/ois-würdigung und sind aus Rechtsgründen nicht zu heanstanden6 Die Ausführungen, mit denen das Berufungsgericht die Aussage seihst würdigt, gehen ebenfalls keinen .Anlaß zu rechtlichen Bedenkeno Die Revision greift weiter die Zeitberechnung an, die das Berufungsgericht in anderem Zusammenhang gemacht hate Oh diese Zeitberechnung richtig ist, kann hier jedoch unentschieden bleiben, denn das Berufungsgericht hat seine Feststellung, daß der Fußgänger auf der Mitte der Fahrbahn nur kurz angehalten hat, nicht auf diese Zeitberechnung, sondern ausschließlich auf die Angaben des Rolf ge- 20 Geht man von ihr aus, so ist die Annahme des Berufungsgerichts berechtigt, daß der Beklagte den Unfall schuldhaft mitverursacht hat» Er mußte sich, wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, in seiner Fahrweise auf den Fußgänger einstellen und kann sich-'-nicht mit Erfolg auf den Vertrauensgrundsatz berufen« Das wäre nur der Fall, wenn vor oder in der Mitte der Fahrbahn eine ge- ge sah der Beklagte sich nach den Feststellungen des Berufungsgerichts aber nicht gegenübero Hat S auf das rechnen, daß Sl nicht stehen bleibe, sondern ver-