BGH · VI ZR 153/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
—* 2 -' Tatbestands Im Jahre 1932 nahm die damals 19-jährige Klägerin hei dem im laufe des Rechtsstreits verst<?benen Filmtheater-Besitzer Artur in HfHHBfe, dem Rechts Vorgänger der Beklagten, (im folgenden Beklagter genannt), eine Stellung an« Sie wurde in den Haushalt des Beklagten aufgenommen und hatte den damals 9-jährigen Sohn des Beklagten zu betreuen und die Kasse des Schloß-Filmtheaters wahrzunehmen o Bald nach Aufnahme des Dienstes * kam es zu geschlechtlichen Beziehungen der Parteien, die bis 1950 andauertenc Während dieser Zeit war die Klägerin mit einem anderen Mann verlobt, der im Krieg gefallen ist* Später wurde der Klägerin von einem Gastwirt aus Heidelberg die Ehe versprochen* Es kam jedoch nicht zur Eheschließung* Im Juli 1948 verpachtete der Beklagte der Klägerin das Gj((^Filmtheater in Heidelberg* Bald darauf entstanden Streitigkeiten zwischen den Parteien, die auch zu gegenseitigen RechtsStreitigkeiten, u.a. Uber die Dauer des Pachtverhältnisses, führten* Im Jahre 1950 wandte sich der Rer Beklagte hat um Abweisung der Klage gebeten» Er hat bestritten, seine Stellung als Arbeitgeber irgendwie gegenüber der Klägerin ausgenutzt zu haben« Riese habe aus freien Stücken die gegenseitigen Beziehungen 18 Jahre aufrecht erhalten, obwohl sie genau gewußt habe, daß eine Heirat nicht in Betracht komme« In der persönlichen Lebensführung, insbesondere in der Anknüpfung von Herrenbekanntschaften, sei die Klägerin frei gewesen» Auch wirtschaftlich sei sie„ins-besondere nach Abschluß des Pachtvertrages, weitgehend unabhängig gewesen» Rer Beklagte ist der Ansicht, die Klägerin wolle mit der Klage auf einem anderen YTeg das gleiche Ziel verfolgen, das sie mit dem Rechtsstreit Ober die Vertragsbeziehungen nicht erreichen könne« Er hat sodann die Einrede der Verjährung erhoben und hierzu vorgetragen, die Klägerin habe spätestens im Jahre 1949 die angeblichen Schäden und Einbußen erkannt» Ras Oberlandesgericht hat ausgeführt, es lasse sich nicht feststellen, daß der Beklagte seine Stellung als Arbeitgeber mißbräuchlich ausgenutzt habe, um die Klägerin zur Eingehung geschlechtlicher Beziehungen zu veranlassen Biese sei bereits bei Antritt der Stelle in einem /liter gewesen, in dem sie über die Tragweite ihres Entschlusses nicht habe im unklaren sein können« Aus ihrem eigenen Vortrag gehe hervor, daß sie die herrsch- und (eigensüchtige Art des Beklagten Frauen gegenüber alsbald erkannt habe« Trotzdem habe sie nicht nur den Annäherungsversuchen des Beklagten keinen Widerstand entgegengesetzt, sondern das Verhältnis fast zwei Jahrzehnte fortgeführt5 Dabei habe Einverständnis bestanden, daß eine Heirat nicht in Betracht komme» Daß der Beklagte auf die Klägerin sonst durch uneingelöste Versprechen zur Gestattung und Fortführung der geschlechtlichen Beziehungen eingewirkt habe, sei nicht dargetan» Die Klägerin sei auch nicht durch den Beklagten um Heiratsmöglichkeiten gebracht worden* Sie habe in der Anknüpfung von Bekanntschaften freie Hand gehabt«. Bei Beginn der Beziehungen habe die Klägerin angesichts der ihr bekann • ten Einstellung des Beklagten zu Frauen sicher nicht mit einer solch langen Dauer des Verhältnisses und den dadurch gegebenen wirtschaftlichen Vorteilen rechnen können Insbesondere hat das Berufungsgericht die Anwendung des § 825 BGB aus zutreffenden Gründen abgelehnt • Zweifel könnten allenfalls bestehen, ob nicht für die Zeit des Beginns der geschlechtlichen Beziehungen eine mißbräuchliche Ausnutzung der ArbeitgeberStellung bejaht werden müßtec Fand sich aber die Klägerin-, als sie älter wurde und die sittliche und wirtschaftliche Würdigung der Beziehungen erkannte, mit dem Verhältnis ab und bliebe sie ■ beim Beklagten, weil sie - so unterstellt das Berufungsgericht - Zuneigung zu diesem fühlte und auf die Vorteile des Lebens an der Seite eines reichen Mannes nicht verzichten wollte, so konnte das Berufungsgericht daraus entnehmen, daß ein eigenverantwortliches, von unzulässiger Willensbeeinflussung freies Verhalten der Klägerin vorlag. Bie Klägerin hat nicht dargetan, daß sie von dem Schäden, der aus der Verletzung ihrer weiblichen Geschlechtsehre in diesen Jahren entstanden ist, erst in einem solch späten Zeitpunkt Kenntnis erlangt hat, daß die Klageerhebung im Jahre 1953 noch rechtzeitig wäre« Bie Kenntnis des Schadens wird noch nicht dadurch beseitigt, daß die Klägerin hoffte, der Beklagte werden den Schaden später in ausreichender Weise wieder gut machen* Ber Versuch der Revision, den Schadensersatzanspruch aus der Verletzung des § 174 Nr 1 StGB in Verbindung mit § 823 Abs 2 BGB' herzuleiten, scheitert schon daran, daß nicht dargetan ist, daß die Klägerin dem Beklagten zur Erziehung, Ausbildung oder Betreuung anvertraut wäre Burch ein ArbeitsVerhältnis mit einem in den Haushalt aufgenommenen 19-jährigen Mädchen allein wird das Verhältnis der in § 174 Nr 1 StGB umschriebenen Art noch nicht begründet. oder Erziehungsberechtigten der Klägerin Erziehungs-, Aufsichts- oder Betreuungspflicht übernommen habe, ist nicht behauptet worden; im Gegenteil hat die Klägerin vorgetragen, sie habe die Stellung beim Beklagten selbständig gegen den Rat ihrer Familie angenommene Auch sonst sind keine ausreichenden Umstände dafür ersichtlich, daß siah der Beklagte ähnlich wie ein Vater oder Vormund für die Lebensführung der Klägerin, insbesondere ihre sittliche Haltung und ihre geistige Ent -Wicklung verantwortlich fühlen mußte (vgl hierzu BGH IM Nr 18 zu § 174- Nr 1 StGB).-