BGH · VI ZR 150/67 vom 21.01.1969
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Für* die Klägerin wurde die Eintragung einer Auflassungsvormerkung bewilligt und beantragte Der Vertrag enthielt noch die Bemerkung, daß der amtierende Notar den Grundbuchinhalt festgestellt habe. August 1962 beantragte Rechtsanwalt Dr, E(H nunmehr der amtlich bestellte Vertreter des beklagten Notars, die AuflassungsVormerkung für die Klägerin im Mit einem Peststellungsbegehren hat die Klägerin geltend gemacht, daß ihr der Beklagte auf Grund einer Amtspfli chtverletzung seines Vertreters Br. KofBiv^e auch eigener Versäumnisse Schadensersatzpflichtig geworden sei o Weder sie noch ihr bei Vertragsschluß anwesender Ehemann hätten gewußt, daß vor Eintragung der AuflassungsVormerkung noch vorrangige Belastungen auf Grund schon vorliegender Eintragungsanträge möglich seien oder hier in Betracht kämen» Sie hätten nach den Erklärungen des Notarvertreters angenommen * nach Zahlung des Restkaufpreises auf jeden Eall lastenfrei es Eigentum zu erhalten» Der Beklagte hätte vor Urlaubsantritt seinen Ver- kannten unerledigten Anträgen über die Eintragung von Belastungen zu befragen oder das Notariatsregister durchzusehen, es vor allem jedoch pflichtwidrig unterlassen, die Grundakten nach derartigen Anträgen durchzusehen„ Bei Abstandnahme hiervon habe der Notarvertreter im Hinblick auf die Art der Vertraggestaltung und sein persönliches Wissen um den Parzellierungskomplex dann aber die Verpflichtung gehabt, die Klägerin darüber zu belehren, daß aus den Grundakten möglicherweise Vorgänge dieser Art zu ermitteln seien, und sie auf die Gefahren hinzuweisen, die mit einer Beurkundung des beabsichtigten lastenfreien Verkaufes ohne vorherige Einsicht in die Grundakten verbunden seien.» Weiterhin habe sie der WotarVertreter nur unvollständig über das Risiko einer Zahlung vor Eintragung der Auf1assungsVormerkung unterrichtete Bei Kenntnis der unerledigten Eintragungsanträge mit der bevorstehenden Belastung und bei richtiger Belehrung hätte sie den Vertrag entweder überhaupt nicht oder jedenfalls nicht mit dem vorliegenden Inhalt abgeschlossen, auch die Zahlungen nicht ohne Sicherstellung des pfandfreien Erwerbs geleistet» Schließlich hätte der Beklagte sie nach Kenntnis der Geschehnisse von weiteren Zahlungen abhalten müssen« einbart; da dieser Betrag den Viert des unbebauten Grundstücks weit überstiegen habe, sei sie ohne Rücksicht auf eine Sicherung durch die AuflassungsVormerkung bewußt ein Risiko eingegangen» Hätte die Klägerin die 35«000 BM bei Kaufabschluß nicht gezahlt oder Herausnahme des Flurstücks aus der beabsichtigten Gesamt Belastung verlangt, so würde die NJden Kaufvertrag nicht abgeschlossen, die Klägerin also das Grundstück nicht erhalten haben» "Es wird festgestellt, daß der Beklagte aus dem Gesichtspunkt der Notarhaftung verpflichtet ist, der Klägerin den Schaden zu ersetzen, der ihr dadurch entstanden ist und noch entstehen wird, daß der Notarvertreter bei Abschluß des Kaufvertrages vom 9o August 1962 (Nr» der ür- kundenrolle) die Klägerin nicht darüber aufgeklärt Es ist der Ansicht, daß der Rotarvertreten des Beklagten die Amtspflichten, die ihm bei der Beurkundung des Vertrages vom 9„ August 1962 der Klägerin gegenüber oblagen, fahrlässig verletzt hat und der Beklagte nach §§ 19? Wie das Berufungsgericht ausgeführt hat, bedeutete es eine für die Klägerin gefährliche Vorleistung,daß sie sogleich bei Abschluß des Vertrages als Voraussetzung für seine Durchführung die den Wert des unbebauten Grundstücks erheblich übersteigende Anzahlung von 35*000 DM leisten und mit den festgelegten weiteren Raten den vollen Kauf- Eine derartige Vertragsgestöltung habe den beurkundenden Notar zu einer umfassenden Belehrung des Käufers über die mit ihr verbundenen Gefahren und zu einer eingehenden Beratung darüber genötigt, wie die Gefahren durch rechtliche Sicherungsmöglichkeiten am besten vermieden oder die Risiken möglichst klein gehalten werden konnten« Dazu habe es nicht genügt, daß der Notar Vertreter der Klägerin eine Auflas sung s Vormerkung vorgeschlagen und deren Bedeutung erklärt habe« Ihm sei bekannt gewesen, daß der abzuschließende Vertrag zu einem Großbauvorhaben der Verkäuferin gehört habe, wie es erfahrungsgemäß ohne dinglich zu sichernde Bankzv/iSehenfinanzierungskredite nicht durchführbar sei» Daher habe sich ihm eine eingehende Erörterung dieses Gesichtspunktes angesichts der auffälligen Tatsache aufdrängen müssen, daß der gesamte aus 19 Katasterparzellen bestehende Grundbesitz nach dem Inhalt des Grundbuchs unbelastet gewesen sei« Die pflichtgemäße Befragung des Verkaufsleiters Hössermann hätte zutage gebracht, daß zunächst eine Globalbelastung und spater eine Aufteilung der Lasten und Entpfändung der zu verkaufenden Parzellen vorgesehen sei, und hätte den Notarvertreter sodann weiter veranlassen müssen, die Klägerin darüber zu belehren, daß der ihm vorliegende Inhalt des Grundbuchs allein keinen sicheren Aufschluß über die bei Eingang des Antrages auf Eintragung der Auf lässüngs Vormerkung vorhandenen Belastungs-Verhältnisse zu geben vermöge^ daß sich höchstwahr= scheinlich unerledigte Eintragungsanträge bei den Grundakten befänden, die er nicht eingesehen habe, und zu- nächst bewirkte Eintragungen der Auf las sung s Vormerkung in voller Höhe vorgingen» Hach der Überzeugung des Berufungsgerichts v/Urde die Klägerin den Botarvertreter daraufhin mit entsprechenden Nachforschungen beauftragt, und der Notarvertreter in Ausführung dieses Auftrags festgestellt haben, daß am 11* April 1962 bereits der Antiag auf eine Hypothek von 564<»000 IM zu den Grund-akten eingereicht worden war« Hierüber aufgeklärt, würde die Klägerin den Kaufvertrag dann entweder nicht ohne eine geeignete Absicherung und Gewährleistung der beabsichtigten lastenfreien Übereignung geschlossen oder - wenn dies mangels Einverständnisses der und des Gläubigers jener zukünftigen Hypothek nicht möglich gev/esen sein sollte - vom Abschluß des Vertrages überhaupt abgesehen haben» Ob die Dinge den einen oder anderen Verlauf genommen hätten, steht nach Ansicht des Berufungsgerichts offen; erst weitere Sachaufklärung könnte hierüber Klarheit erbringeno Auf eine solche würde es nach Meinung des Berufungsgerichts jedoch nur bei * klage sei sie entbehrliche Sollte anzunehmen sein, daß bei entsprechender rechtlicher Vertragsgestaltung lastenfreier Erwerb der Klägerin sich er gestellt worden wäre, so sei der durch die Pflichtverletzung des Notarvertreters verursachte Schaden der Klägerin noch nicht zu übersehen, weil aus, der Hypothek die Zwangsversteigerung ihres Grundstücks angeordnet worden sei und der Schaden sich daher noch in der Entwicklung befinde* Bei Abstandnahme von dem Kaufverträge bestehe der Schaden in dem nutzlos auf gewendeten Kaufpreis und den laufenden, noch nicht abgeschlossenen Unkosten* liner Klärung der zwischen den Parteien bestehenden entscheidenden Streitpunkte sei bereits mit der Feststellungsklage gedient* - Baß der Notar nach § 19 Abs«, 1 Satz 2 BNotO bei fahrlässiger Amtspflichtverletzung nur haftet, wenn der Verletzte nicht auf andere Weise Ersatz zu erlangen vermag, führt, so hat das Berufungsgericht weiter erwogen, zu keiner sachlichen Einschränkung«, Die etwaigen anderweitigen Ersatzansprüche, auf die der Beklagte hingewiesen habe, böten keine Aussicht auf alsbaldige Verwirklichung und seien im Ergebnis gänzlich ungewiß; derartige unsichere Ersatzleistungen brauche die Klägerin durch zeitraubende Prozesse nicht zu verfolgen«, Unter diesem Gesichtspunkt könnte sie sofort auf Bei stung klagen* Es mache keinen Unterschied, ob sie stattdessen die nach § 256 ZPO zulässige Feststellung begehre« Da sie die Höhe dessen, was ihr vielleicht von dritter Seite zufließen könne, ä>enso wie überhaupt ihre künftigen Schäden zur Zeit niht genau zu übersehen vermöge, sei ein Feststellungsurteil möglich, das die grundsätzliche Verpflichtung des Beklagten zu dem Ersatz der entstandenen und zukünftigen Schäden feststeile, von der Ersatzpflicht aber zugleich die Schäden ausnehme, für die die Klägerin vielleicht von anderer Seite Leistungen erhalte, wenn, wie hier, der volle Ausgleich des Schadens auf diese Weise unsicher bleibe. Bei dem Bestreiten des Beklagten hatte und hat die Klägerin ein rechtliches Interesse an der alsbaldigen Feststellung seiner Schadenshaftung für die seinem Amtsvertreter zu dem Vorwurf gemachte Pflichtverletzung gegenüber der Klägerin» Die von der Revision in Zwei fei gezogene Kausalität der Amtspflichtverletzung für einen Schaden der Klägerin berührt nicht die Zulässigkeit der Feststellungsklage, sondern betrifft ebenso wie die Frage nach dem Vorliegen einer schuldhaften Amtspflichtverletzung und dem Bestehen anderweitiger Ersatzmöglichkeiten die sachliche Begründetheit der Klage. kämen und lediglich ein Schadensersatzanspruch auf Erstattung des Kaufpreises in Rede stehe» Vielmehr schließt ihre Darstellung durchaus auch die nach Auffassung des Berufungsgerichts nicht ohne weiteres ausschließbare Möglichkeit ein, daß es zu einer den lastenfreien Erwerb sichernden anderweitigen Vertragsgestaltung gekommen wäre, wenn der Notarvertreter es nicht an der pflichtgemäßen Beratung und Belehrung hätte fehlen lassen» Solchenfalls kämen aber, wie das Berufungsgericht ohne erkennbaren Rechtsirrtum erwogen hat, Schaden in Betracht, die in Hinblick auf die angeordnete Zwangsversteigerung des Grundstücks noch in der Entwicklung begriffen und nicht schon zu übersehen waren» Zutreffend hat das Berufungsgericht auch darauf hingewiesen, daß bei Abstandnahme vom Kaufabschluß zu den Schadens au swirkungen nicht nur die Kaufpreiszahlung, sondern auch laufende und noch nicht abgeschlossene Unkosten gehörten» Bei Klageerhebung ließ sich der Schaden also nicht schon abschließend beziffern» Die Zulässigkeit der Feststellungsklage unterliegt daher keinen begründeten Bedenken» a) Mit Recht ist das Berufungsgericht der Ansicht, daß der Notarvertreter verpflichtet gewesen wäre., die Klägerin darauf hinzuweisen, daß di e Auf las sungs Vormerkung ihr den lastenfreien Erwerb des Grundstücks dann nicht sicherte, wenn heim Grundbuchamt bereits die Eintragung dinglicher Belastungen beantragt war» Baß dies der Fall sein konnte, lag bei dem vom Berufungsgericht festgestellten und dem Notarvertreter bekannten Zusammenhang dos beabsichtigten Kaufvertrages mit dem ohne Zwischenfinanzierung nicht durchführbaren Großbauvorhaben der Klägerin Gefahren, die durch die Auf lassungs Vormerkung trotz der mit ihr erstrebten Sicherung nicht auszuschalten waren« Bas hätte der Notarvertreter bedenken und der Klägerin, die nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hiervon nichts wußte, sagen müssen« Dazu war er aufgrund der mit der Beurkundungstätigkeit einhergeh enden, vom Berufungsgeri cht zutreffend dar gelegten betreuenden Beratungs- und Belehrungspflicht verbunden« Biese Belehrungspflicht wäre nur dann entfallen, wenn er, was nach den vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen nicht der Fall war, mit Sicherheit hätte annehmen können, daß die Eintragung einer dinglichen Belastung nicht schon beantragt /war oder die Klägerin die sich für sie ergebenden Gefahren kannte. am 11» April 1962 ein Antrag auf Eintragung einer Barlehenshypothek von *564„000 BM für die Süddeutsche Bodenkreditbank, eingereicht war»“ Indessen hat das Berufungsgericht, wie durchaus nahe. Nach der Überzeugung des Berufungsgerichts hätte der Notarvertreter aber die Grundakten eingesehen, den am 11, April 1962 eingereichten Eintragungsantrag darin vorgefunden und die Klägerin hiervon pflichtgemäß in Kenntnis gesetzt, wenn er von der Klägerin damit beauftragt v/orden wäre, nachzuforschen, ob sich ein derartiger Antrag bei den Grundakten befand, Baß er den Auftrag nicht erhalten hat, beruht eben auf jener vor auf gegangenen Versäumnis, Bei seiner Urteilsfassung hat das Berufungsgericht statt deren Bezeichnung in unschädlicher Weise nur an den für die behauptete Schadensentstehung wesentlichen Polgeura-stand angeknüpft. b) Ob die Amtspflichtverletzung des Notarvertreters der Klägerin Schaden verursacht hat, unterlag der tat-richterlichen Beurteilung des Berufungsgerichts, das hierbei nach § 287 ZPO besonders frei gestellt war, Baß es diese Frage bejaht hat, ist rechtlich nicht zu beanstanden, Wenn die Klägerin auch eine günstige Auskunft über die erhalten hatte und deswegen keine Bedenken hegte, die Anzahlung zu leisten, bevor der Antrag auf Eintragung der AuflassungsVormerkung zu dem Grundbuchamt kam, so konnte das Berufungsgericht, das dies sehr wohl bedacht hat, doch davon überzeugt sein, daß sie den Vertrag in der vorliegenden Form nicht ahgeschlossej und die Zahlung also auch nicht geleistet hätte, wenn sie durch den Notarvertreter pflichtgemäß darauf aufmerksam gemacht worden wäre, daß möglicherweise Belastungsanträge heim Grundhuchamt bereits vorlägen und sie Gefahr laufe, trotz der Auf las sung s Vormerkung nur ein wirtschaftlich ausgehöhltes Eigentum zu erlangen. Damit steht aber fest, daß die Pflichtverletzung des Notar Vertreters der Klägerin Schaden verursacht hat, mag der Umfang des Schadens auch noch nicht zu übersehen und möglicherweise davon abhängig sein, ob der Vertrag in einer die Klägerin sichernden anderen Form hätte zustande gebracht werden können oder nicht. rechtlich gleichfalls nichts zu erinnern» Wenn auch für die Haftung des Notars aus fahrlässiger Amtspflicht Verletzung das Pehlen anderweitiger Ersatzmöglichkeiten Anspruchsvoraussetzung ist, so ist dieses Erfordernis doch nicht dahin zu verstehen, daß der Geschädigte vor Inanspruchnahme des Notars alle etwa denkbaren Möglich-' keiten anderweitiger Ersatzerlangung erschöpft haben müßte» Als negative AnspruchsvorausSetzung kommen nur solche Ersatzmöglichkeiten in Betracht, die sich aus dem Sachverhalt selbst ergeben, demselben lat Sachen-kreis entsprungen sind, aus dem sich die in Hede stehende Schadenshaftung des Notars ergibt, und begründete Aus- Bin Rechtsverstoß liegt auch nicht darin, daß das Berufungsgericht den Hinweisen nicht unter den Blickwinkel einer Beweisführung des Beklagten nachgegangen ist; hierfür ermangelten sie der erforderlichen Substantiierung und Schlüssigkeit» Die Form, in der es diese inhaltliche Begrenzung zu dem Ausdruck ge bracht hat ("aus dem Gesichtspunkt der Notarhaftung verpflichtet11), ist nicht zu beanstanden; sie macht hinreichend deutlich, daß die Klägerin, wenn sie demnächst ihren Schaden gegenüber dem Beklagten liquidiert, sich anrechnen lassen muß, * was sie von anderer Seite mit Schadens aus gleicherem Effekt erhalten haben könnte. d) Recht s fehl er frei hat das Berufungsgericht schließlich den Mitschuldeinwand für unbegründet gehalten„ Auch soweit die Revision zu bedenken gibt, daß die Klägerin auf die Auskunft des Vereins Greditreform über die N^P~ vertraut und bei Vertragsabschluß sofort 35» 000 DM gezahlt hat, ist ein Verschulden nicht ersichtlich; daß sie das Risiko, das ihr zu dem Schaden geworden ist, bewußt übernommen hätte, trifft nach dem vom Berufungsgericht festgestellten Sachverhalt nicht zu; aus ihm ergibt sich auch nichts für die Annahme, daß sie es trotz der unterbliebenen Belehrung durch den NbtarVertreter hätte erkennen müssen.