BGH · VI ZR 150/60
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Für die Verjährung des Rückgriffsansprüche der Berufsgenossen-ochaft ist es gleichgültig, oh und wann ein Strafurteil gegen den Beklagten ergangen ist} die Verjährung bestimmt sich allein nach § 907 Abs. 1 Satz 2 RVO. - Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Br, den Schachtmeister Kurt Sc hat der VI, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 25o April 1961 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Pr. Engels und der Bundesrichter Pr, K«E, Meyer, Hanebeck, Pr. Hauß und Pr, Pfretzschner für Recht erkannt: Pie Sprungrevision der Klägerin gegen das Urteil der 3* Zivilkammer des Landgerichts Verden (Aller) vom 11, Mai 1960 wird zurückgewiesen. ausführte, stürzte eine Grabenböschung ein und begrub den Vorarbeiter Gafl^ unter sich» Br starb auf dem Wege ins Krankenhaus* Ber Beklagte, der als Schachtmeister im Dienste der Baufirma die Arbeiten zu beaufsichtigen hatte, v/urde durch Urteil des Landgerichts Verden vom 21, Juli 1959 (6 KMs 4/59) wegen fahrlässiger Tötung zu Gefängnisstrafe verurteilt. Rach § 907 RVO verjähren die Rückgriffsansprüche gegen Unternehmer oder ihnen nach § 899 RVO Gleichgestellte in 18 Monaten nach dem Tage, an dem das gegen sie ergangene strafgerichtliche Urteil rechtskräftig geworden ist, und in den Fällen, in denen kein Strafgerichtliehes Urteil erforderlich ist, in einem Jahr nach der ersten rechtskräftigen Feststellung der Entschädigungspflicht der Genossenschaft, spätestens in fünf Jahren nach dem Unfall« Da es sich im vorliegenden Falle um den Rückgriffsanspruch einer Berufsgenossenschaft gegen einen den Unternehmern nach § 899 RVO Gleichgestellten handelt und für die Geltendmachung eines solchen Anspruchs nach § 903 Abs« 4 RVO abweichend von der Regelndes § 903 Abs. 1 RVO kein Strafgericht liehe s Urteil erforderlich ist, kommt es nach Ansicht des Landgerichts für die Frage der Verjährung nicht auf das gegen den Beklagten ausgesprochene Strafurteil, sondern allein auf den Bescheid der Klägerin vom 23« Dezember 1958 an, in dem ihre Entschädigungs- Da die Klägerin gegen den Beklagten den Rückgriffsanspruch nach § 903 Abs. 1 RVO geltend mache, komme ihr die noch nicht abgelaufene längere Verjährung von 18 Monaten nach Eintritt der Rechtskraft des Strafurteils zugute. Obwohl die Berufsgenossenschaft nach § 903 Abs.4 RVO gegen den Unternehmer oder Gleichgestellten Rückgriff nehmen kann, ohne daß dessen vorsätzliche oder qualifiziert fahrlässige Schuld an der Herbeiführung des Urteils strafgerichtlich festgestellt zu sein braucht, ist es allerdings nicht ohne Bedeutung, wenn eine solche Reststellung vorliegt. Während früher die straf gerichtliche Feststellung die einzige Tatsache war, von deren Vorhandensein der Ersatzanspruch abhing (RGZ 62, 340, 343), lag es nun freilich der klagenden Berufsgenossenschaft ob, im Rückgriffsprozeß den Beweis dafür zu führen, daß der Beklagte den Unfall durch vorsätzliches oder qualifiziert fahrlässiges Verhalten strafrechtlich zu verantworten hatte (RGZ 69, 340, 345) • Die gesetzliche Neuerung hat der Berufsgenossenschaft aber nicht etwa die Möglichkeit genommen, sich zur Begründung ihres Rückgriffsansprüche auf ein strafgerichtliches Urteil zu berufen, wenn gegen den Beklagten ein solches Urteil mit entsprechenden Feststellungen ergangen war. Richtig ist also, daß die Klägerin auf zweierlei Weise den Rückgriffsanspruch gegen den Beklagten verfolgen konnte: Nach § 903 Abs.4 RVO unter unmittelbarem Nachweis der strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Beklagten oder nach § 903 Abs. 1 RVO unter Berufung auf das strafgerichtliche Urteil. Der Unterschied besteht nur darin, daß die Berufsgenossenschaft im Palle des § 903 Abs.4 EVO nach den allgemeinen prozeß-rechtlichen Grundsätzen den Nachweis der strafbaren Schuld des Beklagten führen muß, während sie eines weiteren Nachweises in dieser Hinsicht enthoben ist, wenn sie sich nach § 903 Abs. 1 EVO auf strafgerichtliche Feststellungen berufen kann, die in einem gegen den Beklagten ergangenen Strafurteil getroffen worden sind. Mochte es nach dem Recht des Gewerbeunfallgesetzes von 1884 für den Rückgriffsanspruch der Berufsgenossenschaft eine materiellrechtliche Grundlage gewesen sein, daß ein Strafgerichtliches Urteil mit den einschlägigen Feststellungen gegen den Unternehmer oder Gleichgestellten vorlag, so hat ein solches Urtail heuoe nur noch prozeßerleichternde Bedeutung. Per eine und selbe Rückgriffsanspruch kann nicht verschieden verjähren, je nachdem ob ein Strafurteil ergangen ist oder nicht und die Berufsgenossenschaft sich auf ein Strafurteil beruft oder ohne ein solches Urteil den Anspruch . Folgerichtig durchgeführt würde sie überdies zu dem unhaltbaren Ergebnis führen,.daß eine Berufsgenossenschaft, die den Rückgriffsanspruch erst später als ein Jahr nach der bindenden Feststellung ihrer Entschädigungspflicht erhoben hat und mit ihm wegen Verjährung abgewiesen worden ist, den Anspruch in einer erneuten Klage trotzdem zu dem Erfolg führen könnte, wenn sie es nur erreichte, daß der Beklagte noch zu Strafe verurteilt wird. Pa für den Rückgriffsanspruch der Berufsgenossenschaft kein strafgerichtliches Urteil erforderlich ist, verjährt er nach § 907 Abs. 1 Satz 2 RVO vielmehr in jedem Falle in einem Jahr nach der ersten rechtskräftigen -(im Sinne des jetzigen Sozialgerichtsgesetzes; "bindenden11) Feststellung der Entschädigungspflicht der Genossenschaft, spätestens aber in fünf Jahren nach dem Unfall (so auch Stiegler, Pie Ersatzansprüche auf Grund §§ 903, 904 und 1542 RVO S.