BGH · VI ZR 150/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
November 1956 mitgeteilt wurde, hat die Klägerin unter ausdrücklicher Bezugnahme auf § 119 Abs. 2 ZPO die Bewilligung des notwendigen Armenrechts'erbeten, das ihr auch am 9' November 1956 bewilligt worden ist. Der Anwalt des Beklagten hat durch einen Schriftsatz vom Io. November 1956, der am 12. Zur ßagrhtidixng dieses Antrages bezog sieh der Beklagte auf einen Paralellprozeß, in dem angeblich festgestellt worden sei, daß der Beklagte nur im Rahmen der Gefährdungshaftung für die Folgen des Unfalls aufzukommen habe-« Hinsichtlich des Feststellungsantrags, über den in dem lanögericlitlichen Urteil überhaupt nicht entschieden war, führte der Beklagte aus, es fehle an einem Rechtsschutzbedürfnis. hat der Anwalt des Beklagten beantragt, den Schriftsatz vom io, November als Berufungsbegründung zu behandeln. ist beantragt worden» gegen die Versäumung der ßerufungsbegründungsfrist die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren» Die den Fristenkalender führende BUroangestellte des Anwalts des Beklagten sei der irrigen Ansicht gewesen» der Schriftsatz zu dem Armenrecht stelle die Berufungsbegründung dar« Sie habe deshalb die an sich angeordnete und vorgemerkte Vorlage der Akten in der Berufungsfrist unterlassen« Der Schriftsatz des Beklagten vom Io« November 1956 kann nicht als BerufungsbegrUndung bezeichnet werden« Er ist zunächst rein äusserlich und insbesondere wegen des besonders gekennzeichneten Antrags nicht als Berufungsbegründung anzusprechen» Gewiß hat die Revision recht, November 1956 eihen Schriftsatz der Klägerin erhalten hatte, in dem diese um das Armenrecht für die Berufungsinstanz nachgesucht hattef ist nicht zu verkennen, daß der Schriftsatz vom 12* November nur den Zweck hatte, sich gegen die Bewilligung des Armenrechts zu wenden Freilich hatte der Schriftsatz der Klägerin auch schon deren Berufungsantrag auf Zurückweisung der Berufung des Beklagten enthaltene Aber hiermit befaßt sich der Schriftsatz vom 12* November nicht«, Nun ist allerdings die Besonderheit gegeben, daß nicht klar erkennbar ist, welche Aufgaben der Schriftsatz eigentlich nach der Prozeßordnung erfüllen sollte* Die Klägerin hatte im ersten Hechtszug obgesiegt* Sie war arm und hatte schon im ersten Hechtszug das Armenrecht gehabt«. Die vom Anwalt des Beklagten behandelte Frage, ob für die Klägerin Erfolgsaussichten bestünden, war zur Frage der Armenrechtsbewilligung auf Grund des § 119 Abs, 2 Satz 2 ZPO, auf den die Klägerin in ihrem Schriftsatz Bezug genommen hatte, nicht entscheidend» Auf diesen Umstand kommt es aber nicht an» las der Beklagte, wenn auch irrigerweise, erstrebte, war, wie der Wortlaut ergibt, die Nachprüfung der ^rfolgsaussichten der Klage durch das Berufungsgericht schon im Armenrechtsverfahren* Es ist aber unzulässig, einen Antrag zu dem Armenrecht, der wie das Berufungsgericht zutreffend erkannt hat, lediglich als solcher gewollt war, in eine ganz andere Prozeßhandlung umzudeuten oder wie es in dem Schriftsatz des Beklagten vom 5. 176), sofern dieser Schriftsatz nicht auch erkennbarerweise eine BerufuhgsbegrUndung darstellen soll* Für einen prozessualen Akt ist erforderlich, da3 einmal der wirkliche Wille zur Vornahme dieses Aktes vorliegt und weiter, da3 er klar und unmittelbar nach dem Wortlaut der FrozeVerklärung zu dem Ausdruck kommt (BGH IM ZPO § 233 Er, 21, 5 519 3r. Eine gelegentlich von der Rechtsprechung als ausreichend zugelassene stillschweigende Bezugnahme auf einen früheren Schriftsatz, durch die also etwa der Inhalt eines Armenrechtsgesuches zu dem Inhalt der 3erufungsschrift und damit zur Berufungsbegründung gemacht worden ist (etv/a BGH LR EheGes } 48 Abs. 2 Nr. 14 oder ZPO § 219 Er. 6), kommt im vorliegenden Fall nicht in Betracht. "Ein Schriftsatz, der nach Einlegung der Berufung innerhalb der Begründungsfrist vom Berufungskläger im Anschluß an sein Armenrechtsgesuch und zu dessen Begründung eingereicht wird und inhaltlich den Erfordernissen einer Berufungsbegründung genügt, kann als Berufungsbegründung betrachtet werden, auch wenn er nicht besonders zu dem Ausdruck bringt, daß sein Inhalt nicht nur zur Begründung des Armenrechtsgesuchs9 sondern auch zur Rechtfertigung der Berufung dienen soll"« Aber dem kann keinesfalls hier gefolgt werden* Hier handelt es sich darum, daß nicht etwa der Berufungsklüger das Armenrecht erstrebte, sondern die Berufungsbeklagte* Y/enn es auch, was hier dahingestellt bleiben kann, vielleicht möglich ist, eine Begründung eines Armenrechtsgesuches des BerufuagsklÜgers als unmittelbare zusätzliche Förderung des erstrebten Berufungszieles und deshalb als Berufungsbegründung anzusehen, so kann das nicht gelten von einem Schriftsatz, in dem nur die Versagung des Armenrechts für den Gegner erbeten wird* Auch ein solcher .Schriftsatz mag zwar, wie jede Handlung gegenüber der gegnerischen Partei, mittelbar dem eigenen Prozeßziel dienen* Aber sie hat nicht den vom Gesetzgeber für die Berufungsbegründung verlangten Inhaltj nämlich die unmittelbare Förderung des eigenen Bei’uf ungsantrags. Entgegen den Ausführungen der Revision hat das Berufungsgericht auch den Schriftsatz vom 12* Hovember zutreffend ausgelegt, ohne daß dem rechtliche Bedenken entgegenstehen* Eine Aufspaltung in einen Teil, der sich nur mit dem Armenrechtsgesuch der Beklagten befaßt, und . Daß der Wille zur Berufungsbegründung nicht vorlag, ergibt sich zudem eindeutig aus dem späteren Schriftsatz des Beklagten vom 5 Dezember 1956, in dem sein Anwalt bat, den vorherigen Schriftsatz als Berufungsbegründung zu behandeln und in dem weiter zur Begründung des gleichzeitigen Wiedereinsetzungsantrages darauf verwiesen ist, daß die bearbeitende ßanzleiangestellte den Schriftsatz vom 12. IIc Dagegen erschien es entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts angebracht, dem Beklagten gegen diese Versäumung die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren.