BGH · VI ZR 146/60 vom 14.03.1961
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Schmerzensgeldanspruch wird nicht schon mit Einreichung der Klageschrift bei Gericht, sondern erst mit ihrer Zustel^-lung an den Beklagten rechtshängig und damit vererbliche Recht sanv/alt hat der VI* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom Ho März 1961 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br. Engels und der Bundesrichter Br. K.E.Meyer, Hanebeck, Br, Hauß und Br, Pfretzschner für Recht erkannt: Auf die Revision dos Beklagten wird das Urteil des 5» Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Frankfurt (Main) vom 14, Juni I960 aufgehoben. Tatbestand Der Ehemann der Klägerin, Wilhelm Afllpk, wurde am 16« September 1958 vom Beklagten, der ein Kraftrad steuerte, angefahren und schwer verletzte Am 18» September 1958 reichte der erstinstanzliche Prozeßbevollmächtigte namens des aBB eine Schadensersatzklage beim Landgericht ein, mit der u.a, ein angemessenes Schmerzensgeld gefordert wurde. Das Landgericht hat durch Teilund Grundurteil die Ansprüche auf Zahlung eines Schmerzensgeldes und auf Ersatz des Sachschadens zur Hälfte dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt. Die Regelung des § 847 Abs» 1 Satz 2 BGB, die die Übertragbarkeit und Vererblichkeit des Schmerzensgeldanspruchs grundsätzlich ausschließt, ist aus dem persönlichen Charakter dieses Anspruchs zu verstehen. Soweit der Schmerzensgeldan-spruch einen Ausgleich bezweckt, erstreckt sich der Ausgleich auf in Geld nicht meßbare persönliche Güter, soweit mit dem Anspruch eine gewisse Genugtuung erreicht werden soll, wird an die durch den Schadensfall hervorgerufenen persönlichen Beziehungen zwischen Schädiger und Geschädigtem angeknüpft (GSZ in BGHZ 18, 149)*» Beide Punktionen erfordern es nach dem Standpunkt des Gesetzgebers, daß der Anspruch grundsätzlich in der Hand des Betroffenen verbleibt» Nur wenn der Anspruch vertraglich anerkannt oder rechtshängig geworden ist, soll er wie eine andere Geldforderung als Aktivposten dem Vermögen des Betroffenen als übertragbarer und vererblicher Vermögensbestandteil zugerechnet werden, dann aber auch dem Zugriff der Zwangs-Vollstreckung unterliegen (§ 851 ZPO, § 1 K0)o Gemäß § 263 Abs» 1 ZPO in Verbindung mit § 253 Abs» 1 ZPO wird die Rechtshängigkeit einer Streitsache durch Zustellung der Klageschrift begi’ündet» Auch § 267 ZPO weist darauf hin, daß dieser Zeitpunkt im allgemeinen für die sachlich-rechtliche Wirkung der Klageerhebung entscheidend ist» Nach dem Wortlaut des § 847 Abs. 1 Satz 2 BGB sollte ein Zweifel nicht möglich sein, daß die Rechtshängigkeit im Sinne des feststehenden verfahrensrechtlichen Begriffs zu verstehen ist, so daß der Anspruch erst mit der Zustellung der Klageschrift an den Beklagten übertragbar und vererblich wird» Wenn die Zivilprozeßordnung ausnahmsweise sachlich-rechtliche Wirkungen der Klageerhebung auf den Zeitpunkt der Einreichung der Klageschrift beim Gericht zurück- Es kann aber auch nicht eingeräumt werden, daß der Sinn des § 847 Abs» 1 Satz 2 BOB eine Auslegung erfordert, die den Zeitpunkt der Einreichung der Klageschrift beim Gericht entscheidend sein läßt« Gewiß will § 847 Abs« 1 Satz 2 BGB es dem Erben verwehren, ein Schmerzensgeld zu fordern, dessen Geltendmachung vielleicht gar nicht in der Absicht des Erblassers lag (Motive zu dem Entwurf eines BGB Bd« II So 802). Angesichts des Standpunktes unserer Rechtsordnung, die den höchstpersönlichen Charakter des Schmerzensgeldanspruchs besonders betont, muß auch verneint werden, daß ein dringendes Bedürfnis dafür besteht, die Übertragbarkeit und Vererblichkeit des Anspruchs weiter zu erleichtern, als es der Wortlaut des Gesetzes vorschreibt* Die Streitfrage gewinnt in der Regel Bedeutung, wenn der Betroffene alsbald nach dem Schadensereignis stirbt* Ra unser Recht einen eigenen Schmerzensgeldanspruch der Angehörigen grundsätzlich ausschließt, stehen in diesem Palle zu demeist nur Forderungen von relativ geringer Höhe im Streit* Von der Möglichkeit, auf eine baldige Zustellung der Klage hinzuwirken, ist auch eine arme Partei nicht ausgeschlossen (vgl* § 111 Abs* 4 GKG)* sätzlich nur dem Betroffenen persönlich ein Schmerzensgeld zu-kommen lassen will«, Ein Vorziehen des maßgeblichen Zeitpunktes würde im übrigen auch die frühe Zugriffsmöglichkeit der Zwangsvollstreckung zur Folge haben, an der dem Gläubiger nicht gelegen sein wirdo Der Senat schließt sich daher der Auffassung an, die § 847 Abs« 1 Satz 2 BGB seinem Wortlaut entsprechend dahin versteht, daß der Schmerzensgeldanspruch erst dann vererblich ist, wenn er im verfahrensrechtlichen Sinn rechtshängig gemacht wurde (so auch Stein/Jonas ZPOKomm 18« Aufl« §§ 267 II 5, 496 Amu«, IV 5; Rosenberg aaO § 72 I 1, § 97 III 2- BGB RGRIC 11« Aufl« § 847 Ann. 11; Wussow, Unfallhaftpflichtrecht 6o Aufl« TZ 923; Hofmann, VersR 1958, 434; a„M.