BGH · VI ZR 128/61 vom 06.03.1962
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- Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Br. aat der VI« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die münd-Liehe Verhandlung vom 6« März 1962 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br. Engels und der Bundesrichter Hanebeck, )r« Bode, Br« Hauß und Br« Pfretzschner für Recht erkannt: Als am 3« Oktober 1951 gegen 20»45 Uhr der Bergmann Max TflBBin auf der rechten Seite der in völliger Dunkelheit liegenden gehweglosen Habinghorster Straße zur Zeche ging, wurde er von dem Beklagten, der auf seinem Motorrad mit abgeblendetem Scheinwerfer in gleicher Richtung hinter ihm herankam, angefahren und schwer verletzt o Er trug einen Schädelbasisbruch mit Gehirnschädigung davon und ist nicht wieder berufsfähig geworden«, Neben der Straße mit ihrer 9 m breiten asphaltierten Fahrbahn befand sich nur ein unbefestigter Seitenstreifen» Dieser war auch nur 75 cm breit und verlief neben einem Graben» Zudem herrschte völlige Dunkelheit» Mit Recht ist das Berufungsgericht der Ansicht, daß der Verunglückte unter diesen Umständen seinen Weg nicht auf dem Seitenstreifen zu suchen brauchte» Er durfte nach § 57 StVO die Fahrbahn benutzen» Wenn nach den Feststellungen des Berufungsgerichts die vom Beklagten hinterlassenen Fahrspuren auch in einem Abstand von 1 ,65 m vom Rand der befestigten Fahrbahn ‘verlaufen sind, so hat das Berufungsgericht doch keine Anhaltspunkte dafür feststellen können, daß sich der Verunglückte etwa nicht scharf rechts auf der befestigten Fahrbahn gehalten hätte» Die Revision sieht ein mitwirkendes Verschulden des Verunglückten denn auch nur darin, daß er sich auf das Geräusch und den Lichtschein des herannahenden Motorrades hin nicht nach diesem umgesehen hat und zur Seite getreten ist. werden, daß er bei Nacht, sobald ein Kraftfahrzeug herankommt, die Fahrbahn verläßt und das Vorbeifahren abwarteto Y/ie weit er auf den Fahrzeugverkehr Rücksicht zu nehmen hat, hängt von den Umständen des einzelnen Falles ab, vor allem von der Breite der Straße, den sonstigen örtlichen Verhältnissen und der jeweiligen Verkehrslage (Urteil des erkennenden Senats vom 3« Dezember 1955 - VI ZR 12/55, 758)o Daß der Senat in der von der Revision angezogenen Entscheidung vom 16« Dezember 1953 (VI ZR 87/52, VersR 1954» 96 * IM Nr« 6 zu § 1 StVO - VRS 6, 87) ein mitwirkendes Verschulden der beiden Fußgänger bejaht hat, die auf der rechten Seite der Fahrbahn nebeneinander gingen und dort von einem Kraftwagen angefahren wurden, kann bei der ganz anders gearteten Sachlage nicht als Richtschnur für die Beurteilung des vorliegenden Falles dienen. Damals hat sich der Unfall auf dem Fahrdamm einer mit Gehweg versehenen, spärlich beleuchteten LandstadtStraße ereignet und Fußgänger betroffen, die in ihrer dunklen Kleidung bei der herrschenden Dunkelheit und regnerischen stürmischen Witterung schwer erkennbar waren« Die Habinghorster Straße, auf der sich hier der Unfall zugetragen hat, ist aber eine gehweglose breite Straße gewesen, die nach den Feststellungen des Berufungsgerichts gerade und übersichtlich verlief und nach den vom Beklagten überreichten Lichtbildern durch völlig, freies Gelände führte. glückte darauf vertrauen durfte, von herannahenden Kraftfahrern im Lichte ihrer Scheinwerfer rechtzeitig bemerkt zu werden, zu demal nach den Feststellungen des Berufungsgerichts kein Gegenverkehr stattfand und es daher nicht in Betracht kam, daß Lichter des Gegenverkehrs einen Kraftfah-ror, der in der Gehrichtung des Verunglückten herankam, hätten stören können* Die Straße bot mit ihrer Fahrbahnbreite von 9 m auch einen so großen Baum, daß ein Kraftfahrer bei dem Fehlen jeden Gegenverkehrs an dem rechtzeitig wahrgenommenen Fußgänger vorbeifahren konnte, ohne daß dieser Besorgnisse zu hegen brauchte. Auch ein Fußgänger, der sich mit der Sorgfalt eines ordentlichen und verständigen Menschen vor eigenem Schaden zu bewahren sucht, hätte sich daher nicht veranlaßt zu sehen brauchen, sich nach dem herannahenden Motorrad des Beklagten umzusehen und vor ihm auf die Seite zu treten.