BGH · VI ZR 126/57
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Beklagte hat um Abweisung der Klage gebeten» Sie ist der Ansicht, daß der Kaufvertrag mit ihr abgeschlossen sei Allenfalls habe die Ansprüche aus dem Kaufvertrag an sie abgetreten« BiflHHfc habe die von ihr erhaltenen 45 500 RM an die Klägerin weitergeleitet, die also den vollen Kaufpreis erhalten habe» Für die Zeit kurz vor dem Zusammenbruch sei ein Ostenvermerk auf den Köper-Bedarfsscheinen nicht mehr erforderlich gewesen« Den Wirtschaftsbehörden sei es damals nur darauf angekommen, daß möglichst viel Ware noch ins Reichsgebiet geliefert werde» Der Angestellte habe sich nach besten Kräften um eine Verlagerung der Ware bemüht und Zur ‘Begründung des Wertersatzanspruchs hat der Kläger * vorgetragen, die Beklagte habe durch Veräusserung der von den Plünderern zurückgegebenen Köperstoffe schuldhaft ihr damals noch bestehendes Eigentum verletzt* Ausserdem habe auf Weisung der Beklagten der mit dem Kläger .getroffenen Verlage- Der Kläger habe Pape gegenüber betont, daß die Ware ‘ bei der Verlagerung zu seiner Verfügung bleiben müsse« F|D sei daher nicht befugt gewesen, die von den Plünderern zurückgegebenen, noch dem Kläger gehörenden Stoffe durch die Firma verkaufen zu lassen« Durch sein der Verlage- ' rungsabmachung widersprechendes Verhalten habe P(p| schuldhaft das Eigentum des Klägers verletzt, das durch gutgläubigen Erwerb der Stoffkäufer untergegangen sei« Die Beklagte, die weitgehende Vollmachten erteilt und den erzielten Erlös entgegengenommen habe, müsse für die Folgen der unerlaubten Handlung (§ 823 Abs» 1 BGB) einstehen« Ob die Beklagte auch wegen Verletzung der Pflichten des Verlagerungsvertrages aus § 278 BGB hafte, brauchte nicht entschieden zu werden, da dieser Haftungsgrund keine weitergehenden Ansprüche gewähre« Darauf, ob ein wirksamer Kaufvertrag Uber die Köperstoffe abgeschlossen sei, komme es nicht an» Ein Kaufvertrag habe der Beklagten nur einen * notfalls mit gerichtlicher Hilfe durchzüsetzenden - Anspruch auf Eigentumsbeschaffung gegeben, ändere aber nichts an der schuldhaften Eigentumsverletzung« Die Firma CHflBl würde sich durch eine Herausgabe der Stoffe sogar nach der Kriegswirtschaftsverordnung strafbar gemacht haben, ein Vertrag über die Abgabe der Stoffe an den Kläger wäre nichtig gewesen« Gehe man aber entgegen dieser Ansicht davon aus, der Kläger wäre in legaler Weise tatsächlich wieder in den Besitz seiner Stoffe gekommen, so sei zu berücksichtigen, daß der Kläger die Stoffe gegen Reichs--* markzahlung dem allgemeinen Verbrauch habe zuführen müssen« Da der Kläger kein Textilunternehmen mehr gehabt habe, sei er nicht in der Lage gewesen, auf einem gesetzlich zulässigen Weg mit den erhaltenen Reichsmarkbeträgen neue Ware zu kaufen und sich damit den Sachwert zu erhalten« Höchstens unter Umgehung der Wirtschaftsbestimmungen, also auf verbotswidrige Weise, habe der Kläger als Privatmann einen die Währungsumstellung überdauernden Sachwert retten können« Da der Kläger nicht mehr erhalten dürfe * als er ohne das von der Beklagten zu vertretende Ereignis auf rechtlich einwandfreiem Weg gehabt haben würde, stehe dem Kläger nur ein Anspruch auf Zahlung des Geldwertes der Ware in Höhe von 7748 EM zu, der auf 774,80 DM umgestellt worden sei« Diesem Anspruch stehe ein Gegenanspruch der Beklagten auf Rückzahlung des auf den Kaufabschluß geleisteten Geldbetrages aus ungerechtfertigter Bereicherung gegenüber. Bas Berufungsgericht hat aber in sachlich-rechtlicher Hinsicht die Rechtslage verkannt« Unrichtig ist die Auffassung des Berufungsgerichts, die Birma habe aus Gründen des jkriegswirtschaftsrechts die von den Plünderern zurückgegebene Ware nicht demjenigen aushändigen dürfen, dem sie gehörte und der sie überdies hergestellt hatte» Daß der Fabrikant und rechtmäßige Eigentümer bewirtschafteter Erzeugnisse nicht einer besonderen Bezugsberechtigung bedarf, um seine Ware nach einer durch die Räumung des besetzten Gebietes bedingten Verlagerung wieder in seine Verfügungsgewalt zu bekommen, ist so selbstverständlich, daß dieser Fall in den Wirtschaftsgesetaen, die die unbefugte Abgabe bewirtschafteter Waren unter Strafe stellten, nicht besonders hervorgehoben zu werden brauchte» Die Firma hätte sich weder eines Verstosses gegen die Verbrauchsregelungs-Straf-verordnung noch eines Verstosses gegen die KriegswirtSchafts-Verordnung schuldig gemacht, wenn sie die nur durch eine Verlagerung in ihren Besitz gekommenen Erzeugnisse dem Eigentümer zurückgegeben hätte» In diesem Falle hätte nur der Kläger die Verantwortung““dafür getragen, daß die von ihm hergestellten Erzeugnisse gemäß den Wirtschaftsbestimmungen dem Handel oder Verbrauch zugeführt wurden. Aber auch die Hilfsbegründung, die das Berufungsgericht für seine Ansicht über die Bemessung des Schadensersatzanspruchs auf einen Reichsmarkbetrag gibt, hält einer rechtlichen Prüfung nicht stand0 Zunächst ist nicht ausreichend dargelegt, weshalb der Kläger als Vertriebener nicht in der Lage gewesen wäre, eine Handelserlaubnis zu bekommen und mit einem immerhin nicht unerheblichen Bestand von wertvoller Ware aus seinem Fabrikationsbetrieb eine legale Existenz im Y/irt-schaftsleben zu begründen« Eines näheren Eingehens auf die Darlegungen des Berufungsgerichts zu diesem Punkte und ihre Vereinbarkeit mit der Lebenserfahrung bedarf es nicht« Denn schon der Ausgangspunkt dieser Erwägungen ist rechtlich fehlerhaft« Wird mit dem Berufungsgericht unterstellt, der Kläger würde ohne die unerlaubte Handlung des P^Rl wieder in den Besitz der Ware gekommen sein, so konnte der Kläger verlangen, daß im Rahmen des Möglichen Haturalrestitution geleistet-wurde (§§ 249, 251 Abs« 1 BGB)* Der Kläger hatte daher in diesem Falle einen Anspruch auf Lieferung gleichwertiger Gattungs-und Handelsware, solang? deren Beschaffung der Beklagten möglich war (RGZ 93, 281 ^847; 106, 86; RG JW 1925, 476 und JW 1926, 1541)o Was der Kläger mit dieser Y/are im Falle der Besitzerlangung gemacht hätte, ging die Beklagte nichts an (vgl« RGZ 103, 40 119, 152 ^Sj)* Ihre Pflicht zur Leistung von Haturalherstellung wurde insbesondere nicht durch die Einschränkungen berührt, die für den Kläger bei der Verwertung der Ware und seiner weiteren wirtschaftlichen Betätigung bestanden» Keinesfalls läßt sich aus der vom Berufungsgericht geschätzten weiteren Entwicklung der Dinge ein Recht des Schädigers ableiten, die Wiederherstellung in Natur oder die Lieferung gleichwertiger Gattungsware zu verweigern (RG JW 1926, 1541)o Daher würde ein Anspruch des Klägers auf Lieferung gleichwertiger Waren die Währungsumstellung überdauert haben« Io Die Beklagte hatte vorgetragen, der Kläger selbst habe keine Möglichkeit gehabt, Jemals wieder in den Besitz und Genuß der Stoffe zu kommeno Wären die Stoffe damals nicht rasch dem Verkauf zugeführt worden, so würden sie mit Gewißheit von den Hussen oder den örtliohen Wirtschaftsbehörden nach der Besetzung beschlagnahmt worden sein« Der damals schon in der Westzone lebende Kläger habe auf keinen Fall die Stoffe in den Westen schaffen oder sie auch nur in Sachsen auf eigene Rechnung verkaufen können» Das Berufungsgericht ist hierauf nicht eingegangen» Es erscheint immerhin als nicht gerade fernliegend, daß die Verhältnisse so waren, wie sie die Beklagte darstellt» In diesem Falle hätte das - wenn auch vielleicht dem Kläger gegenüber eigenmächtige -Handeln des Bflp dazu geführt, daß dem Kläger zwar das Eigentum entzogen werde, ihm aber wenigstens der Geldwert der Sachen erhalten blieb, da er von der Beklagten Herausgabe des erzielten Erlöses verlangen (§ 687 Abs» 2 in Verbindung mit §§ 681 und 667 BGB) oder seine Bereicherungsschuld gegenüber der Beklagten durch Aufrechnung mit seiner Forderung tilgen konnte» Das wäre ein unmittelbar aus dem Handeln des ei-wachsener Vorteil gewesen, wenn unterstellt wird, daß ohne den Verkauf Jede Möglichkeit gesperrt gewesen wäre, aus der in Sachsen noch lagernden Ware Hutzen zu ziehen» Das Re-visionsgerioht ist nicht in der Lage, die entscheidenden tatsächlichen Verhältnisse selbst zu würdigen und zu diesem Punkt eigene Feststellungen zu treffene Vielmehr wird diese Würdigung5 falls es auf sie ankommt, vom Tatrichter vorgenommen werden mUsseno In rechtlicher Hinsicht sei jedoch bemerkt, daß ein Anspruch auf Lieferung von Stoffen, wie sie den entzogenen gleichwertig waren, dann ausscheidet, wenn zur Überzeugung des Tatrichters feststeht, daß für den Kläger unabhängig von dem Handeln des Pflfr in angesichts der Verhältnisse des Zusammenbruchs keine Möglichkeit bestanden hätte, wieder in den Besitz der Stoffe zu kommen» und war eine schnelle Entschließung erforderlich, so brauch-' te sich BQ^ möglicherweise des Einverständnisses des Auftraggebers nicht erst zu versichern (§ 665 Satz 2 BGB)« Lagen die Voraussetzungen des § 665 BGB vor, so wurde ein Schadensersatzanspruch sowohl aus Delikt wie aus Vertrag selbst dann entfallen, wenn eine nachträgliche Würdigung Zweifel offen lassen sollte, ob nicht den Interessen des Klägers besser dadurch gedient hätte, daß er die Ware bei der Firma ließ oder einen Transport zu dem Westen versuchte, Auch in dieser Richtung fehlt jede tatrichterliche Y/ürdigung, obwohl diese gerade vom Standpunkt des Berufungsgerichts erforderlich gewesen wäre« Ein Schaden des Klägers wäre nämlich auch dann nicht entstanden, wenn aus dem Kaufvertrag ein Anspruch der Beklagten auf Lieferung von Köperstoffen bestanden hätte» Auch wenn der Kaufvertrag mit Bi^HH^ abgeschlossen sein sollte, so lag die Annahme doch nur nahe, daß Bi^BHk soweit er Zahlung auf den Kaufpreis von der Beklagten erhalten und an den Kläger weitergeleitet hatte, seine Lieferungsansprüche an die Beklagte abgetreten hat, auf deren Nsmen der Kläger auch die Rechnung ausge- ‘folgtep wie dem Kläger bekannt war* Auf eine solche Abtretung, die aus dem Schriftwechsel und den Umständen entnommen werden konnte, hatte sich übrigens die Beklagte wiederholt bezogen« Die Verpflichtung des Klägers zur Lieferung der Waren, die der Gattung nach bestimmt waren, blieb zu dem mindesten in dem Umfang bestehen, als der Kläger über»- solche Waren noch verfügte und als bereits Zahlung geleistet war (vgl« Erman BGB-Kommentar 2« Aufl« Anm« 5 zu § 2Y5)« Hat aber die Beklagte - wenn auch durch eigenmächtige Handlungsweise des Pape - nur eine Warenmenge erhalten, auf deren Lieferung ein fälliger Anspruch bestand, so ist dem Kläger, der entsprechend dem erhaltenen Anteil von seiner Lieferungspflicht aus dem Kaufvertrag befreit worden ist, kein Schaden entstanden« Das Berufungsgericht verkennt, daß der Schadensersatz nicht losgelöst von den vertraglichen Beziehungen der Parteien bemessen werden kann« Mit der Erwägung, daß die Beklagte ihren Lieferungsanspruch im Klagewege habe durchsetzen müssen, ist noch kein Schaden des Klägers dar-getan« Dieser kann sich angesichts einer bestehenden vertraglichen Verpflichtung zur Lieferung nicht darauf berufen, daß er nach dem Zusammenbruch mit der ihm verbliebenen Ware wirtschaftlich vorteilhaftere Geschäfte habe machen können« vom 1© April 1944 §§ 43, 44, abgedruckt im Deutschen Reichs-und Preussischen Staatsanzeiger vom 30©April 1944 Nr© 85) und oh nicht das Erfordernis der Beibringung des Ostenver-merks mit der Räumung des Warthelandes entfiel© Das Berufungsgericht ist ferner nicht dem Vorbringen des Klägers nachgegangen, daß gemäß der im Deutschen Reichst.und Preussischen Staatsanzeiger vom 5© Dezember 1944 Hr©’ 271 veröffentlichten Anordnung Nr© 3 des Reichsbeaufbragten für Kleidung und verwandte Gebiete eine besondere, von der Beklagten nicht beigebrachte FreigabeVerfügung des Reichsbeauftragten Voraussetzung der Gültigkeit des Kaufvertrages gewesen sei© Auch in diesem Punkt ist das Revisionsgericht zu einer eigenen Entscheidung nicht in der Lage, da es an jeder Erörterung des Berufungsgerichts fehlt und es möglicherweise auf die Beweisantritte der Parteien über die damalige Handhabung der Bewirtschaftungsbestimmungen und der FreigabeVerfügungen im Wartheland ankommen könnte© ln diesem Zusammenhang könnte es auch von Bedeutung sein, daß die Beklagte die ihr.zur Beibringung des Ostenvermerks übersandten Bezugsscheine offenbar nicht zurückgesandt und dadurch vielleicht die Möglichkeit erhalten hat, die Bezugsrechte anderweitig auszunutzen© In der Revisionsinstanz muß daher entgegen der Ansicht der Beklagten unterstellt werden, daß der Kaufvertrag wegen Verstosses gegen die Verordnung über den Warenverkehr in der Passung vom 11© Dezember 1942 RGBl I, 686 nichtig war »vgl© auch § 3 der Verordnung über die Wirkungen der Beschlagnahme zur Regelung des Warenverkehrs vom 4© März 1940 - RGBl I, 551)© 4» Dann ist aber, wenn nicht aus den Erwägungen zu III 1© und 2© ein Schadensersatzanspruch auf Lieferung von Waren entfällt, davon auszugehen, daß sich vor dem Stichtag der Währungsumstellung Ansprüche gegenüberstanden, die Wie sich aus den vorhergehenden Ausführungen ergibt, kann die klageabweisende Entscheidung weder aus den vom Berufungsgericht angeführten Gründen noch auch - angesichts der unzureichenden tatriohterlichen Würdigung - aus einem anderen Rechtsgrund gehalten werden« Es war auch nicht möglich, das Berufungsurteil teilweise zu bestätigen, denn in Höhe des Betrages, der über 5 748,80 DM hinausgeht, kann vom Revisionsgericht nicht festgestellt werden, ob insoweit eine Schadensersatzforderung des Klägers überhaupt nicht besteht oder ob sie durch die hilfsweise erklärte Aufrechnung untergegangen ist« Die Sache war daher unter Aufhebung des Berufungsurteils an das Berufungsgericht zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung zurückzuverweisen« erhalten* Entgegen der Ansicht der Revision läßt sich den Ausführungen des Berufungsgerichts nicht entnehmen, daß die Beweislast für diese Zahlung und ihren Zweck verkannt worden ist» Bedenkenfrei ist auch angenommen worden, daß ein Anspruch auf Rückzahlung dieses Betrages aus ungerechtfertigter Be-reicherung der Beklagten zustehen würde« Gegenüber den von der Beklagten vorgetragenen Bedenken ist darauf hinzuweisen, daß auf Grund der bisherigen PestStellungen die Annahme des Berufungsgerichts rechtlich nicht zu beanstanden ist, daß die nach NeflHIi verlagerten Köperstoffe bis zur Veräusserung durch die Pirma 04H) noch im Eigentum des Klägers standen«