BGH · VI ZR 124/64
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BGB § 249 A, Ga, Ha Der verletzte und dadurch vorübergehend arbeitsunfähige Angestellte, dem das Genalt fortgezahlt wird, hat gegen den verantwortlichen Schädiger einen an den Arbeitgeber abtretbaren Anspruch auf Lrsatz des Bruttogehalts und der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung (im Anschluß BGHZ 42, 76 und abv/eichend von BGHD 7«/ Der VIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 23c ivlärz 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr0 Engels sowie der Bundeorichter Hanebeck, Dr«, Hauß, Dr. Pfretzschner und Dr. Nüßgens für Recht erkannt: Einen Anspruch auf Erstattung der Beiti-äge zur Sozialversicherung hat es mit der Begründung verneint, daß die Verletzte als Versicherte keine Nachteile erlitten hätte, v/enn diese Beiträge während der ver~ i ltnismäßig kurzen Zeiträume ihrer Arbeitsunfähigkeit nicht gezahlt worden wären. Damit hat das Berufungsgericht den Schaden bewußt nach der sogenannten "modifizierten Nettomethode'1 berechnete Es ist der Ansicht, daß der Anspruch auf Er« satz des Erwerbsschadens auf den Arbeitgeber nur in der Höhe Ubergehen könne, wie er dem verletzten Arbeitnehmer selbst zustände, wenn er den Lohn nicht fortgezahlt erhielte» Denn diese Lage müsse fingiert und zu dem Ausgangspunkt genommen werden, um überhaupt zu einem ersatzfähigen Schaden trotz Weiterzahlung des Lohnes zu gelangen« Dieser Nahmen werde unzulässig mit einer zweiten Fiktion wieder verlassen, wenn hinsichtlich der zu erstattenden Steuern und Abgaben auf die Belastung abgestellt werde, die bei der Fortzahlung der Bezüge tatsächlich eintrete« Folgerichtig müsse der Schadensersatz auch insoweit auf dasjenige beschränkt bleiben, was bei vorübergehender Nichtzahlung des Gehalts zur vollen Schadloshaltung genügen würde« Dort ist einem verletzten und dadurch vorübergehend dienstunfähigen Besamten ein auf den Dienstherrn übergehender Anspruch gegen den verantwortlichen Schädiger auf Ersatz des ßru-ctoge-halts zuerkannt worden« Für den Umfang der abtretbaren Ansprüche eines verletzten Angestellten, dem das Gehalt fortirezahlt wird, kann grundsätzlich nichts anderes gelten« Bei der genannten Entscheidung hat das Berufungsurteil in dieser Sache bereits Vorgelegen« Seine Gesichtspunkte, die allgemein von den Befürwortern der "moci-.uzierton Nettomethode" tjei Gehaltsf&rtZahlung vertreten werden, sind berücksichtigt und behandelt worden« Es kann daher, soweit vorliegend der Anspruch der Klägerin auf Erstattung des Bi'uttogehalts streitig ist, im wesentlichen auf die angezogene Entscheidung Bezug genommen werden. Hervorzu'heben bleibt, daß das Berufungsgericht den Widerspruch zwischen der Herleitung des Nettolohnan-spruchs aus einer gedachten Lage und des Anspruchs auf Ersatz der Abgaben aus der tatsächlich bestehenden Be~ .lastung zutreffend sieht und mit Recht für untragbar hält«, Die Lösung ist jedoch nicht mit. In einer solchen Herleitung des erstattungsfähigen Schadens aus den tatsächlichen Gegebenheiten liegt nicht dessen unzulässige Ausweitung» Per Schädiger hat keinen Anspruch darauf, so gestellt zu werden, als hätte er einen Arbeitnehmer verletzt, dem der Lohn bei zeitweiliger Arbeitsunfähigkeit nicht fortgezahlt wird« Ebenso wenig wird der Schaden eines Dritten ersetzt« Per'Arbeitgeber" bleibt auf die ühergegangenen Ansprüche des Verhetzten beschränkt: er kann nicht geltend machen, * daß sein Schaden die fortlaufenden Aufwendungen für den zeitweise arbeitsunfähigen Arbeitnehmer übersteige« Pie Klägerin hat demnach aus abgetretenem Hecht Anspruch auf Ersatz des Bruttogehalts, das sie für ihre verletzte Angestellte während der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit aufgewandt hat« Soweit darin die Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung enthalten sind, ergibt sich deren Erstattungsfähigkeit schon dai* • aus, daß es sich ebenso wie bei den Steuern um zwangsläufige und tatsächlich entrichtete Abraben aus den Einkünften der Verletzten handelt« Ob aus der Nichtzahlung versicherungsrechtliche Nachteile erwachsen wären, ist hier nicht zu fragen, weil- eine solche Möglichkeit gar nicht zur Wahl stand« Mit der - ebenfalls zwangsläufigen - Entrichtung der Arbeitgeberanteile hat die Klägerin allerdings eigene Verbindlichkeiten erfüllte Die Beträge sind nicht dem Bruttolohn der Verletzten entnommen, sondern zusätzlich zu diesem aufgewandt worden» Es handelt sich um gesetzliche Lasten, die dem Arbeitgeber selbst aus der entgeltlichen Beschäftigung von Angestellten erwachsen» Der III» Zivilsenat hat.deshalb in seiner grundlegenden Entscheidung Über die Nichtanrechnung des fortgezahlten Lohnes (BGHZ 7, 30, 53) dafür gehalten, daß insoweit ein abtretbarer Schadensersatzanspruch des Verletztet nicht vorliege* Diese zu Beginn . Da der gesamte Erwerb, wie er ohne die Fürsorgebestimmungen bei zeitweiser Arbeitsunfähigkeit wegfallen würde, den normativen Schaden ausmacht, fallen auch die im Interesse des Arbeitnehmers fortgezahlten Arbeitgeberanteile darunter» Es kommt nicht darauf.an, daß sie nicht dem Bruttolohn entnommen werden« Entscheidend ist, daß es sich um eine zu dem Bruttolohn hinzutretende Leistung des Arbeitgebers für den Arbeitnehmer und damit um einen Vorteil handelt, der diesem kraft gesetzlicher Bestimmung aus reiner Arbeit zufließt» Daraus folgt, daß der Fortfall eigener Schaden des Verletzten wäre, und damit, daß der Schädiger auch insoweit ersatzpflichtig ist» Zum gleichen Ergebnis führen insbesondere auch die Erwägungen, aus denen der erkennende Senat in seinem Urteil BGHZ 2t, 112, 119 dem Kern der vorge-• nannten Entscheidung des III« Zivilsenats beigetroten ist» Vom Gesamtergebnis her, so ist dort u«a<, ausge-führt worden, können die Auswirkungen der erheblichen Arbeitsanfälle, die vor allem durch die Verkehrsunfälle herbeigeführt werden, billigerweise nur den Schädigern und nicht den Beschäftigungsbetrieben zur Last gelegt werden * Zu den schädlichen Auswirkungen gehör t aber auch, daß die Arbeitgeber in beträchtlichem Umfang die Beiträge zur Sozialversicherung forfczahlen müssen, ohne von den Unfallverletzten Arbeitnehmern die Arbeitsleistung zu empfangen, die den Grund und die Rechtfertigung der Beitragspflicht bildet« Bei NichtfortZahlung des Lohnes hat der erkennende Senat dem Verletzten bereite einen Anspruch auf Ersatz der Arbeitgeberanteile zur ÄngesbelltenverSicherung zuerkattnt (Urteil vom 10« April 1954 - VI ZJR 61/53 * gleich mit der Lage eines Arbeitsunfähigen, der keinen Lohn erhält, aus den dargelegten Gründen nicht anzustel-len iato Aus der Entscheidung erhellt jedochr daß die Arbeitgeberanteile sehr wohl einen durch Arbeit erworbenen Vorteil des Arbeitnehmers darstellen, wenn sie auch nicht in seiiien Brutto!szügen enthalten sind, sondern vom Arbeitgeber darüber hinaus und unmittelbar an die Versicherungsträger zu entrichten sindo Der Beklagte ist daher gehalten, der Klägerin das Bruttogehalt zuzüglich der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung zu erstatten, soweit die Zahlungen auf die Zeit der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit der Verletzten entfallen» Soweit das Berufungsurteil diesem Begehren nicht stattgegeben hat, mußte es mit dem ent sprechenden feil der Kostenentscheidung auf die Revision der Klägerin aufgehoben werden» La die Höhe der Gesamtaufwendungen streitig ist, war die Sache im Umfang der Aufhebung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen» Die auf Erstattung .der reinen Nettobezüge ab-zielende Revision des beklagten mußte als unbegründet mit der Kostenfolge nach § 97 210 zurückgewiesen werden» Im übrigen war die Kostenentscheidung dem Berufungsgericht zu übertragen»