BGH · VI ZR 122/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
und den Hauptgasochieber geöffnet hatte, ohne sich vergewissert zu haben, ob auch alle vorhandenen Austrittsstellen im Hause geschlossen waren; wie das Schöffengericht festgestellt hat, war in der noch unvermieteten Erdgeschoßwohnung das Ende der Gasleitung nicht mit einem Verschlußstopfen versehen und der Abstellhahn für die Wohnung unverschlossen.. 1^^hatte am Vormittag des 23» Dezember 1954 in den fünf bereits bezogenen Wohnungen die Gaszähler gesetzte Die Klägerin hat behauptet, er habe hierbei festgestellt, daß die Gasrohrleitungen in keiner dieser Wohnungen mit einem Gewindestopfen verschlossen gewesen seien und in mindestens zwei Wohnungen die Wohnungshauptahstellhähne offengestanden hätten» Die Klägerin hält es für ein schuldhaftes Versäumnis, daß sich nicht die noch unvermietete Erdgeschoßv/ohnung hat öffnen lassen und geprüft hat, ob dort alles in Ordnung war» Dem Beklagten hat die Klägerin zu dem Vorwurf gemacht, seine Pflichten als Hausmeister der Gebäuöeeigentümerin vernachlässigt und hierdurch den Unfallschaden schuldhaft mitverursacht zu haben» Am Abend des 23»Dezember 1954 sei er zu einer Besorgung zweimal ins Haus gekommen und jedesmal von Liietern darauf aufmerksam gemacht worden, daß es nach Gas rieche; der Beklagte habe geraten, das lenster zu öffnen; er habe aber nach dem Hechten sehen und einen Fachmann herbeiholen müssen; er habe gewußt, daß in der leerstehenden Frdgeschoßwohnung, zu der er den Schlüssel gehabt habe, noch kein Gaszähler angebracht worden seio Unter Berufung auf den Forderungsubergang nach § 67 VVG hat die Klägerin von L^^und dem Beklagten einen Schadensteilausgleich in Höhe von je 6 IGO DM nebst Frozeßzinsen gefordert0 Bas Landgericht hat zunächst nur über den Anspruch gegen den Beklagten entschieden; es hat die gegen ihn gerichtete Klage abgewieseno Auf die Berufung der Klägerin hat das Oberlandesgericht die Klage gegen ihn dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärte Mit der Revision erstrebt der Beklagte die Wiederherstellung des landgerichtlichen Urteils* Bas zieht auch die Revision nicht in Zweifel» Danach hat aber das Berufungsgericht mit Hecht angenommen, daß der Beklagte verpflichtet war, Gefahren im Hause zu begegnen, die er erkennen mußte, wenn er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtete» Waren die Obliegenheiten des Beklagten in seinem Dienstverhältnis zur Wohnungsgesellschaft auch nicht im einzelnen geregelt und mag der Pflicntenkreis eines Hausmeisters auch weder durch Rechtsnormen noch durch die Verkehrsauffassung ein für allemal festgelegt sein, so konnte das Berufungsgericht aus der allgemeinen und uneingeschränkten Aufgabe der Hausbetreuung, die dem Beklagten nach seinen Feststellungen im vorliegendem Pall anvertraut war, doch ohne Hechtsirrtum ableiten, daß er auch zu einer Gefahrenabvvehr in dem gekennzeichneten Sinne verpflichtet war» Festgestelltermaßen hatte der Beklagte den Schlüssel zu der Brdgeschoißwohnung links; er hatte ihn nicht an ausgehändigt, als dieser die Gaszähler setzte, und wußte, daß in dieser Wohnung noch kein Gaszähler aufgestellt war» Das hätte ihn nach Ansicht des Berufungsgerichts nachdenklich machen und veranlassen müssen, die noch unbewohnte und unkontrollierte Srdgeschoßv/ohnung zu betreten und auf Gasgeruch zu prüfen,» Bas Berufungsgericht erblickt darin, daß der Beklagte nicht mehr al3 geschehen getan hat, eine schuldhafte VexBLetzung seiner vertraglichen hausmeisterpflichten, durch die er sich zugleich einer fahrlässig begangenen unerlaubten Handlung gegenüber den durch die Gasexplosion geschädigten Hausbewohnern schuldig gemacht hat und ihnen nach § 823 BGB schadensersatzpflichtig geworden ist o inv/iefern das Betreten der Srdgeschoßwohnung und ihre Überprüfung auf Gasgeruch die Explosion verhütet hätte0 Wenn das Berufungsgericht den Beklagten für verpflichtet erachtet hat, mehr zu tun als er getan hat, so hat es damit jedoch mit hinreichender Deutlichkeit zu dem Ausdruck gebracht, daß der Beklagte diejenigen Maßnahmen treffen mußte, die erforderlich waren, um die Gefahr zu beseitigen, die sich für das Baus und seine Bewohner aus dem Austritt von Gas aus der Leitung ergäbe Unverkennbar hat sich das Berufungsgericht die Feststellung des Schöffengerichts zu eigen gemacht, daß aus dem offenen Ende der durch den Wohnungsgashahn nicht ver- Die Revision zieht die Ursächlichkeit der schuldhaft pflichtwidrigen Unterlassung des Beklagten für den Eintritt des Schadens noch damit in Zweifel, daß offen sei, ob nicht bei Betreten der Erdgeschoßwohnung in den späten Abendstunden unter gleichzeitiger Bedienung von Lichtschaltern die Explosion sofort ausgelöst worden wäre« Eine solche Möglichkeit in Betracht zu ziehen, gaben der festgcstellto Sachverhalt und das Vorbringen der Parteien dem Berufungsgericht jedoch keinen Anläße Eie Erdgeschoßwohnung stand noch leer; der Beklagte hat nicht behauptet, daß sie schon Beleuchtungskörper aufge- Bas Berufungsgericht hat nicht verkannt, daß sich die Ausgleichung entsprechend dem Grundsatz des § 254 BGB danach richtet, inwieweit der Schaden von dem einen oder von dem anderen der mehreren Gesamtschuldner verursacht worden isto Zutreffend hat es bemerkt, daß i.n Verhältnis der zu dem Beklagten auf diesen ein Anteil entfällt, der seiner ursächlichen Mitwirkung bei der Entstehung des Schadens entspricht« Ben Umfang zu bestimmen, hat sich das Berufungsgericht noch nicht in der Lage gesehen, da noch nicht feststehe, wieviele Beteiligte ausgleichungspflichtig seien und die Höhe des vom Beklagten zu leistenden Ausgleichs sich durch die Hitbeteiligung des Monteurs Link ändern könne • In Anwendung des § 304 ZPO hat es daher über den Grund des Anspruchs bejahend vorab entschiedene Die Bedenken, die von der Revision hiergegen erhoben werden, sind unbegründet« Gewiß darf kein Grundurteil ergehen, wenn bereits feststeht, daß der Anspruch mangels eines Betrages nicht besteht (Stein-Jonas-Schönke ZPO 17«, Auflo § 304 1 2) o Es spricht aber nichts dafür, daß sich das Berufungsgericht hierüber in einem Rechtsirrtum befunden hättee Vielmehr ist es ersichtlich der Meinung, daß bei der Höhe des von der Klägerin gedeckten Schadens von ca» 8O0OCO mvI irgendein Betrag in jedem Pall vom Beklagten zu tragen sein wird« Der Erlaß des Grundurteils ist daher nicht zu beanstanden«,