BGH · VI ZR 121/55
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Gründen Das Landgericht hat den Anspruch der Kläger auf Zahlung von 5 460,37 DM Schadensersatz dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt und festgestellt, daß der Beklagte verpflichtet sei, den Klägern allen weiteren Schaden aus dem Unfall vom 30o Oktober 1951 zu ersetzen0 Das Oberlandesgericht hat ein Teilurteil erlassen und die Berufung des Beklagten insoweit 'zurückgewiesen, als das Landgericht die Zahlungsansprüche der Kläger dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt hat. dem, ist ihr neuer Antrag als unselbständige Anschlußberufung zu werten, denn sie erstreben, wie der Antrag mit genügender Deutlichkeit erkennen läßt, eine Abänderung des ersten Urteils dahin, daß auch der weitere Uber die Klagesumme von 5 460,37 DM hinausgehende Zahlungsanspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt wird (Urteil des erkennenden Senats vom 28» Oktober 1953 - VI ZR 217/52 - NJW 1954, 266 /?677)» Das Teilurteil des Berufungsgerichts bestätigt nur das Uber den Zahlungsanspruch von 5 460,37 DM , ergangene Grundurteil des Landgerichts, indem es insoweit die Berufung des Beklagten zurückweist0 Es enthält aber keine Entscheidung Uber die mit der Anschlußberufung geltend gemachten weiteren Ansprüche der Kläger« revision geltend gemachten weiteren Zahlungsanspruch entscheiden wollte« Der im Berufungsrechtszug gestellte neue Antrag der Kläger ist zwar im Tatbestand des Berufungsurteils erwähnt« Die Entscheidungsgründe des Urteils enthalten aber keine Ausführungen darüber, ob das Oberlandesgericht der Anschlußberufung stattgegeben und über das landgerichtliche Grundurteil hinaus auch den weiterhin geltend gemachten Zahlungsanspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt erklären wollte« Es ist nicht ersichtlich, ob das Berufungsgericht die Notwendigkeit einer solchen Entscheidung erkannt hat oder ob es sie zusammen mit der Entscheidung über den Feststellungsanspruch im Schlußurteil erlassen wollte» Aber selbst wenn man mit der Revision annehmen wollte, das Oberlandesgericht habe den Willen gehabt, auf die Anschlußberufung der Kläger auch den erweiterten Zahlungsanspruch der .Kläger dem Grunde nach für gerechtfertigt zu erklären« so könnte das nicht dazu führen, daß die Urteilsformel in dem von der Revision gewünschten Sinne auszulegen ist« Denn die Entscheidungsgründe des Urteils können nur dann zur Auslegung der Urteilsformel herangezogen werden, wenn diese nach ihrer Fassung Anlaß zu Zweifeln bietet und deshalb zu ihrer Erläuterung auf die Urteilsgründe zurückgegriffen werden muß0 Ein derartiger Fall liegt aber hier nicht vor© Die Formel des Berufungsurteils spricht deutlich aus, daß die Berufung des Beklagten insoweit zurückgewi§sen wird, als das Urteil des Landgerichts die Zahlungsansprüche der Kläger dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt hat« Es ist mit keinem Wort davon die Rede, daß über die Anschlußberufung entschieden und die im Berufungsrechtszug geltend gemachte Mehrforderung der Kläger dem' Grunde nach für gerechtfertigt erklärt wird0 Hält man sich an diese Wort- fassung des Urteilsspruchs« so ist seine Tragweite klar und eindeutig, denn der Inhalt der Formel läßt keinen Zweifel darüber, daß nur das Grundurteil des Landgerichts über den Zahlungsanspruch von 5 460*37 DM bestätigt wird« In einem solchen Falle besteht kein Anlaß, aber auch keine Möglichkeit, die Urteilsgründe zur Auslegung heranzuziehen« gründen und nicht nach der Urteilsformel bestimmen, so würde damit die von § 322 ZPO für die Rechtskraftwirkung gezogene Grenze überschritten« Rach dieser Bestimmung sind Urteile nur insoweit der Rechtskraft fähig, als über den mit der Klage erhobenen Anspruch entschieden ist« Daher ist für die Tragweite und damit auch für die Rechtskraft in erster Linie sein entscheidender Teil, also die Urteilsformel maßgebend (RG WarnRspr 1942 Nr 69)« Läßt sie wie hier mit Sicherheit erkennen, über was das Gericht entschieden hat, so kann dem Urteilsspruch kein anderer Sinn dadurch beigelegt werden, daß man die Urteilsgründe, die selbst nicht rechtskräftig .werden, zur Auslegung heranzieht« Nach alledem ist über den Zahlungsanspruch der Kläger, soweit er die ursprüngliche Klagesumme von 3 460,37 DM übersteigt, bisher nicht entschieden« Soweit keine Entscheidung vorliegt, ist der Beklagte durch das Berufungsurteil nicht beschwert« Eine Beschwer ist nur gegeben, so