BGH · VI ZR 119/59 vom 02.03.1959
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Als er gegen 2„45 Uhr bei dem Hause Portastrasse Nr. 16 war, wurde er von der Taxe des Beklagten Jfllfe, die der Beklagte BflHP steuerte, von hinten angefahren und mit dem Motorrad weit nach vorne geschleudert. Mit Recht hat das Berufungsgericht die Ansicht des Landgerichts gebilligt, daß RflH mit dieser Geschwindigkeit, zu demal bei der Dunkelheit, nicht in der Lage war, seinen Verpflichtungen im Verkehr Genüge zu leisten und sein Fahrzeug nötigenfalls rechtzeitig anzuhalten (§ 9 Abs, 1 StVO), Io Sie macht in erster Linie geltend, ein Schadensaus-.gleich nach § 17 StVG- komme nicht in Betracht, weil ein Motorrad, dessen Motorkraft aussetze, nicht mehr im Betrieb sei, so daß sein Halter nicht nach § 7 StVG zur Verantwortung gezogen werden könneo Hierin kann der Revision nicht gefolgt wordene Sie geht bei der Auslegung des Gesetzes von dem maschinentechnischen Betriebsbegriff aus, nach dem ein Kraftfahrzeug nur solange in Betrieb ist, als die motorischen Kräfte unmittelbar oder mittelbar auf das Fahrzeug wirken» Dieso Auslegung ist jedoch zu eng. Sie wird dem Sinn und Zweck des § 7 StVG, die Verkehrsteilnehmer vor den Gefahren des Kraftfahrzeugverkehrs zu schätzen, nicht gerecht,, Der Senat hat daher bei der Auslegung dieser Bestimmung stets die sogenannte verkehretechnische Auffassung zugrunde gelegt und dabei auf die Erfahrung des modernen Verkehrs hingewiesen, daß die Gefahren des Kraftfahrzeugverkehrs nicht nur von dem Motor als solchen und seiner Einwirkung auf das Kraftfahrzeug ausgehen, sondern von der gesamten Abwicklung des Verkehrs, Das Kraftfahrzeug selbst bildet im Straßenverkehr eine erhebliche Gefahr, Daher hat dor Senat eine Auswirkung “der Betriebsgefahr eines Kraftfahrzeugs auch dann angenommen, wenn ein Kraftfahrzeug wogen Motorschadens auf der Fahrbahn einer dem Schnellverkehr dienenden Straße liegen bleibt (3GHZ 29, 163) oder wenn ein Kraftfahrer seinen Lastzug auf der Bundesstraße abstellt, um eine längere Nachtruhe zu haben (Urteil vom 1, Oktober 1957 - VI ZR 225/56 - NJW 1957, 1878 Nr» 7 - DAR 1958, 15 - ' Aus den gleichen Gründen, die der Senat in den vorgenannten Urteilen dargelegt hat, kann es auch hier nicht darauf ankommen, ob der Motor im Zeitpunkt•des Unfalls als Kraftquelle auf das Fahrzeug gewirkt hat» Solange das Motorrad auf der Fahrbahn der Straße bewegt wurde, gingen von ihm gerade die Gefahren aus, vor denen § 7 StVO die Verkehrsteilnehmer schützen will. Es ist daher gerechtfertigt, den Unfall, der sich hierbei ereignet hat, auch seinem Betrieb zuzurechnen,, Der von der Revision angeführte Gesichtspunkt, daß auch andere nicht mit Motor betriebene Fahrzeuge wie Handkarren mit die Gefährdungs- Aber selbst wenn man der Revision folgen wollte und mit ihr annähme, die §§ 7, 17 StVG seien im vorliegenden Palle nicht anwendbar, so könnte ihr das nicht zu dem Erfolge verhelfen, denn die Abwägung nach § 254 BGB, die dann in Betracht käme, müßte zu derselben Schadensverteilung führen. Da auch den Kläger ein Verschulden an seinem Unfall trifft, wie später noch darzulegen sein wird, müßte die Gefahr, die von dem Motorrad ausging, bei der Abwägung nach § 254 BGB ebenfalls als eine der Unfallursachen berücksichtigt werden. 2, Das Berufungsgericht hält für bewiesen, daß das Rücklicht am Motorrad des Klägers zur Zeit des Unfalls gebrannt hat und daß der Kläger sein Fahrzeug auf der für ihn rechten Straßenseite im Bereich der, dort liegenden Straßenbahnschienen geschoben hat und nicht auf dem asphaltierten feil der Fahrbahn,; wie die Beklagten behauptet haben. Diese Ausführungen des Berufungsgerietcs sind rechtlich nicht zu beanstanden« Allerdings macht das Gesetz, wie der Revision zuzugeben ist, dem Kraftfahrer nicht zur Pflicht« daß er sein Motorrad auf dem Gehweg schiebt, denn 0 37 Abs« 5 StVO erlaubt ihm nur» zu diesem Zweck den Gehweg zu benutzen, logt ihm jedoch keine rechtliche Verpflichtung hierzu auf« Das schließt aber nicht aus, daß den Kläger ein eigenes Verschulden treffen kann, wenn er von dieser rechtlich bestehenden Möglichkeit keinen Gebrauch macht« Ein Mitvorschulden des Geschädigten setzt nicht voraas, daß er eine Rechtspflicht verletzt hat» Es ist vielmehr schon dann gegeben, wenn er die Sorgfalt außer acht läßt, die ein ordentlicher und verstän-:; diger Mensch in einer solchen Lage zur Vermeidung eigenen Schi dens anzuwenden pflegt» Den Geschädigten trifft daher ein eigenes Verschulden an seinem Unfall, wenn er, wie im vorliegenden Falle der Kläger, Maßnahmen verabsäumt hat, die ihm zur Abwendung oder zur Minderung der Gefahr zur Verfügung standen, und die zu ergreifen ihm billigerweise zugemutet werden konnten» 3» Außer diesem Mitverschulden des Klägers hat das Berufungsgericht bei der Abwägung der für den Unfallursächlichen Umstände zu Lasten des Klägers weiter berücksichtigt, daß die rückwärtige Beleuchtung des Motorrades, sei es wegen geringer Spannung der Batterie, sei es wegen Verschmutzung von Rücklicht und Nummernschild,- nicht geeignet war, auf ausreichende Entfernung ihre Warnfunktion zu erfüllen» Hierzu wird im Boru-fungsurteil ausgeführt: Wenn das Rücklicht die mögliche starr ke Leuchtkraft entfaltet hätte und das sauber gehaltene Nummernschild (weißer Grund) von dem Rücklicht angestrahlt worden wäre, dann wäre HflMBB sich nicht im unklaren darüber gewesen, ob das Fahrzeug überhaupt beleuchtet gewesen sei und;: ob nicht nur der Rückstrahler aufgeleuchtet habe» Bei einem ordnungsgemäßen Pflegezusfcand des Motorrades habe auch der Beklagte HflHI schon vor der Begegnung mit dem entgegenkommenden Kraftfahrzeug erkannt, daß vor ihm ein anderes Fahrzeug- das Motorrad des Klägers - gefahren sei» In dem Zustande der Rückbeleuchtung des Motorrades liege also auch dann ; eine wesentliche Ursache des Unfalls, wenn die Beleuchtung noch den gesetzlichen Anforderungen genügt habe» Schließlich kann auch die weitere Rüge, da3 Berufungsgericht habe verfahrenswidrig den Bundesbahmverkhelfer Hermann KiHBBIaicht vernommen, keinen Erfolg haben» KflIBI soll ein halbes Jahr nach dem Unfall die Batterie aus dem Motorrad ausgebaut und dabei festgestellt hahen, daß sie sowie das Rücklicht , der Rückstrahler und die Zuleitungen in Ordnung gewesen seien» Biese Behauptung des Klägers konnte das Berufungsgericht als unerheblich ansehen, weil durch die Aussage dos Kflim nicht die Möglichkeit ausgeschlossen wurde, daß Rücklicht und Nummernschild zur Zeit dec Unfalls verschmutzt waren,