BGH · VI ZR 118/63
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zur Begründung hat sie vorgetragen, Habe nicht wissen können, daß der Beklagte infolge AlkoholgonuoBes relativ fahruntüchtig gewesen sei; denn 0sei erst nacht Mitternacht hinzugokommon« Bio aus der Überladung des Motorrades folgenden Gefahren habe zwar dor Beklagte als Berufskraftfahrer, nicht aber gekannt« Im übrigen Itabe Yfaltcr Sppp und nicht den Anstoß zur Mitnahme ge- I« Ohne Rechtsirrtum hat das Berufungsgericht eine Haftung des Beklagten auf Grund des § 823 Abs« 1 BGB bejaht« Nach seiner rechtlich nicht zu beanstandenden Meinung mußte der Beklagte erkennen, daß er nach reichlichem Alkoholgcnuß in nahezu absolut fahruntüchtigem Zustand nicht in dox* Lago war, das um etwa 20i» überladene Motorrad mit der hohen Geschwindigkeit von etwa 60 km/st sicher zu führen« Das Vorliegen einer ausdrücklichen haftungsausschließenden Vereinbarung hat das Berufungsgericht mangels Beweises der dahingehenden Behauptungen des Beklagten rechtsfehlerfrei abgelehnto Dem Berufungsgericht ist aber auch darin zu folgen, daß keine hinreichenden Umstände ersichtlich sind, die auf eine stillschweigende Vertragsabrede über die Einschränkung der doliktischen Haftung unter den Parteien hindeuten * Nach anerkannter Rechtsprechung können sie nicht schon darin erblickt werden, daß es sich um eine Gefällxgkeitsfahrt gehandel t hat (BGH Urto vom 21«. November 1961 - VI ZR 87/61 -) und sich der durch die Hitfahrt auf dem überbesetzten Motorrad gegebenen Gefahrensituation bewußt war* Auch der Umstand, daß der Beklagte sich zur Mitnahme von S^^^^ und erst bereit erklärte, als diese ihn bedrängten -daß ihn an der Abfahrt durch Abziehen des Zündschlüssels hinderte, steht entgegen der Meinung der Revision nicht fest (vglo unten III 1 c) reicht nicht aus. 1o Ein im Rahmen des § 254 BGB zurechenbares Vorhalten dos hat das Berufungsgericht darin gesehen, daß er sich der durch die Überladung des Motorrades entstandenen, auch für ihn offenkundigen Gefahr bewußt ausgesetzt hat«. Alkoholeinwirkung habe entnehmen können, Zu Unrecht rügt die Revision die Übergehung eines Bewcis-antrageo des Beklagten (Zeugnis des Heinrich 0 Denn das Berufungsgericht geht selbst von dem unter Beweis gestellten Hergang aus, daß mit dem Beklagten etwa eine Stunde lang vor der Bahrt zusammen an einem Tisch gesessen und dom Alkohol zugesprochen hat« Ein Vorwurf des Mitverschuldens kann dem aber nicht schon gemacht werden, wenn ihm bekannt war, daß der Beklagte Alkohol getrunken hatte, sondern erst dann, wenn: er begründete Zweifel an dessen Fahrtüchtigkeit hätte haben müssen (vgl, BGH Urto vom 8. b) Das Berufungsgericht brauchte, nicht besonders ghervorzu-heben, daß die durch die Überladung geschaffene Gefahr durch die Flatznahme der Mitfahrer - vor dem Beklagten auf dem Tank, und dahinter auf der Sitzbank ohne notwendigen Halt - erhöht war« Es hat diesem Umstand dadurch Rechnung getragen, daß es zu Lasten des O^m^ die offenkundige äußerste Gefährlichkeit der Fahrt auf dem mit 4 Personen besotztonnMotorrad wertet« Die Revision irrt auch in ihrer Auffassung, das Berufungsgericht habe übersehen, daß Osoowski diese gefahrerhöhendon Umstände nicht nur gekannt, sondern durch sein den Beklagten bedrängendes Verhalten mit herbeigoführt habe; das Bedrängen dos Beklagten ist vielmehr ausdrücklich zur Last gelegt worden« spruch des durch das Abziehen des Zündschlüssels zur Fahrt mit dem überladenen Fahrzeug genötigt habe, Bas Berufungsgericht hat nämlich - im Gegensatz zu dem Landgericht -nicht fcstgcotcllt, daß den Zündschlüssel der Maschine abgozogen hat« Es hat diese nach dem Berufungsurteil streitige Behauptung des Beklagten, dem es auch sonst den Glauben versagt und die lediglich dieser selbst bei seiner Parteivernehmung vor dem Landgericht bestätigt hatte, nicht als erwiesen angesehene In tatsächlicher Hinsicht kann-im Revisionsverfahren daher nur davon ausgegangen werden, daß zusammen mit den Beklagten zur Mitnahme “bedrängt" hat« 2« Dem Beklagten fällt nach der Würdigung dos Berufungsgerichts zunächst - ebenso wio - soin Wissen um die aus der Überladung dos Motorrades sich orgebenden Gefahren zur Last« Außerdem hat es die Kenntnis seines erheblichen Alkoholverzehrs sowie seiner dadurch zu demindest stark einge-«.ßchränkten Fahrtüchtigkoit und weiterhin die von ihm zu vertretende überhöhte Geschwindigkeit berücksichtigt» Denn entscheidend ist, ob sic unter den besonderen Umständen -nicht unerheblich beeinträchtigte Fahrtüchtigkeit dos Beklagten durch Alkoholgcnuß, Überladung dos Motorrades, Behinderung beim Steuern und Befahren einer Kurve - zu hoch war, um das Motorrad sicher zu führen« Das hat das Berufungsgericht rochtofohlcrfrci teilweise auf Grund der Feststellungen im Strafverfahren, angenommen» wachsen wäre; denn der Besetzung des Motorrades mußte der Beklagte bei der Wahl seiner Geschwindigkeit Rechnung tragen» * Außerdem# war aber huch die durch die Alkoholeinwirkung stark eingeschränkte Fahrtüchtigkeit des Beklagten als schuldhafte "Mitvcrursachung zu seinen Lasten in Rechnung zu stellen« kannte dagegen lediglich die Überladung und ihm konnten daher nur die sich daraus für ihn erkennbaren Gefahren angolas tot werden» Die darüber hinaus aus der vom Beklagten gefahrenen, zu hohen Geschwindigkeit und seiner eingeschränkten Fahrtüchtiglcöit sich ergebenden Risiken stellen ausschließlich eine zusätzliche schuldhafte Verursachung des Unfallgeschehens durch den Beklagten dar« hingegen brauchte nicht damit zu rechnen, daß der Beklagte das Motorrad mit zu hoher Geschwindigkeit fuhr» Daß den unmittelbar vor ihm sitzenden Beklagten nicht zu einer langsameren Fahrt ermahnt hat, goroicht ihm entgegen der Auffassung der Revision ebenfalls nicht zu dem Vorwurf; denn es ist nicht feotgostollt und vermag daher keine Berücksichtigung zu finden, daß er die Übersetzung der Geschwindigkeit erkannt hat oder jedenfalls hätte erkennen müssen« Im übrigen kann nicht einmal davon ausgegangen werden9 er hätte sonst im Laufe der Fahrt erkennen müssen, daß der Beklagte den Anforderungen der Fahrt nicht oder nicht mehr gewachsen sei«, a) Baß das Berufungsgericht von einer Haftungsfreistollung abgesehen hat, ist rechtlich nicht fehlerhaft«, Sie kann zwar naheliegen, wenn der Geschädigte sich einer konkreten Gefahr in klarer Kenntnis ohne triftigen Grund ausgesetzt oder gar planvoll dio Gefahrlage geschaffen hatte (BGHZ 34, 355? Eine solche Gestaltung ist in dem zu entscheidenden Sachverhalt aber nur unvollständig verwirklicht« Denn nach den Feststellungen des Berufungsgerichts wußte 0^^^ nur von der sich aus der Überladung des Motorrades ergebenden Gefahr« Nur ihr hat er sich bewußt ausgesetzt,lan ihrer Schaffung hat er allenfalls mitgewirkt» Dagegen kannte er möglicherweise nicht die Gefährdungen, die sich aus der nicht unerheblich geminderten Fahrtüchtigkeit dos Beklagten und der - unter all diesen Umständen - überhöhten Geschwindigkeit ergaben« Der später verwirklichten Gefahr ( vgl> BGHZ 34, 355) hatte er sich bewußt demnach nur zu einem Teil ausgesetzt, der allein den Unfall nicht verursacht hätte« \ b) Demnach unterliegt es keinen rechtlichen Bedenken, daß das Berufungsgericht im Rahmenddes § 254 BGB nur eine Minderung der Schadenersatzansprüche in Erwägung gezogen hat« Hierbei hat es ohne Rechtsirrtum auf Seiten des Beklagten und des mitfahrenden die Kenntnis der sich aus der Überladung des Motorrades ergebenden Gefahren berücksichtigt o Zusätzlich hat es dem Beklagten zur Last gelegt, daß er trotz seiner nicht nur geringfügig eingeschränkten Fahrtüchtigkeit die Fahrt angetreten hat und schuldhaft die nach den besonderen Umständen überhöhte Geschwindigkeit gefahren ist« Hiernach war nur an der Schaffung eines Gefahrenunstapdes (Überladung) beteiligt, während den Beklagten bei der Begründung einer weiteren Gefahr (Fahren trotz stark eingeschränkter Fahrtüchtigkeit), und bei ihrer Verwirklichung durch überhöhte Geschwindigkeit ein Verschulden traf« Das Berufungsgericht konnte daher zu dem Schluß gelangen, daß die Gcfahrenlage überwiegend vom Beklagten herbeigeführt und verschuldet worden sei«,