BGH · VI ZR 115/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ber Beklagte haftet daher gemäß § 832 BGB für jeden von seinem Sohn widerrechtlich angerichteten Schaden, wenn er nicht die Erfüllung seiner Aufsichtspflicht nach-weist« Ohne Rechtsirrtum hat das Berufungsgericht den Nachweis der nach § 832 Abs. 1 Satz 2 BGB möglichen Entlastung verneint. Bas Berufungsgericht hat festgestellt, daß der Beklagte von dem häufigen Schießen seines Sohnes mit einer Gummischleuder Kenntnis gehabt hat, ohne dies 2u verhindern, und deshalb eine ausreichende Aufsichtsführung verneint. Es hat hilfsweise ausgeführt, daß eine etwaige Unkenntnis von dem über ein Jahr lang ausgeübten "Schießsport” des Sohnes hier nicht ohne unzureichende Ausübung der Aufsichtspflicht möglich gewesen wäre« Baß bei Kenntnis des Beklagten von dem ständigen Schießen seines Sohnes auf Personen und Sachen er zu demindest seinen Sohn vom Zielen auf Menschen hätte abhalten müssen, um seiner Aufsichtspflicht zu genügen, ist vom Berufungsgericht mit Recht betont worden. Es kann offen bleiben, ob der Beklagte tatsächlich von dem Treiben seines Sohnes mit der Schleuder Kenntnis gehabt hat, denn die weitere Begründung des Berufungsgerichts, die von einer Unkenntnis «usgeht, trägt die ergangene Entscheidung. Auch aus dem von der Revision angeführten Urteil des erkennenden Senats (VersR 1955» 421), ergibt sich nichts, was dem Urteil des Berufungsgerichts entgegen stehen könnte« Es ist vom Bundesgerichtshof nur ausgeführt, daß besonders hohe Anforderungen an die Aufsichtspflicht zu stellen sind, wenn der dem Kinde vom Aufsichtspflichtigen sum Spielen übergebene Gegenstand für andere gefährlich ist« Anders, so ist weiter gesagt, liegen die Verhältnisse aber, wenn das Kind sich den gefährlichen Gegenstand ohne Wissen des Aufsichtspflichtigen beschafft hat« Hier handelt es sich dann um die Pipage, ob der Aufsichtspfliohtige sich dahin entlasten kann, daß er das Kind ausreichend überwacht hat, ob es sich solche Gegenstände beschafft hat und benutzt. Insoweit sind naturgemäß der Überwachung gewisse Glanzen gesetzt, vor allem wenn ältere Kinder bewußt gewisse Spielsachen vei’heimliciien« In der Entscheidung des erkennenden Senats ist sogar ausgeführt worden, däß es eine Verletzung der Aufsichtspflicht darstellt, wenn ein Vater überhaupt nichts davon erfährt, daß allgemein die Jungen im Dorf gefährliche Spiele treiben, und er damit rechnen mußte, auch sein Junge werde sich beteiligen« Ein Aufsiehtspflichtiger muß sich im weiten Umfang darum kümmern, wje der zu Beaufsichtigende seine Freizeit gestaltet, wobei das Maß der Aufsicht selbstverständlich auch von dem Alter und den persönlichen Eigenschaften des Minderjährigen mitbestimmt wird« Jedenfalls fehlt der Nachweis einer ausreichenden Aufsicht, wenn dem Vater von einem gefährlichen Spiel seines Sohnes, das dieser festgestelltermaßen in einem Zeitraum von mehr als einem /ahr in einem recht erheblichen Umfang betrieben hat, nichts erfahren hat. Ob die Auffassung des Berufungsgerichts richtig ist, daß der Beklagte das geführticho Treiben seines Sohnes alsbald hätte bemerken müssen, wenn er in seiner Px-eiaeit auch nur gelegentlich seiner Aufsichtspflicht nachgekommen wäre, braucht nicht näher geprüft zu wex’de.n. Es kommt nämlich nur darauf an, ob bei genügender Aufsicht der Vater hätte einschreiten können und müssen« Bas ist aber nicht außzusehließen* Eine ausreichende Aufsicht ist aber nicht mit dem Hinweis auf die Aussage des Prans Josef Schilp dargecan. Dieser hat nur bekundet, der Beklagte habe ihn einige Kaie auf der Straße gefi^agt, ob er seinen Sohn gesehen hätte und sei auf einen Hinweis hin auf den Schulplatz gegangen» Das sagt noch nicht, daß dies gerade zu Zwecken der Beaufsichtigung ststtfand. Es kann in diesem Zusammenhang davon abgesehen werden, daß - wie die Revisionserwiderung mit Recht betont - in den Sti’afaklen, die Gegenstand der Verhandlung waren, sogar bekundet ist, daß "die Eltexm von Hermann St4flHV' Schäden beglichen haben, die dieser durch Zerschießen von Pensterscheiben an dem Schulgebäude angerichtet hat.