BGH · VI ZR 113/59 vom 16.04.1959
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Die Beklagte ist Unternehmerin eines Personenbeförderungsliftes, der vom (GflHHIfc aus auf den Berg führto Der Lift wird im Sommer als Sessellift, im Winter als Skischlepplift betrieben. Der Skifahrer selbst gleitet mit seinen Skiern auf dem Schneebelag, Der Bügel ist an einem Hubgehänge angebracht, das mittels des Hubseiles am Förderseil befestigt ist* Jedem HubgehSnge fährt in etwa 9 m Abstand ein sog. Schleppgehänge voran, das gleichfalls mittels Klemmen am Förderseil befestigt und mit dem Hubgehänge durch ein Schleppseil verbunden ist. * Der Kläger hat mit der Berufung seine Ansprüche weiter verfolgt, den Anspruch auf Schadensersatz für Verdienstaue-fall und unfallbedingte Auslagen jedoch auf 12 000 DM ermäßigt. 3«) festzustellen, daß die Beklagte verpflichtet ist, ihm im Rahmen des Beichshaftpflichtgesetzes allen in Zukunft noch aus dem Unfall vom 9« Januar 1954 entstehenden Schaden zu ersetzen. Die Kevision ist nicht begründet Die Erwägungen, mit denen das Berufungsgericht eine Haftung der Beklagten aus Vertrag und aus unerlaubter HandlWn/ Das Berufungsgericht hat die Anwendbarkeit des RÜG mit folgenden Erwägungen verneintt Rach der Rechtsprechung des Reichsgerichts (RGZ 1, 252; 86, 95) gehöre es zu den wesentlichen Eigenschaften einer Eisenbahn, daß sie auf metallener Grundlage erhebliche Gewichte über nicht ganz unbedeutende Entfernungen mit beträchtlicher Geschwindigkeit befördere, wobei sie sich zur Herbeiführung der Transportbewegung der Naturkräfte bediene« Diese Voraussetzungen seien schon beim Sessellift nicht gegeben, da sich hier das Seil bewege und die an ihm starr befestigten Sessel mitnehme, die Bewegung außerdem nur eine geringe Geschwindigkeit aufweise« Die Frage, ob die Sessellifte dem § 1 RHG unterzuordnen seien, könne aber letztlich unentschieden bleiben, da sich der Skischlepplift auch von den Sesselliften noch grundlegend unterscheide« Der Fahrgast behalte hier die unmittelbare körpefliehe Verbindung mit dem Gelände« Er werde nicht von einem Fahrzeug getragen, sondern mache sich nur die Zug-oder Hubkraft einer durch Ausnützung von Naturkräften bewegten Vorrichtung zunutze, um unter eigener körperlicher Mitwirkung auf dem Boden fortbewegt zu werden« Auch könne er in gewissem Umfang auf die Art und Weise der Fortbewegung Einfluß nehmen« Seine Geschicklichkeit, seine sportliche Fähigkeit, sein Standvermögen und seine Aufmerksamkeit seien für die Erreichung des ’’Fahrziels” mit entscheidend. Zu Unrecht rügt die Revision, das Berufungsgericht habe nicht berücksichtigt, daß die Anlage im Sommer als Sessellift und im Winter als Schlepplift betrieben werde, dieselbe Anlage mit derselben Antriebsmaschine also beiden Zwecken diene * Für die Frage einer Haftung der Beklagten nach § 1 RHGr kommt es nicht darauf an, ob die Anlage auch für einen Sesseliiftbetrieb verwendet werden kann» Entscheidend ist die Art des Betriebes im Zeitpunkt des Unfalls» Da zu diesem Zeitpunkt die Anlage als Skischlepplift betrieben wurde, kann die Frage, ob Sessellift.©Eisenbahnen Bas Berufungsgericht hat rechtlich zutreffend die Anwendbarkeit des § 1 RHO auf den Betrieb eines Skischlepplifts verneint» Bin Sfcischlepplift ist eine Schleppseilanlage, welche die mit ihren Skiern auf dem Schneebelag gleitenden, also mit dem Boden in Berührung bleibenden Skifahrer mittels eines durch eine Antriebskraft in Bewegung gesetzten Drahtseils bergauf zieht (ähnlich die Begriffsbestimmung bei Schmalzl, Skiliftanlagen und ihre haftpflicht-rechtliche Bedeutung, in Versicherungswirtschaft 1954, 528)* Es macht dabei keinen Unterschied ob der Skiläufer, wie dies bei einfachen Anlagen der Fall ist, sieh unmittelbar am Brahtseil festhält oder ob, Wie bei der Liftanlage der Beklagten, die Verbindung zwischen dem Benutzer und dem sog. Bei Prüfung der Frage der Anwendbarkeit des RHO auf eine Anlage dieser Art kann es offen bleiben, ob eine Eisenbahn das Vorhandensein von Schienen als metallener Grundlage der Fortbewegung zur Voraussetzung hat und ob diese Voraussetzung auch dann als erfüllt angesehen werden kann, wenn Mai 1956 - VI ZR 24/55 -(Ui Nr, 15 zu § 1 RHG * VersR 1956, 777 = VRS 11, 416) ausge-führt hat, davon aus, daß für besonders gefährliche Unternehmungen in Abweichung von dem das bürgerliche Recht beherrschenden Verschuldensprinzip eine weitergehende Haftung einzuführen ist. Diese weitergehende sog, Gefährdungshaftung kann daher auch bei einer Schleppliftanlage nur Platz greifen, wenn mit dem Betrieb dieser Anlage, insbesondere nach ihrer Bauart und nach der Art und Weise des Transportes, die gleichen Gefahren verbunden sind, Wie sie dem Eisenbahnbetrieb eigentümlich sind. Diese besonderen Gefahrenmerkmale sind vornehmlich die Fortbewegung von Personen oder Sachen auf Schienen, die ein Ausweichen unmöglich machen, die hohe Geschwindigkeit, die ein rasches Anhalten erschwert, der Transport großer Gewichtsmassen und die dadurch wie auch durch die beträchtliche Geschwindigkeit hervorgerufene Wucht der Fahrzeuge, die Möglichkeit des Entgleisens und des Zusammenstoßens mit anderen Fahrzeugen, schließlich auch der vielfach herr-* sehende Massenandrang als Folge der Massenbeförderung (vgle RGZ 1, 252; 7, 40, 43| 14, 26, 27} 86, 94i ferner EG in SeuffArch 68, ’105; OLG Hamburg in LZ 1918, 789; Geigel, Der Haftpflichtprozeß, 9. Diese für die Benutzer einer Bahn und auch für unbeteiligte Dritte bestehenden Gefahrenmerkmale treffen, von der Möglichkeit eines gelegentlich stärkeren Andranges von Skiläufern abgesehen, auf den Betrieb eines Skischlepplifts nicht she Hier fehlt es schon an einem Fahrzeug, das Personen oder Sachen befördert und durch sein Gewicht - in Verbindung mit erhöhter Geschwindigkeit - eine Gefahr für die Benutzer oder unbeteiligte Dritte bedeuten könnte. Der Benutzer ist somit nicht schicksalhaft einem Fahrzeug ausge liefert, das allein» ohne, jede eigene Einfluß-nähme des Benutzers, die Fortbewegung bewirkt. Daher liegt, wie das Berufungsgericht mit Rocht hervorhebt, die Verantwortung für, die Überwindung der Strecke zu dem großen Teil heim Benutzer selbst. Die Revision des Klägers ist daher unbegründete Sie war deshalb mit der Kostenfolge aus § 97 ZPO zurückzuweisen Dr* Kleinewefefs Dr, Bede Dr* Hauß Heinrich üeyer Dr* Graf