BGH · VI ZR 111/54 vom 26.01.1955
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Der verstorbene Ehemann der Klägerin (im folgenden kurz Kläger genannt) baute in den Jahren 1948 und 1949 sein kriegszerstörtes Haus IflHR-KMleg Nr 0 wieder auf« Dem Beklagten übertrug er die Ausführung der Maurer-, Putz- und Stahlbetonarbeiten« Dieser zog weitere Unternehmer und Bauhandwerker hinzu und gab die teilweise auf seinen Namen ausgestellten Rechnungen mit einem Prüfungsvermerk dem Kläger zur Zahlung weiter* Die Übertragung anderer Bauarbeiten erfolgte durch den Kläger selbst ohne Mitwirkung des Beklagten* Nach Pertigstellung des Baues stellte der Beklagte dem Kläger auch ein Honorar für Architekten- und Ingenieurtätigkeit in Rechnung, das der Kläger nach Einholung eines Gutachtens über die Berechtigung dieser Forderung zur Hälfte zahlte* Auch sei sie bei der Lagerung im oberen Stock des Hause® dem Regen ausgesetzt gewesen« Jedenfalls sei sie in feuchtem Zustand auf die Betondecken aufgeschüt-tet worden« Der Beklagte habe es versäumt, die Asche vor der Verwendung umschütten und reinigen zu lassen« Der Beklagte sei sowohl als Maurermeister_jgifi- als Bauleiter und Architekt für die Tauglichkeit des Füllmaterials und die aachgemässe Verlegung des Fussbodens verantwortlich« Darüber hinaus ergebe sich seine Schadenshaftung daraus, dass er der Firma GmbH im eigenen Namen den Verlegungsauftrag erteilt und die Rechnungen dieser Firma mit einem prüfungsvermerk zur Zahlung weitergeleitet habe« Bas Landgericht hat der Klage' stattgegeben« Bas Ober-lanöusgericht hat die Berufung des Beklagten zurückgewiesen und auf den geänderten Antrag der Anschlussberufung den Beklagten zur Zahlung von 285,16 DM für Kosten der Mängelbeseitigung verurteilt* Ferner hat es festgestellt, dass der Beklagte verpflichtet ist, auch allen übrigen Schaden aus der mangelhaften.Herstellung der Fussböden zu ersetzen« Bas Beru fungsgericht ist der Ansicht, der Beklagte sei für den einwandfreien Zustand des von ihm angelieferten und verlegten Füllmaterials im Zeitpunkt des Aufbringens auf die Betondecke verantwortlich; denn die Aschenfüllung habe zu den vertraglich übernommenen Maurerarbeiten- gehört und der Beklagte habe diese Arbeit auch als Maurerarbeit dem Kläger in Rechnung gestellt« Vor der Auffüllung habe der Beklagte den Zustand des Füllmaterials überprüfen und bei Feststellung von Feuchtigkeit die Arbeit zurückstellen oder anderes Füllmaterial, etwa Glaswolle, verwenden müssen« Jedenfalls sei ein Hinweis an den Kläger auf die mit der Verwendung der feuchten Asche verbundenen Gefahren geboten gewesen« Wenn der Firma GmbH gleichfalls der Vorwurf einer fahrlässigen Handlungsweise zu machen sei, so entlaste das den Beklagten nicht« Hessen Haftung sei überdies daraus herzuleiten, Die Revision meint, das Berufungsgericht habe zu Unrecht angenommen, der Beklagte sei als Maurermeister dafür verantwortlich, dass das Auffüllen der Asche nicht zur Unzeit erfolge« Das Berufungsgericht habe den Vortrag des Beklagten übersehen, dass -infolge der heutigen schnellen Bauweise häufig noch nicht ganz trockenes Füllmaterial zur Verwendung komme« Infolgedessen sei, was auch der Sachverständige Dr« bestätigt habe, den Zimmereibetrieben von ihren Innungen empfohlen worden, in Zweifelsfällen die Fussbodenbretter unterseitig mit einem Isolieranstrich zu versehen und durch geeignete Massnahmen für eine Lüftung zu sorgen« Wenn das aber zutreffe, so könne man dem Beklagten keinen Vorwurf machen, vielmehr sei dann allein dem Verleger des Fussbodens zur Last zu legen, dass er die erforderlichen und üblichen Uegenmass-nahmen gegen eine Auswirkung der Feuchtigkeit nicht getroffen habe« Aus dem Prüfungsvermerk auf den Rechnungen habe entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts nicht hervorgehen können,.dass der Beklagte die Ordnungsmässig-keit der in Rechnung gestellten Arbeiten einer fremden Firma überprüft habe« Für eine Bauaufsicht sei der Beklagte nicht bezahlt worden, vielmehr habe der Kläger die Kosten einer solchen Aufsicht bewusst sparen wollen« Es sei nicht ersichtlich, worauf die Feststellung des Berufungsgerichts beruhe, dass der Beklagte in Fragoader Fussbodenverlegung über die erforderliche Fachkenntnis verfüge« Es lässt keinen Rechtsirrtum erkennen, wenn das Berufungs gericht aus den eingehend gewürdigten vertraglichen Beziehungen der Parteien die Pflicht des Beklagten entnimmt entweder trockenes Füllmaterial zu verwenden oder, wenn das Material bei Auffüllung auf die nassen Decken noch feucht war oder feucht zu werden drohte, hierauf aufmerksam zu machen und für Gegenmassnahmen zu sorgen« Das gilt umsomehr, als der Beklagte durch prüfungsund Anweisungsvermerke auf den Rechnungen der Firma Tribünen-Verleih GmbH den Anschein erweckte, er habe sich selbst von der Ordnungsmässigkeit der Arbeit Überzeugt» Der Ansicht der Revision, mit solchen Vermerken habe der Beklagte lediglich bezeugen wollen, dass «die Rechnung in Ordnung ginge”, steht die nach den Gesamtumständen durchaus mögliche Feststellung des Berufungsgerichts gegenüber, die Vermerke auf den Rechnungen seien im Sinne einer erfolgten Kontrolle auch der Ordnungsmässigkeit der in Rechnung gestellten Arbeiten zu verstehen ge- wesen« Wenn die Revision die Ansicht des Berufungsgerichts angreift, der Beklagte sei zur Kontrolle der Arbeiten der Verlegerfirma verpflichtet gewesen, so ist ihr zwar zuzugeben, dass im Regelfall für einen Bauunternehmer, dem nur bestimmte Arbeiten an dem Bau übertragen sind, eine solche Verpflichtung nicht besteht« Hier lagen aber ganz besondere Umstände vor. Der Kläger hatte die Verlegung der Fussböden selbst vergeben« Ihm stand ein Einfluss auf die Wahl des Zeitpunktes der Arbeiten zu« Er hatte von einem Hinweis auf die naheliegende Gefahr von FeuchtigkeitsSchäden abgesehen, andererseits aber die Rechnungen der Firma mit einem Kontrollvermerk an den Bauherrn weitergegeben und schliesslich diesem eine eigene Rechnung über ein Architekten-Honorar zugehen lassen« Unter diesen besonderen Umständen konnte vom Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum eine vertragliche Nebenverpflichtung des Beklagten entnommen werden, die Verlegungsarbeiten auf ihre Ordnungsmässigkeit zu überprüfen und den Kläger auf mögliche Schäden aufmerksam zu machen« Dass der geschädigte Vertragsgegner aus einer schuldhaften Verletzung vertraglicher Nebenverpflichtungen Schadensersatzansprüche gemäss § 276 BGB herleiten kann, ist anerkannten Rechtes,, Da die Revisionsrügen unbegründet sind und auch im übrigen eine Verletzung sachlichen Rechts in den Ausführungen des Berufungsurteils nicht ersichtlich ist, war die Revision des Beklagten mit der Kostenfolge aus § 97 ZPO zurückzuweisen*