BGH · VI ZR 107/66
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe vom 14* Januar 1965 abgeändert, soweit der Beklagte zur Zahlung von mehr als 18»147950 DM nebst 4 # Zinsen von 15*012,50 DM seit dem 28 „ Juli 1962 und von weiteren 3 135 DM seit dem 14» März 1963 verurteilt worden ist und dem Beklagten mehr als 18/19 der Kosten der ersten beiden Rechtszüge auferlegt worden sind« zusammen Am 0» 1962 forderte der Beklagte bei der Klägerin eine Maschine des Typs T0H B< für einen Flug von WesflHH nach DJ an« Die Maschine stürzte in der Nähe von I| 'Westfo ab» Dabei kamen die Ehefrau des Beklagten und der Flugzeugführer TiHHiH ums Leben» Am V» (HS 1962 erteilte der Beklagte der Klägerin den Auftrag, mit einem Flugzeug das Jagdgewehr der Verstorbenen und 5 Schuß Munition aus seiner Wohnung in Zürich zu holen und nach RfllH zu bringen» Er wies daraufhin9 daß das Gewehr und die Munition bei der Bestattung seiner Frau als Totengabe in den Sarg gelegt werden sollten» Die Klägerin holte das Gewehr und die Munition in Zflp ab, übergab jedoch nur das Gewehr dem Beklagten» Die Munition ließ der Flugzeugführer in Kö^P zurück» Die Klägerin berief sich darauf, der Weitertransport der Munition sei wegen der Flugsicherheitsbestimmungen auf Schwierigkeiten gestoßen oder unmöglich gewesen« terer Mahnung vom 12» März 1963 in Höhe von 19o547950 DM die Zahlung der Flugrechnungen, wobei er sich auf zur Aufrechnung gestellte Schadensersatzforderungen aus dem Unfall berief» nition ein Entgelt verlangen könneo Die Klägerin hat darauf erwidert, es sei weder der Unglücksflug noch der Positionsflug von Kö0 hach WesflHHP "berechnet worden» Die Rechnung Nr» ^®/'62 ergehe dies ohne weiteres, denn sie enthalte nur Flüge mit der ^P PP, während die Unglücksmaschine eine Tp^ BopH^ gewesen sei» Nach Vorlage der Rechnungskopien hat der Beklagte vorgetragen, er könne ohne genauere Darlegungen der Klägerin die Rechnungen nicht überblicken und müsse daher die einzelnen Rechnungsbeträge sowohl dem Grunde als auch der Höhe nach bestreiten» Später hat er erklärt, die einzelnen Rechnungen würden anerkannt, sov/eit ein Bestreiten nicht vorliege» Zur Begründung der zur Aufrechnung gestellten Gegenforderung hat der Beklagte geltend gemacht, der Absturz der Maschine sei auf eine grobe Fahrlässigkeit der KO’ä&eifrnja* und ihres Flugzeugführers zurück-zuführen» Die habe daher für den vollen Un- Sie habe die in Rechnung gestellten Flüge auf Veranlassung des Beklagten durchgeführt» Der Beklagte könne sich nicht darauf berufen, daß ihm die 5 Schuß Munition nicht ausgehändigt worden seien» In der kurzen Zeit habe die erforderliche Transportgenehmigung nicht beschafft werden können» Berechtigte Interessen des Beklagten seien durch die Zurücklassung der Munition in Kö0 nicht verletzt worden» Die zur Aufrechnung gestellten Schadensersatzforderungen seien unbegründet, weil sie über die Höchstgrenzen des 46 LuftVG in der Fassung vom 10» Januar 1959 (BGBl» 1959» 9) hinausgingen» Der Vorwurf, der Flugzeugabsturz sei auf eine grobe Fahrlässigkeit in ihrem Organisationsbereich zurückzuführen, sei unbegrün det» Die Klägerin hat sodann Einwendungen gegen die Höhe des berechneten Schadens geltend gemacht» gen zustehenden Zahlungsansprüche durch Vorlage von 11 Rechnungen belegt, die die einzelnen Flüge in übersichtlicher Form nach Tag, Startund Zielort, Reisedauer und Flugzeugtyp aufgeführt hätten» Hiergegen habe der Beklagte in erster Instanz nur in zwei Funkten, nämlich hinsichtlich des Unglücksfluges und des Fluges zur Beschaffung des Gewehrs und der Munition, substantiierte Einwendungen erhoben» Seine Behauptung, die Klägerin habe ihm zu Unrecht auch den Unglücksflug in der Rechnung Nr» ^0/62 berechnet, sei jedoch unbegründet» Dieser Flug - einschließlich des Positioasfluges - , so führt das Berufungsgericht aus, sei weder in der Rechnung noch in einer der übrigen Rech- Dem Berufungsgericht ist darin beizu£flichten, daß das erstinstanzliche Vorbringen des Beklagten für sich allein nicht geeignet war, den Anspruch aus der Rechnung Nr» tffe/62 in rechtserheblicher Weise in Abrede zu stellen» Da der Beklagte sich mit ausreichender Darlegung zunächst nur gegen Ansprüche wegen des Unglücksfluges und des Fluges zur Heranschaffung des Gewehrs und der Munition gewandt hatte, dann aber die Rechnungen anerkannt hat, soweit ein Bestreiten nicht vorlag, geht das Berufungsgericht zu Recht davon aus, daß die in den Rechnungen angegebenen Flugleistungen der Klägerin in erster Instanz jedenfalls im Ergebnis als nicht bestritten anzusehen sind» Die sich aus einem solchen Tatbestand ergebende Folge, daß die betreffende Behauptung als nicht beweisbedürftig anzusehen ist, hat allerdings nur dann Bestand, wenn das Bestreiten nicht gemäß §§ 2789 531 ZPO in der ersten Instanz oder in der Berufungsinstanz bis zu dem Schluß der letzten münd- liehen Verhandlung nachgeholt wird» Dies hat der Beklagte hier in seiner Berufungsbegründung getan, indem er dort leugnet, andere Plugleistungen am 0o und^o 1962 in Auftrag gegeben zu haben als diejenigen, die den Plug seiner Ehefrau sowie die Beförderung des Gewehrs und der Munition betreffen» Daß dieses Vorbringen gegenüber der erstinstanzlichen Darlegung des Beklagten ein "neues" Verteidigungsmittel im Sinne des § 529 ZPO enthält, das einer Zurückweisung wegen Verspätung nach § 529 Abs» 2 ZPO zugänglich war, wird von der Revision zu Unrecht bezweifelt» Dem ist im Ergebnis zuzustimmen» Allerdings hatte die Klägerin den Auftrag des Beklagten nicht voll-ständig erfüllt« Denn dieser Auftrag ging dahin, sie solle das Jagdgewehr der verstorbenen Ehefrau des Beklagten einschließlich von 5 Schuß Munition aus Zfli^P nach HUB überführen« Mit der Revision sind Bedenken gegen die Auffassung des Berufungsgerichts zu erheben, daß die fünf Schuß Munition als vertretbare Sachen im Rahmen des Transportauftrages eine so untergeordnete Rolle gespielt hätten, daß der Beklagte aus dem Pehlen der Munition keine Rechte herleiten könne» Gerade weil der Transportauftrag erkennbar durch besondere Affektionsinteressen des Beklagten motiviert war, hätte die Klägerin den Beklagten v/ohl nicht darauf verweisen dürfen, er möge sich angesichts aufgetretener Schwierigkeiten die Munition in einem Waffengeschäft besorgen und sich Es handelt sich insoweit aber nur um eine Hilfsbegründung im Berufungsurteil<> Die in erster Linie angeführte Erwägung, aus der das Berufungsgericht die Einwendung des Beklagten als unbegründet erklärt, hält dagegen der rechtlichen Prüfung stand« Das Berufungsgericht hat keineswegs verkannt, daß es sich bei dem Transportauftrag in dem Sinn um ein Fixgeschäft gehandelt hat, daß sich der Beklagte auf eine Auslieferung der überführten Gegenstände nach dem Begräbnis seiner Ehefrau nicht hätte einzulassen brauchen«. wesen« Sie hätte auch, wenn sie mit der Bahn erfolgte, weder Schwierigkeiten noch große Kosten verursacht» Bestand der das Gewehr entgegennehmende Beklagte nicht auf Überführung der Munition, so ist es zu verstehen, daß die Klägerin zu der Auffassung kam, der Beklagte :;:^sse der Munition keine nennenswerte Bedeutung bei* in der gegebenen Situation war die Bildung einer solchen Auffassung naheliegend, da Munition gleicher Art in jedem Waffengeschäft besorgt werden konnte« Wie das Isrufungsgericht feststellt, hat der Beklagte erst nach .Empfang der Rechnung erklärt, daß er von dem gesamten ?aohtvertrag zurücktrete, weil ihm die Munition nicht ^..sgeliefert worden sei« Ein solches Verhalten verstößt .ragen Treu und Glauben, weil es sich mit dem früheren Verhalten des Beklagten in Widerspruch setzt, auf Grund dessen die Klägerin damit rechnen durfte, daß der Beklagte auf der Anlieferung auch der Munition nicht bestehe« Es ergibt sich zudem aus den §§ 636, 634 BGB, daß der Beklagte nur dann von dem Luftfrachtvertrag Werkvertrag) zurücktreten oder ihn wandeln kann, wenn er dem Frachtführer (Werkunternehmer) vorher eine angemessene Frist zur Überführung der ausstehenden Leistung gesetzt hat« Eine Überführung der Munition innerhalb einer kurzen vom Beklagten gesetzten Frist hätte seinen Interessen in jeder Weise genügt* Soweit der Beklagte Gegenforderungen zur Aufrechrung gestellt hat, die aus den Schadensfolgen des Un-fal s hergeleitet werden, ist davon auszugehen, daß die Klägerin für die Folgen des Unfalls nur innerhalb der Höchstgrenzen des § 46 LuftVG in der Fassung vom vom gleichen Tage ausgeführt hat, geht das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum davon aus, daß eine grobe Fahrlässigkeit der Klägerin oder ihrer Leute nicht bewiesen worden isto Auf die Ausführungen dieses Urteils wird im einzelnen Bezug genommen» Die Klägerin haftet daher nicht nach den allgemeinen Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches für den durch den Flugzeugunfall verursachten Schaden (§48 Abs» 1 LuftVG)» Da der Beklagte und seine Tochter, die die Verstorbene beerbt haben, von der Unfallversicherung (§ 50 LuftVG) den Gegenwert von 35 «»000 DM in Schweizer Franken erhalten haben, ist der von der Klägerin zu erstattende Personenschaden ausgeglichen» Der von der obligatorischen Unfallversicherung zu ersetzende Betrag ist aber nicht zur Deckung des gemäß § 44 Abs» 1 Satz 2 LuftVG zu erstattenden Schadens bestimmt, der durch Verlust oder Zerstörung von Sachen entstanden ist, die der Fluggast an sich getragen oder mit sich geführt hat (vgl» Schleicher-Reymann-Abrahams Das Recht der Luftfahrt, Zweiter Band, 3« Aufl«, Anm» 1 zu § 50 LuftVG)» Es wird daher zu prüfen sein, ob Ansprüche dee Beklagten aus § 44 Abs» 1 Satz 2 in Verbindung mit § 46 Abs» 3 LuftVG a»F» bestehen» Solche Ansprüche könnten höchstens den Betrag von 1 400 DM erreichen» Das angefochtene Urteil war daher insoweit aufzuheben, als der Beklagte verurteilt worden ist, an die Klägerin mehr als 18»147 999T£9i&l 9»547,50 ©ÖKffldiTLiis 1 400 DM) nebst 4 # Zinsen von 15o012,50 DM seit dem 28» Juli 1962 und von weiteren 3 135«>00 DM seit dem 14» März 1963 zu zahlen» Entsprechend war das land-