BGH · VI ZR 101/62
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Juni 1958 erneut wegen Thromboseerscheinurigen des linken Beines im RflHHÜIHHilK-Kx'ankenhaus stationär behandelt und nach Anlegung eines Zinkleimverbandes in die ambulante Behandlung seines Hausarztes ent- lassen» Der Kläger, der vorher als Tischlermeister tätig war, ist jetzt auf Grund der Thrombose dauernd erwerbsunfähige Der Kläger hat behauptet, seine Erwerbsunfähigkeit sei darauf zurückzuführen, daß er am 12«, Oktober aus der stationären Behandlung des Krankenhauses vorzeitig entlassen worden sei. Der Kläger hat einen Teilbetrag von monatlich 200 DM des von ihm behaupteten Verdienstausfalls für die Zeit vom 1. Das Kammergericht hat nicht verkannt, daß es die gerechte Interessenabwägung im Ralle eines groben ärztlichen Kunstfehlers gebieten kann, von dem Gegner des Patienten den Nachweis zu fordern, daß der Schaden auch ohne das Versagen des Arztes eingetreten wäre* Es hat die Berufung des Klägers zurückgev/iesen, weil er die Voraussetzung dieser Abwägung, nämlich das Vorliegen eines Kunstfehlers, nicht bewiesen habe* Die Revision meint, daß auch insoweit vom Kläger kein strikter Beweis zu verlangen gewesen wäre, und daß er ihn in übrigen sogar erbracht habe* Ihre Rügen greifen jedoch nicht durch* Der Kläger kann ferner nicht behaupten, daß es in jedem Falle ein Kunstfehler sei, einen Patienten mit einer unausgeheilten Thrombose nach Anlegen eines Zinkleimverbandes aus dem Krankenhaus zu entlassen. Bei dem Vorwurf, daß dem Kläger nicht einmal Anweisungen für sein weiteres Verhalten mit-gegeben worden seien, übergeht die Revision, daß der Klä-ger nicht auf sich selbst gestellt, sondern ausdrücklich in die ambulante Behandlung seines Hausarztes überwiesen worden ist, an dessen Anordnungen er sich dann auch gehalten hat. Daß es ärztlich unverantwortlich gewesen wäre, den Kläger nach dem erstmaligen Anlegen eines Zinkleimverbandes ohne Kontrolle der Verträglichkeit schon am nächsten Tage nach Hause zu schicken, stellt die beklagte Stadt nicht in Abrede. Das Kammergericht hat die Behauptung des Klägers, daß so mit ihm verfahren worden sei, jedoch ohne Rechtsverstoß als nicht bewiesen angesehen. Oktober 1957 erneuert worden ist, hindert die Feststellung nicht, daß der Kläger den ersten Verband jedenfalls schon am 5» Oktober erhalten hat» -Es kann ferner unterstellt werden, daß selbst eine Entlassung nach zwei bis drei Tagen noch bedenklich gewesen wäre, weil das Krankenhaus in solchen Fällen nach der Bekundung des Oberarztes Dr» Bflm^die schriftliche Bestätigung des Patienten fordert, daß die Entlassung auf eigenen Wunsch und gegen ärztlichen Rat erfolgeo Biese Übung gibt auch dann nichts dafür her, daß dieselben Bedenken noch am ^»Oktober, sieben Tage nach dem Anlegen des Verbandes, hätten bestehen müssen, wenn die Entlassung durchschnittlich erst nach 14 Tagen erfolgt» Es kommt mithin allein darauf an, ob es nach dem erkennbaren Zustand des Klägers ein grober Kunotfehler war, ihn zu diesem Zeitpunkt aus der stationären in die ambulante Behandlung zu überweisen» Dieses Nachweises ist der Kläger - entgegen der Meinung der Revision - nicht wegen der gerügten Lückenhaftigkeit des Krankenblattes enthoben» Bas Krankenblatt ist eine Gedächtnisstütze des Arztes, ein von ihm oder für ihn gefertigtes Hilfsmittel, das ihm den jederzeitigen, raschen Überblick über den Verlauf der Krankheit und ihrer Behandr lung ermöglichen und ihn damit vor allem hei der Durchführung der Therapie entlasten soll» Es ist nicht etwa eine schriftliche Festlegung der Krankengeschichte, die sorgfältig und vollständig zu führen der Arzt im Verhältnis zu dem franken verpflichtet wäre» Gewiß kann der Patient glcichv/ohl die Vorlegung des Krankenblattes zu Beweiszwecken nach § 421 ZPO verlangen mit der Folge, daß seine Behauptungen über den Inhalt nach § 444 ZPO als bewiesen ange- Einen Rückschluß von den alsbald aufgetretenen Beschwerden auf eine vorzeitige Entlassung als Ursache der weiteren, unglücklichen Entwicklung hat das Kammergericht wegen der Darlegungen des Sachverständigen Dr» Sinz abgelehnt, daß der Verlauf einer Thrombose schlechthin unvorhersehbar sei, insbesondere nach dem Abklingen der Erscheinungen jederzeit zu neuen Schüben führen könne. Der Revision muß allerdings zugegeben werden, daß das Kanmergericht sich in den Gründen seines Urteils nicht mit der Ansicht der Ärzte Dr. Sfli^und Dr. ZflBU auseinander-gesetzt hat, der Kläger könne nach den am 13. Denn sollte der auf 24 Stunden begrenzte Rückschluß trotz des unberechenbaren Verlaufs der Krankheit möglich sein* so könnte in der Überweisung des Klägers an den Hausarzt auf Grund eines objektiv zu günstigen Befundes jedenfalls kein:: grober Kunstfehler erblickt werden« So läge es erst, wenn ein gewissenhafter Arzt es am 12« Oktober 1957 nicht nur als wünsehenswert, sondern als unerläßlich hätte an-sehen müssen, daß der Kläger weiter in stationärer Behandlung verblieb« Dieser Auffassung ist ersichtlich Dr«, Ziemer selbst nicht gewesen, da er den Kläger zunächst länger als drei Wochen zu Hause behandelt hat, ehe er seine erneute Aufnahme in ein Krankenhaus veranlaßte«, Auch ist der Kläger zu demindest nicht gegen seinen Wunsch und trotz geäus-sorter Klagen entlassen worden« Er ist unstreitig beim Verlassen des Krankenhauses dem behandelnden Arzt Dr«, KaflBHHl begegnet, ohne ihm zu saggn, daß er in Wahrheit nicht gen-fähig sei und heftige Schmerzen habe« Beschwerden von erheblichem Ausmaß haben also entweder zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestanden, oder sie sind vom Kläger verschwiegen worden« Beides würde der Annahme eines groben Verschuldens Dr. KaflHBh gleichermaßen entgegenstehen«, Endlich begehrt der Kläger nicht Schadensersatz wegen seiner alsbald aufgetretenen Beschv/erden, sondern wegen der nunmehr feststehenden Unheilbarkeit seines Leidens«, Von dieser läßt sich aber noch dem nicht angegriffenen Gutachten des Sachverständigen Dr«, Sinz keinesfalls sagen, daß sie die typische Folge einer vorzeitigen Entlassung aus der stationären Behandlung sei« Das wäre jedoch neben der Feststellung eines groben Kunstfehlers die weitere Voraussetzung, unter der allein von der beklagten Stadt der Hach- v/eis gefordert werden könnte* daß der Schaden des Klägers auch ohne Versagen des behandelnden Arztes eingetreten wäre,, Es hätte mithin zu keinem dem Kläger günstigeren Ergebnis führen können* wenn sich das Kammergericht die Ansicht der Ärzte Er» SflBi und Er» zu eigen ge-