BGH · VI ZB 1/54 vom 20.01.1954
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die sofortige Beschwerde des Klägers gegen den Beschluss des 1. Der Kläger nimmt den Beklagten auf Leistung von Schadensersatz wegen eines Verkehrsunfalls in Anspruch* Mit seiner Klage ist er durch das Urteil des Landgerichts zu dem Teil abgewiesen worden. August 1953 rechtzeitig Berufung eingelegt; die Prist zu ihrer Begründung ist auf den Antrag des Klägers bis zu dem 5. Wie der Kläger glaubhaft gemacht hat, hat sein Prozessbevollmächtigter in seinem Büro am 5.November 1953 noch bis in die Nacht hinein zu arbeiten gehabt; er hat sein Büro, das sich in dem Bürohaus "HflHHV Hof" befindet, um 18 Minuten vor 24 Uhr verlassen, um von dem 30 m entfernten Taxen stand aus mit einer Taxe die fertiggestellte Begründungsschrift zu dem Abendbriefkasten am SfpHB|0platz zu bringen, der vom Hof aus zu Puß in 10 Minuten zu erreichen Schlüssel besass und der Portier, der nachts in der Loge des Vorraums Dienst tut, an jenem Abend nicht zur Steile war, trotz Läutens der Nachtglocke und lauten Hufens durcfi die Gänge des Bürohauses nicht erschien und erst etwa 3 nuten vor 24 Uhr aus einem der Büros zu dem Vorschein kam, wo1 er Aufräumungsarbeiten verrichtet hatte, um seiner Ehefrau^ die im Bürohaus als Heinemachefrau angestellt ist, die Ar-S beit des folgenden Tages zu erleichtern. Mit Recht geht das Berufungsgericht dayon aus, dass als ein die Wiedereinsetzung nach § 233 ZPO rechtfertigender unabwendbarer Zufall nur ein solches Ereignis angese-hen werden kann, dessen Eintritt oder Folgen von dem, der * die Prozesshandlung vorzunehmen hatte, bei Anwendung der ‘ ihm nach Lage des Palles gerechterweise zuzu demutenden SorgfÜEt nicht abgewendet werden konnte, und dass erhöhte Sorgfalt anzuwenden ist, wenn mit der vorzunehmenden Prozesshandlung bis gegen Ende der Frist zugewartet wird (BGHZ 6, 369 BGH VersS 1954, 19)- Hatte sich der Prozessbe-^ vollmächtigte des Klägers auch vorgenommen, die Berufungs^ begründungsschrift unter Benutzung einer Taxe selbst zu dem 1 Nachtbriefkästen zu bringen, so durfte er hierzu doch nie erst 18 Minuten vor Mitternacht aus seinem Büro aufbrecheÄ wenn er sich nicht darauf verlassen konnte, in der ver benden kurzen Zeit seine Absicht ausführen zu können war aber in Anbetracht der vom Kläger glaubhaft gemachten Umstände vorliegend der Fall» Der Weg von seinem Büro zu dem; Nachtbriefkasten am SflHHBBjplatz war nicht so weit, dass. Es kann ihm darum aber nicht, wie das Berufungsgericht meint, zu dem Verschulden angerechnet werden, dass er es unterlassen hat, besondere Vorkehrungen zu treffen, um die Anwesenheit des Nachtportiers sicherzustellen, oder sich für den Abend einen Schlüssel für die Haustür zu beschaffen. Zwar gehörte es nach dem eigenen Vorbringen des Klägers zu den Aufgaben des Nachtportiers, Kon-trollgänge im Gebäude auszuführen7 Gegen 24 Uhr hielt er sich aber, wie durch die eidesstattliche Versicherung des Prozessbevollmächtigten des Klägers glaubhaft gemacht ist, regelmässig:* in seiner Loge auf.Traf der Prozessbevollmächtigte ihn beim Verlassen des Büros.in anderen Fällen nicht in seiner Loge an, so erschien er auf das Glockensignal hin auch spätestens in 3 Minuten. Wenn er sich am Abend des 5* November 1953 trotz Läutens und Rufens nicht eingefunden hat, so hat dies daran gelegen, dass er sich entgegen seinen Dienstobliegenheiten in einem der Büros beschäftigt und, da er überdies schwerhörig ist, das Läuten und Rufen nicht wahrgenommen hat. Von der Schwerhörigkeit ist dem Prozessbevollmächtigten des Klägers aber nichts bekannt gewesen und er hat auch nicht gewusst und nicht damit zu rechnen brauchen, dass sich der Portier in einem der Büroräume betätigte, wo er nichts zu suchen hatte.