BGH · VI ZB 20/57 vom 07.01.1958
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
»unter Aufhebung bzw« Änderung des angefochtenen Urteils bei Zubilligung eines Schmerzensgeldes von nicht mehr als 500 US! Berner hat er in der Berufungsschrift erklärt, daß die Begründung des Antrages einem besonderen Schriftsatz (der Berufungsbegründung) Vorbehalten werde» Die Berufungsbegründung ging am 15» Juli 1957 ein* Sie war verbunden mit einem Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Versäumung der Berufungsbegründungsfristo Der Beklagte berief sich darauf, daß ein von ihm angeforderter Kostenvorschuß ohne sein Verschulden verspätet bei dem zweitinstanzlichen Prozeßbevollmächtigten eingegangen sei» Bas Oberlandesgericht hat durch den angefochtenen Beschluß den Antrag auf Y/iedereinsetzung zurückgewiesen, da der Beklagte nicht glaubhaft gemacht habe, daß die Berufungsbegründungsfrist durch einen unabwendbaren Zufall versäumt worden sei» Gleichzeitig hat das Oberlandesgericht die eingelegte Berufung als unzulässig verworfen• Gegen diesen Beschluß richtet sich die gemäß § 519 b* Abs. 2, § 547 Abs. 1 Kr. 1, § 567 Abs.3 Satz 2 ZPO zulässige und fristgemäß eingelegte sofortige Beschwerde des Beklag ten. Sie mußte Erfolg haben* Es kann dahingestellt bleiben, ob der Auffassung des Berufungsgerichts beizutreten ist, ^ daß ein Wiedereinsetzungsgrund vom Beklagten nicht glaub^* fcaft gemacht worden ist* Die Präge der Wiedereinsetzung wurde sich erledige^ wenn im "Zeitpunkt des angefochtenen Beschlusses eine in gesetzlicher Form und Frist - eingelegte und begründete Berufung des Beklagten dem Berufungsgericht vorge legen hätte» Das war der Fall* Es ist in der [Rechtsprechung anerkannt, daß ein Hechtsmittelschriftsatz mehrfach eingereicht werden kann (RGZ 102. 990, Nr* 2 zu § 522 a ZPO * NJW 1954, 109)• Ein Be dUrfnis hierfür liegt insbesondere- dann vor, wenn Zweifel Uber die Ordnungsmäßigkeit der zunächst eingelegten Hechtsmittelschrift bestehen* Selbst fUr den Fall, daß das zunächst eingelegte Hechtsmittel bereits als unzulässig verworfen worden ist, hat die Rechtsprechung die Wiederholung des Rechtsmittels innerhalb der noch nicht abgelaufenen Rechtsmittelfrist für zulässig erklärt (vgl* RGZ 158, 53 Großer Senat für Zivilsachen •-)* Nun war im vorliegenden Falle im Zeitpunkt des Eingangs der BerufungsbegrUndungsschrift die Frist des § 516 ZPO zur Anfechtung des nicht zugestellten Urteils noch nicht abgelaufen» Der Beschwerdeführer hat daher mit Recht die Frage aufgeworfen, ob nicht der BegrUndungsschriftsatz als eine Wiederholung der Berufungseinlegung angesehen werden kann. Dies ist zu bejahen* Für die unselbständige Anschlußberufung hat bereits der IV* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs in dem Beschluß vom 20e Noyember 1953 - IV ZB 96/53 - IM Nr« 2 zu § 522 a ZPO - NJW 1954, 109 den Grundsatz aufgestellt, daß die verspätete Begründung einer Anschlußberufung im Zweifel als zulässige Wiederholung der Anschlußberufung aufzufassen se.t» C I b zu § 511)« Pa in der Begründungsschrift der Wille des Rechtsmittelklägers klar zu dem Ausdruck kommt, das Gericht um eine Änderung des angefochtenen Urteils anzugehen, steht aue-AuslegungsgrundSätzen nichts im Wege, in der Begründungsschrift die Wiederholung der Erklärung zu sehen, daß das Urteil mit der Berufung angefochten werden sollte (§ 5i8 Abs« 2 Nr. 2 ZPO)« Durch die bezugnehmende Anknüpfung des » Begründungsschriftsatzes11 vom 13« Juli 1957 an den Berufungsschriftsatz vom 7* Cuni 1957, der dem Gericht und dem Gegner vorlag, war das angefochtene Urteil unmißverständlich bezeichnet (vgl. Da demnach das Rechtsmittel der Berufung durch den Schriftsatz vom 13« Juli 1957 in der gesetzlichen Porm und Prist eingelegt und begründet worden ist, bedurfte es nicht mehr