BGH · VI ZB 16/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
und im hat der VIPZivilsenat des Bundesgerichtshofs m der Sitzung vom 12«, Juli 1956 unter Mitwirkung des Senats-Präsidenten Prof oBr»Meiß und der Bnndesri^hter Bredel-haar, Br.Meyer, Hanebeck und Bre Hauß beschlossene Auf die sofortige Beschwerde der Beklagten wird der Beschluß des 3«». 504 DM beantragt«, Die Firma DflHHHfc, die einen Teil der Klageforderung hat pfänden und sich zur Einziehung übery/eisen lassen* ist der Klägerin als Sbröi :f-hj _ fin beigetreten«, Das Landgericht hat durch Urteil vom 50 j8nu ',956 unter Abweisung des Mehrbetrags die Beklagten als Gesamtschuldner zur Zahlung von 14 654 DM* und zwar der ersten 5 000 DM an die Streitgehilfin der Klägerin* vernr-t ent o Das Ober-■.andesgericht hat durch den angefochtenen Beschluß die Be-rufung wegen verspäteter Einlegung als unzulässig verworfen Hiergegen richtet sich die fristgemäß eingereichxe sofortige Beschwerde der Beklagten.. Diese ist begründet«, Dem angefochtenen Beschluß ist dahin zuzustimmen> daß die Übersendung der unbeglaubigten Urteilsabschrift am 17»Januar 1956 keine Zustellungswirkung hatte (BGH NJW 1952, 934 - IM Nr 4 zu § 295 ZPO) • En'.-gegen der Ansicht des Oberlandesgerichts war aber auch die Zustellung durch die Streitgehilfin vom 260 Januar 1956 ohne Wirkung.. Der Senat tritt der Auffassung des Reichsgerichts (RGZ 112y 164) bei, daß dem Streitgehilfen eine Urteils»-Zustellung nicht zukommt, wenn die von ihm unterstützte Par tei ganz oder auch nur teilweise unterlegen ist* Diese im Schrifttum (Stein-Jonas-Schönke, IToAufI II 1 und Baumbach 'Lauterbach, 22,AufI 3 C zu § 67 ZPO) gebilligte .Ansicht beruht darauf, daß es grundsätzlich nicht mehr im Sinne der Streithilfe liegt, durch eine Zustellung in die Entschließung der Hauptpartei darüber einzugreifen, ob und wann sie das ihr nachteilige Urteil mit einem Rechtsmittel angreifen will« Es geht nicht an, von diesem Grundsatz eine Ausnahme zu machen, wenn die von dem Streitgehilfen unterstützte Partei im Einzelfall durch den Versuch einer Urteilszustellung ihr Interesse zu dem Ausdruck gebracht hatte, die Rechtsmittelfrist für die beklagte Partei in Lauf zu setzen« Hiermit würde ein starkes Unsicherheitsmoment in die Berechnung der Rechtsmittelfristen hineinge-tragen* War wie hier die erste Zustellung prozessual wir«» kungslos, so konnte sich die Klägerin auf den Standpunkt stellen: daß sie nunmehr in ihrem Entschluß, oh sie das Urteil in seinem klageabweisenden Teil mit der Berufung anfechten wollte, nicht mehr zeitgebunden war« Denn die wirkungslose Urteilszustellung leitete auch für sie die Rechtsmitteifrist nicht ein.- Deshalb würde es also nicht angehen, die Klägerin an die Urteilszustellung durch die Streitgehilfin, von der sie nichts zu erfahren brauchte; zv binden® Da aber die Parteizustellung des Urteils hinsicht-' lieh des die Klage abweisenden und des der Klage stattge-benden Urteilsteils nur einheitlich sein kann und für beide Parteien die gleiche Rechtsmittelfrist eröffnet (§ 221 Abs 2 ZPO), kann eine solche Urteilszustellung auch für die beklagte Partei keine Wirkung haben® Wird die Wirkung der ürteilszus-cellung auf die besonderen Umstände des einzelnen Palles abgestellt, so ist das bei einem solch wichtigen F:r-mainkt schon deswegen bedenklich, weil diese Umstände nicht ohne weiteres allen Beteiligten ersichtlich sind und sich insbesondere der Feststellung des Urkundsbeamten entziehen, der das Rechtskraftzeugnis auszustellen hat® Rechtssicherheit und Rechcsklarheit erfordern vielmehr, daß sich die Befugnis des Streitgehilfen zur Urteilszustellung nach a?^:: gemeinen Grundsätzen richtet, wie sie das Reichsgericht in der Entscheidung RGZ 'M2, 164 zutreffend aufgestellt hat®