BGH · VII ZR 6/61
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der am 31 o Oktober 1957 verstorbene Ehemann der Beklagten;, der von ihr allein beerbt worden ist, - im folgenden der Beklagte genannt - wurde im Juni 1945 als Treuhänder der beiden Betriebe der früheren Klägerinnen gemäß dem Militärregierungsgesetz Kr« 52 von der US-Besatzungs-macht eingesetzto Br überließ die Leitung des Betriebes in Hengersberg zu dem großen Teil seiner Ehefrau«, Im Frühjahr 1947 führte eine Überprüfung seiner Treuhändertätigkeit durch das Bayerische Landesamt für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung dazu, daß er von diesem seines Amtes enthoben wurde«, Eine von der Militärregierung eingesetzte Untersuchungskommission kam jedoch zu der Stellungnahme, daß er nicht gegen das Gesetz Er« 52 verstoßen habe; er wurde daher nach etwa einem Monat wieder in sein Amt eingesetzt« Die Kontrolle des Vermögens der Klägerin wurde am 1o Mai 1948 aufgehoben« Die Rückgabe der Betriebe an sie erfolgte im Laufe des Mai 1948« b) der - früheren - Klägerin zu 2) 76o337?43 DM nebst Zinsen, Das Oberlandesgericht hat die Beklagte unter Vorbehalt der Beschränkung ihrer Haftung auf den Nachlaß ihres Ehemanns verurteilt, zu zahlen Mit der zunächst unbeschränkt eingelegten und begründeten Revision beantragt die Beklagte jetzt nur noch, das Berufungsurteil teilweise aufzuheben und die Klage auch insoweit abzuweisen, als sie wegen Verlustes von Lagerfässern zur Zahlung von 7*616 DM verurteilt worden ist* Im übrigen hat sie die Revision zurückgenoinmen* 67 über die Bestellung von Treuhändern für Vermögen unter Vermögenskontrolle vom 19« Juni 1947 - GVB1 So 143 - und durch die Aushändigung einer Bestallungsurkunde nach § 4 dieses Gesetzes begründet worden«, Sie ergebe sieh vielmehr auch ohne die in dem Treuhändergesetz getroffene Regelung bereits aus dem zwi-* sehen dem Treuhänder und dein Vermögensinhaber entstandenen gesetzlichen Schuldverhältnis* Die Beklagte könne daher gegen ihre Inanspruchnahme nichts daraus herleiten, daß ihr verstoz'bener iihemann von der Militärregierung zu dem Treu- dieses Gesetzes verpflichtet, das ihm anvertraute Vermö-gen pfleglich zu behandeln,, Diese Vorschrift, diente zwar in erster Linie der Sicherstellung der Vermögen im Interesse der von der Besatzungsmacht verfolgten politischen und wirtschaftlichen Ziele; sie deckte sich aber auch mit den Interessen der Vermögensinhaber und ließ Raum zu deren Berücksichtigung* Nur soweit die Besatzungsmacht im Einzelfall dem Treuhänder besondere Weisungen oder Richtlinien für seine Tätigkeit gegeben hatte, mußten demgegenüber die Interessen des Vermögensinhabers zurücktreten* Grundsätzlich löst jede schuldhafte Verletzung der Treuhänderpflichten die Brsatzpflicht gegenüber dem Ver-mögen3inhaber aus (§ 276 BGB)„ Bis zu dem Beweis des Gegenteils ist davon auszugehen# daß unwirtschaftliche und ordnungswidrige Maßnahmen des Treuhänders nicht dem Willen der Militärregierung entsprachen (LM Nre 10 zu § 304 ZB0)o Die Beklagten haben im Verlauf des Rechtsstreits selbst nicht behauptet, daß insbesondere die hier noch in Rede stehende Vernachlässigung der Fässer auf Weisungen der Militärregierung beruhe oder von dieser gebilligt worden 3ei„ Vielmehr mußten sie sich sagen, daß gemäß Art» III Hr« 4a (II) des MRG $2 die pflegliche Behandlung des Vermögens dem Willen der Militärregierung entspracho Das Berufungsgericht konnte deshalb ohne Rechtsirrtum ein schuldhaftes Verhalten des Beklagten annehmen» c)Bie Revision rügt ferner noch, das Berufungsgericht hätte prüfen müssen, ob die Haftung des Beklagten nicht in entsprechender Anwendung des § 680 BGB auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt seio Sie übersieht dabei, dafi diese Vorschrift nur anwendbar ist, wenn die Geschäftsführung die Abwendung einer dem Geschäftsherrn drohenden dringenden Gefahr bezweckte» Bas kommt hier auch nach den tatsächlichen Behauptungen der Beklagten nicht in Betracht,, Es komme nicht entscheidend darauf an, ob dem von der Klägerin insoweit beanstandeten Gutachten des Sachverständigen Ziegler zu folgen, sei, daß Fässer selbst bei schlechtester Behandlung kaum in 2 - 3 Jahren völlig ersticken könnten«, Bas Vorbringen der Beklagten, die Fässer hätten sich bereits bei der Übernahme der TreuhanderSchaft in einem überaus schlechten Zustand befunden und seien auch infolge ihres hohen Alters verbraucht gewesen, müsse demgegenüber "ohne Erfolg bleiben". 2o Die Revision macht geltend, wenn es nach dem Uut-achten des Sachverständigen Ziegler ausgeschlossen sei, daß während der kurzen Dauer der Treuhanderschaft die festgestellten Schäden hätten eintreten können, mußten die Pässer schon jahrelang vorher ungepflegt geblieben sein<> Die Beklagten seien aber nicht fUr eine nachlässige GeschäftsfUhrung der Klägerin selbst in der Zeit vor der Treuhänderschaft verantwortlich«, Es sei nicht einzusehen, daß sie den Verlust der lasser voll ersetzen sollten, da ihnen deren Pflege nur für einen im Vergleich zur Lebensdauer der Fässer sehr begrenzten Zeitraum obgelegen habe« ist sie für die RevisionsInstanz als richtig zu unterstellen« Dann kann aber den Beklagten der Verlust von 11 La-gerfäsaern möglicherweise nicht in vollem Umfang zur Last gelegt werden, weil sie für die Pflege der lasser nur während eines Zeitraumes von annähernd 3 Jahren verantwortlich waren« Die Passer müßten dann, wie die Revision mit Recht Das Berufungsgericht durfte es daher nicht unentschieden lassen, ob dem Gutachten in diesem Punkte zu folgen ist, ferner auch nicht das Vorbringen der Beklagten, die lasser hätten sich bereits bei Beginn der Treuhänders chaft in einem überaus schlechten Zustand befunden, als "erfolglos" bezeichnen* Wenn der Sachverständige Ziegler mit seiner Meinung recht hat, spricht viel.fUr die Richtigkeit dieses Vorbringens der Beklagten* Das Berufungsgericht nimmt in diesem Zusammenhang zwar an, daß die noch vorhandenen Fässer noch 20 - 30 Jahre verwendbar sind und in Qualität und Lebensdauer den unbrauchbar gewordenen Stücken etwa gleichwertig waren* konnten die Fässer aber erst in 7 - 8 Jahren völlig verderben, so bedarf es der weiteren Prüfung, ob dieser Verderb den Beklagten allein zur Last gelegt werden kann* Daß ein Teil der Fässer erhalten geblieben ist, kann im übrigen darauf beruhen, daß sie nicht alle in ganz oder halb .entleertem Zustand längere Zeit ungereinigt liegen geblieben sind* b) Das Berufungsgericht führt ferner noch an, es seien keine anderen Umstände ersichtlich und von den Beklagten geltend.gemacht, durch die die Fässer in den wenigen Jahren der Treuhänderschaft unbrauchbar geworden sein könnten* Damit setzt es sich, abgesehen von der Unvereinbarkeit mit dem Gutachten des Sachverständigen, in Widerspruch zu der vorerwähnten Stelle seines Urteils, an uer es diesbezügliches Vorbringen der Beklagten als "erfolglos" bezeichnet und ferner auch zur Wiedergabe des c) Die Würdigung des Sachverhalts durch das Berufungsgericht ist hiernach in diesem Punkte unzureichend und nicht frei von Widersprüchen» Sie läßt keine zuverlässige Prüfung durch das Eevisionsgericht zu, ob die Entscheidung dem sachlichen Hecht entspricht» Das gilt auch, wenn man berücksichtigt, daß der Tatrichter über den ursächlichen Zusammenhang und die Höhe des entstandenen Schadens gemäß § 287 ZPO nach seiner freien Überzeugung entscheiden konnte. müssen, mit welchen Zeiträumen für das völlige Ersticken und Unbrauchbarwerden solcher lasser zu rechnen ist» Sollte sich ergeben, daß danach der gänzliche Verderb einer Anzahl von Fässern der Beklagten nicht allein zur Last gelegt werden kann, so wird deren Ersatzpflicht sich mindern; es kann auch eine Teilung des Schadens gemäß § 254 BOB in Betracht kommen« Dabei wird nicht nur auf die Zeiträume absustellen, sondern es wird zu prüfen sein, inwieweit al-, le für den Verderb der Fässer ursächlichen Umstände vorwiegend von der einen oder anderen Partei zu vertreten sind« Im übrigen sei noch auf die Schadensberechnung des Sachverständigen Ziegler in seinem schriftlichen Gutachten vom 30o September 1958 hingewiesen, die für 33 Fässer nur zu einem Betrage von 7«886 DM kommt« bunden«, Das schließt nicht aus, daß es nach seinem freien Ermessen zu dem Nachteil einer Partei werten kann, wenn gewisse für die Schadensermittlung wesentliche Umstände wegen des Verhaltens dieser Partei nicht mehr völlig und zuverlässig aufgeklärt werden können«, Das Berufungsgericht hat von dieser Befugnis bereits bei der Entscheidung Gebrauch gemacht, für welche Zahl von Passern die Beklagte Ersatz zu leisten hat«, 5° Da das Berufungsverfahren infolge der Zurücksr-Weisung fortzusetzen ist, erweist es sich als erforderlich, daß das Berufungsgericht Uber die Kosten beider Vorinstanzen im ganzen neu entscheidet«, Die Kosten der Revision hat schon äetzt die Beklagte zu tragen, soweit sie die Revision zurückgenommen hat (§§ 566, 515 Abs«, 3 ZPO) ihr ist deshalb die Hälfte der Kosten des dritten Hechts-zuges aufzuerlegen (vgl«, § 92 ZP0)q Im übrigen ist auch die Entscheidung Über die Kobten der Revision dem Beru«.