BGH · VII ZR 72/64 vom 28.06.1965
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des 1o Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Stuttgart vom 19» Rebruar 1964 neb3t dem zugrunde liegenden Verfahren aufgehoben. Von Rechts wegen Dem Antrag der Klägerin gemäß hat das Landgericht den Beklagten aus einem AuftragsVerhältnis verurteilt, der Klägerin 9«953»59 UM nebst Zinsen zu zahlen und ihr einen Scheck, zwei Scheckbücher, ein Sparbuch sowie zahlreiche weitere Gegenstände herauszugeben. Mit der Revision will der Beklagte erreichen, daß die Klage, abgesehen von der Herausgabe der Schecks, der Scheckbücher und des Sparbuchs, abgewiesen wird. Die Revision rügt, indem sie sich auf den § 551 Nr. 1 ZPO beruft, daß das Berufungsgericht nicht vorschriftsmäfSig besetzt gewesen sei. Zivilsenat des Oberlandesgerichts in Stuttgart, der das angefochtene Urteil durch den Oberlandesgerichtspräsidenten, einen Oberlandesgerichtsrat und einen Hilfsrichter erlassen hat, gehörten zur Zeit der mündlichen Verhandlung gemäß dem Geschäftsverteilungsplan 5 weitere Beisitzer an, insgesamt ..ilso 7 Beisitzer. Eine solche Überbe-setzung verstößt gegen den Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG, wonach niemand seinem gesetzlichen Richter entzogen werden darf.Denn aus dem Zweck dieses Verfassungssatzes folgt, daß die Regelungen, die der Bestimmung des gesetzlichen Richters dienen - hier der Geschäftsverteilungsplan des Oberlandesgerichts - von vornherein so eindeutig wie möglich bestimmen müssen, welche Richter zur Entscheidung des Einzelfalles berufen sind. Nach den Maßstäben, die das Bundesverfassungsgericht - nach dem Erlaß des angefochtenen Urteils - in seinen Entscheidungen vom 24. Las Berufungsurteil ist daher nebst dem zugrunde liegenden Verfahren aufzuheben (§ 564 ZPO)» Die Sache ist an das Berufungsgericht zurückzuverweisen; der Beklagte hat Gelegenheit, zunächst dort seine sonstigen mit der Revision vorgebrachten Rügen, namentlich den Einwand der Erfüllung, vorzutragen.