BGH · VII ZR 57/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der VIIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 24® Oktober 1957 unter Mitwirkung der Bundesx’ichter Scheffler, Rietschel, Br* Winkelmann, Erbel und Ho Meyer für Recht erkannt; Des weiteren übernahm der Beklagte die Verpflichtung, während der Dauer der Vertretung und fünf Jahre lang nach einer Auflösung des Vertrages sich nicht in W-Ost nieOerzulassen® Der Kläger verpflichtete sich, bei einer Erkrankung ohne Zustimmung des Beklagten keinen anderen Vertreter zu nehmen und für den Pall seines Todes den Beklagten gegen eine näher geregelte Beteiligung seiner Witwe an den Einnahmen mit der Weiterführung der Praxis zu beauftragen« Der Beklagte hat Klagabweisung beantragt« Nach seiner Ansicht ist zwischen ihm und dem Kläger durch den Vertrag vom 1« August 1950 ein Arbeitsverhältnis begründet gewesen und deshalb das Arbeitsgericht zur Entscheidung über die Xla ge berufen« In der Sache hält er das fünfjährige Wettbewerbsverbot für sittenwidrig* allenfalls sei eine einjährige Sperrfrist zulässig? Die Ansicht des Berufungsgerichts, der Beklagte habe sich im Berufungsverfahren nicht mehr auf die Zuständigkeit des Arbeitsgerichts berufen können, weil er vor dem Landgericht zur Hauptsache verhandelt habe, und deshalb bedürfe es keiner sachlichen Prüfung dieser prozeßhinderuden Einrede, ist unzutreffend« lo) Bei dem Verhältnis der ordentlichen Gerichtsbarkeit gut Arbeibsgerichtsbarkeit handelt es sich um die Präge der sachlichen Zuständigkeit im Sinne des § 274 Abs« 2 ITr« 1 ZPO, nicht der Zulässigkeit des Rechtswegs für den geltend gemachten Anspruch (RGZ 158, 193 ; BGKZ 8, 16, 21; 16, 339, 545)« Der Beklagte hat die Einrede der sachlichen Unzuständigkeit des Standgerichts erhoben, bevor in der mündlichen Verhandlung zur Hauptsache verhandelt wurde (§ 274 Abs« 3 ZPO)« Das ergibt sich aus seiner Klagebeantwortung vom So Dezember 1955, den Sitzungsniederschriften des Landgerichts vom 90 Februar und 19« April 1956 sowie dem landgerichtlichen Urteil vom 7® Juni 1956« Damit hatte er sich die rechtliche Möglichkeit offen gehalten, die Zuständigkeit des Arbeitsgerichts auch im Berufungsverfahren einzuwenden«, Das folgt unmittelbar aus § 523 ZPO* Unerheblich ist es, daß der BekJagte, nachdem er die Einrede der sachlichen Unzuständigkeit erhoben hatte, auch zur Hauptsache'verhandelt hat* Da-durch, daß er keine abgesonderte Verhandlung über die prozeß« liindernde Einrede beantragte (§ 275 Abs* 1 ZPO), sondern nach Erhebung der Einrede zur Hauptsache verhandelte, verlor er nicht das Hecht, sich auch im Berufungsverfehren auf die Zuständigkeit des Arbeitsgerichts zu berufeno Einem Beklagten, der sich gemäß § 274 ZPO das Recht gesichert hat, die Entscheidung über die Einrede der Unzuständigkeit des ordentlichen Gerichts zu verlangen, wird dieses Recht durch § 528 ZPO nicht genommeno § 523 ZPO betrifft nur die Fälle, in denen der Beklagte vor dem erstinstanzlichen Gericht die Einrede der sachlichen Unzuständigkeit nicht v/irksam erhoben hat (.glo auch 3GKZ 14,4 72, 75)« Das Berufungsgericht hätte daher» worauf die Revision mit Recht hinv/eist, das Einredevorbringen des Beklagten sachlich . 2«) Die Einrede des Beklagten, das Arbeitsgericht sei zur Entscheidung über die Klage zuständig, ist nach den vom Berufungsgericht getroffenen Feststellungen sachlich begründet« Der Beklagte hatte sich durch den Vertrag vom 1® August 1950 in ein persönliches und wirtschaftliches Abhüngig-keitsverhältnis sum Kläger begeben® Seine ärztliche Arbeitskraft hatte er weitgehend dem Kläger zur Verfügung zu stellen und nach dessen Weisungen einzusetzen® Wenn er auch zunächst nur zv/cical wöchentlich für diesen die Sprechstunden abzuhalten hatte, so mußte er doch auch die an diesen Tagen anfallenden Tagund Kachtbesuche bei Kranken aus-fliliren® Darüber hinaus hatte er den Kläger* auf Verlangen an weiteren Tagen zu vertreten sowie Krankenbesuche zu machen, und für die kommenden Jahre war - unter Erhöhung des ihm garantierten Mindestgehalts « eine ausgedehntere Beschäftigung vorgesehen® Daß der Beklagte nicht unter der Bezeichnung "Assistenzarzt", sondern "Vertreter" des Klägers tätig war, ist für die rechtliche Beurteilung seines Verhältnisses zu dem Kläger ohne Bedeutung® Die persönliche Abhängigkeit des Beklagten vom Kläger ergab sich aus den im einzelnen'vertreglich übernommenen Fflichten® Ebenso ist es unerheblich, daß der Beklagte die Patienten nach eigener Entschließung behandeln durfte® Diese Selbständigkeit entspricht dem Wesen der ärztlichen Tätigkeit® Sie ändert nichts daran, daß der Beklagte hinsichtlich der Arbeitszeit, cer auszuführenden Krankenbesuche und auch im inneren Be tri el) der Praxis den Weisungen des Klägers unterlag* Im Übrigen bestand auch eine solche Weisungsfreiheit insoweit nicht, als er bereits in der Behandlung des Klägers befindliche Patienten weiter su behandeln hatte» Neben dieser persönlichen Bindung an‘den Kläger und dessen Praxis bestand auch die für das arbeitnehmerähnliche Verhältnis wesentliche wirtschaftliche Abhängigkeit vom Kläger« Da der Beklagte einerseits dem Kläger weitgehend in der Pi’axis zur Verfügung stehen mußte und er andererseits eine eigene ärztliche Tätigkeit weder in seiner Wohnung noch von dort aus ausserhalb derselben ausüben durfte, war er auf das ihm vom Kläger gezahlte Gehalt angewiesen« Daß er dabei nicht soll, sondern nur zeitweise eingesetzt war, ohne seine beruflichen Fähigkeiten weiter wirtschaftlicheausnutzen zu dürfen, hobt seine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Kläger besonders stark hervor« Schließlich spricht für seine wirtschaftliche Abhängigkeit auch der Umstand, daß der Kläger ihn für den Fall der Erkrankung versichert hatte« 3o) Da es sich nach alledem um eine Arbeitssache handelt, für die die Zuständigkeit der Arbeitsgerichte begründet ist, der Beklagte auch die Unzuständigkeit der ordentlichen Gerichte wirksam gerügt hat, mußte das angefoch« tene Urteil und ebenso das landgerichtlicho Urteil auf die jfiä’v ision hin aufgehoben werden« Der Zurückverweisung an das Berufungsgericht bedurfte es nicht (It GZ 170, 2P.6,