BGH · VII ZR 38/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
der einen nach menschlichem Ermessen in Vegetation bestehenden Wärme-umwandler aufweisen müsse* Im Dezember 1949 versprach er in einem "Preisausschreiben" 25 000 DU dem« der beweise, daß seine vorerwähnte Auffassung falsch sei, sowie weitere 25 000 DM demv der den Beweis erbringe, daß das Innere der Sonne und der übrigen Pixsterne gasförmig heiß sein müsse und bestimmte Temperaturen und Druckverhältnisse aufweise» Das Preisausschreiben wurde bis zu dem 31* Dezember 1950 befristet» Ob die Beweise geführt seien, sollten im Zweifelsfalle drei unabhängige Sachverständige entscheiden, unter denen sich zv/ei Astronomen oder Physiker und ein Jurist befinden mußten» Die Kosten der Entscheidung hatte der unterliegende Teil zu tragen. Um die beiden Preise von je 25 000 DM bewarb sich die Astronomische Gesellschaft e» V® in Hamburg, vertreten durch Prof® Br» Heckmann als Vorstand® In einem längeren Schriftwechsel einigten sich und Prof, lauf die Kläger Prof» Dr» SfliB und Prof» Dr» II sowie den inzwischen verstorbenen Prof» Dr® jur, den Vater der Klägerin Hechtsanwältin Sibylle als Preisrichter» Die Entscheidung des Preisgerichts mußte einstimmig gefällt sein® In seinem Schreiben an Prof, HflHI vom 5« Dezember 1950 wies BpHI u» a® darauf hin, daß seine "Lage bezüglich der Sachverständigen außerordentlich prekär" sei, da sowohl Prof® Heflp flBl als auch Prof, SHHHP seine Ansicht nicht teilten® Weiter führte er aus, Prof* HflBHHlhabe sich auf anerkannte und durch vielfältige Erfahrungen gesicherte physikalische Gesetze gestützt, die er als bekannt voraussetze * Es könne von HflBBl nicht erwartet werden, daß er diese Gesetze selbst noch begründe oder erkläre* Wenn man diese Gesetze nicht anerkennen wollte, wäre für eine Diskussion der ganzen Frage keine Grundlage mehr vorhanden. Hachdem er darin zu den einzelnen Funkten der Preisschrift Stellung genommen hatte, erklärte er abschließend, er müsse daher zu dem Ergebnis kommen, daß die BBHBeche Auffassung durch die erste Preis schrift als widerlegt betrachtet werden müsse* im Aufträge der Astronomischen Gesellschaft vorgelegte Preisausschreiben den Beweis liefere, daß die von Herrn vertretene Auffassung falsch sei* nach welcher im Innern einer nur außen heißen Sonnenhül-le ein fester Kern vorhanden sei, der einen Wär-meumwandler aufweisen müsse, welcher menschlichem Ermessen nach in Vegetation bestehe 0 Hierzu bemerkte das Preisgericht, daß nach seiner Auffassung die Anforderungen eines Beweises erfüllt seien, wenn die zur Widerlegung der von dem Auslobenden vertretenen Theorien benutzten Ansichten auf den zur Zeit geltenden wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen..*1 mischen Gesellschaft die in der Sitzung vom 29, August 1951 gefällte Entscheidung des Preisgerichts bekannt mit dem Zusatz, daß damit die erste Preisfrage zugunsten der von ihr vorgelegten Preisschrift entschieden und auf Grund der getroffenen Vereinbarung der ausgesetzte Preis von 25 000 DM an sie zu zahlen sei. te Eueren, daß er einen ordnungsgemässen Schiedsspruch solange nicht als vorliegend anzuerkennen vermöge., als nicht seine sämtlichen Argumente, die für seine Auffassung und gegen die Ausführungen in der Preisbcv/erbung und die gegenwärtig herrschende Auffassung sprächen, eingehend in objektiver Weise abgehandelt seien* Hierzu nahm Prof, P^B Hl^in Schreiben an die beiden anderen Preisrichter unu BflHB eingehend Stellung, Er wies darauf hin, daß das Preisgericht einstimmig entschieden habe und das Verfahren keine Mängel aufv/eise. sellrchaft auf PestStellung, daß dieser gegen ihn kein Anspruch auf Zahlung von 25 000 DIfi zustehe# Die Astronomische Gesellschaft erhob Widerklage auf Zahlung von 25 000 DM« Der Widerklage wurde stattgegeben, BHlBs Berufung und Revision hatten keinen Erfolg, Mit der vorliegenden Klage verlangen die Kläger für ihre Tätigkeit als Preisrichter von den Beklagten als Rechtsnachfolgern Zahlung eines Honorars von je 750 DM nebst Zinsen, der Kläger Prof, He^^^^ ferner Auslagenersatz in Höhe von 25,80 DM, gekommen \var0 Danach hatten die Preisrichter die ihnen übertragene Entscheidung zu fällen, und fid|hatte ihnen hierfür ein Honorar zu zahlen« Gegen diese rechtliche Wertung und gegen die Höhe der von den Klägern verlangten Honorare haben die Beklagten schon in der Vorinstanz keine Einwendungen erhoben« Vielmehr haben sie von dem von ihnen geltend gemachten Schadensbetrag von 14 37??81 DM - 8 279?80 DM Prozeßkosten und 6 100 DM als Teilbetrag der Urteilssumme des Vorprozesses - die eingeklagten Honorare und Auslagen von zusammen 2 273?80 DM abgezogen und den verbleibenden Betrag von 12 106?01 DM mit der Widerklage geltend gemacht« Auch die Revision greift die Verurteilung der Beklagten nur deshalb an? 1o) Das Berufungsgericht hat einen Schadensersatzanspruch der Beklagten gegen die .Kläger verneint« Es sieht in den Preisrichtern keine Schiedsgutacher, sondern meint? daß sich deren Aufgabe der von Schiedsrichtern genähert habe» Sie hätten nach dem Willen und der Astronomischen Gesellschaft endgültig darüber entscheiden sollen, ob der in dem Preisausschreiben in Aussicht gestellte Preis der Astronomischen Gesellschaft zustehe» Als Schiedsrichter hafteten sie aber den Parteien wegen Pflichtverletzungen bei der Fällung des Schiedsspruchs nur wie ein ordentlicher Richter mit der sich aus § 839 Abs«, 2 BGB ergebenden Beschränkung» Sie könnten demnach für den sich aus einer AmtspflichtVerletzung ergebenden Schaden nur dann in Anspruch genommen werden, wenn die Pflichtverletzung mit einer im Wege des gerichtlichen Strafverfahrens zu verhängenden öffentlichen Strafe bedroht sei, beispielsweise wegen Richterbestechung (§ 334 StGB), Rechtsbeugung (§ 536 StGB) oder auch Betrugs ( § 236 StGB)* Es bestehe jedoch nicht der geringste Anlaß anzunehmen, daß die drei Preisrichter sich einer solchen Straftat schuldig gemacht hätten» Die Preisrichter hätten BflP auch das rechtliche Gehör (§ 1041 Abs» 1 Ziffer 4 ZPO) gewährt und ihre Entscheidung durch die Bezugnahme auf die ausführlichen schriftlichen Stellungnahmen der Professoren HeflMHB und Schaefer und die eingehende mündliche Erörterung in der Verhandlung begründet» 2») In dem Vorprozeß BflBBIs gegen die Astronomische Gesellschaft hat der V» Zivilsenat des Bundesgerichtshofs in seinem Urteil vom 14» Juni 1955 (BGHZ 17; 366? 372) ausgoführt, die Aufgabe der drei Preisrichter habe sich der von Schiedsrichtern genähert« Sie hätten ihre Entscheidung entsprechend der eine präzise wissenschaftliche Fragestellung enthaltenden Auslobung nicht etwa wie Schiedsgutachter nach billigem Ermessen oder gar nach freiem Belieben, sondern gewissermaßen als Richter zu treffen gehabt» Ihrer Ansicht, ein Preisausschreiben, nach dem die Entscheidung von Preisrichtera nur dann angerufen werden solle, wenn Zweifel bestünden, ob die Bewerbung der Auslobung entspreche, könne kein Preisausschreiben i« S. Zwar unterscheidet sich das Preisausschreiben nach § 661 BGB von der gewöhnlichen Auslobung nach § 657 BGB dadurch, daß nicht bereits die Leistung, sondern erst die Entscheidung des Preisrichters den Anspruch auf den Preis begründet« In § 661 Abs. 2 Satz 1 BGB ist jedoch auch der Fall geregelt, daß ein Preisrich- 4o) Bas Berufungsgericht hat seine Ansicht, Eueren selbst habe den Spruch der Preisrichter als eine flir beide Teile verbindliche und endgültige Entscheidung betrachtet wissen wollen, aber auch mit Recht ruf den Inhalt des Schriftwechsels BH^^mit Prof. Das Berufungsgericht hat diesem Schreiben nicht, wie die Revision meint, entnommen, daß durch spätere Abreden zwischen BBB| und der Astronomischen Gesellschaft die rechtliche Stellung der Preisrichter eine Änderung erfahren habe - auf die es übrigens ebenfalls ankommen würde sondern es hat daraus geschlossen, daß Buercn von Anfang an von den Preisrichtern eine endgültige verbindliche Entscheidung erwartet höbe, ohne deren Nachprüfung durch ein anderes Gremium oder etwa gar durch ein ordentliches Gericht ins Auge zu fassen. PflIBIP Bedenken geäussert hatte, ob sich die Astronomische Gesellschaft statt ihrer einzelnen Mitglieder um den Preis bewerben könnte, so schließt das nicht aus, den über diese Bedenken des Prof. 5.) Da nach den zutreffenden Ausführungen des Berufungsgerichts die Preisrichter einen dem Urteil ordentliche;: Richter gleichkommenden Spruch zu fällen hatten, hat sie das Berufungsgericht mit Rocht als Schiedsrichter behandelt. 1.) Die Revision meint weiter, auch wenn man den Erst- und den Zweitkläger sowie den Prof« P^M^als Preisrichter i« Sc des § 661 BGB ansehe, sei ihre Entscheidung nachprüfbar, denn diese widerspreche den nach Treu und Glauben auszulegenden Bestimmungen des Preisausschreibens«, Bie Preisrichter seien dem eigentlichen Sinn des Preisausschreibens nicht gerecht geworden-habe stets gewußt, daß seine Thesen zu den geltenden wissenschaftlichen Erkenntnissen in Gegensatz ständen« Um ihnen die gewünschte wissenschaftliche Beachtung zu verschaffen, habe er die Preise ausgesetzt„ Er habe dadurch klarstellen wollen, daß die geltenden wissenschaftlichen Erkenntnisse ebenso nur Arbeitshypothesen seien wie seine eigenen Thesen« An die Richtigkeit solcher Arbeit sthesen könne man nur glauben, beweisen lasse sie sich nicht« Bas habe er aufzeigen wollen und deshalb einen naturwissenschaftlich und logisch eindeutigen Beweis gefordert« Biese Umstände seien den Preisrichtern bekannt gewesen« Sie hätten sie aber bei ihrem Spruch nicht berücksichtigt «. Baß aber die Preisrichter sich Uber den von ihnen erkannten Sinn und Zweck des Preis aus3Chreibens, wie ihn die Revision verstanden wissen will bewußt hinveggesetzt hätten, hat das Berufungsgericht ausdrücklich verneint« Es hat nicht verkannt, dass Buerens zwischen Hypothesen und tf juristisch einwandfreien Beweisen" unterschieden wissen wollte« Es ist aber der Ansicht, dai* die Schiedsrichter in juristisch einwandfreier tfeiss die von vertretenen Thesen als durch die geltenden wissenschaftlichen Erkenntnisse für ’widerlegt angesehen haben« Die Preisrichter hätten, so stellt es fest, in Anbetracht der im Preisausschreiben gesetzten kurzen Zeit von einem Jahr und der noch kürzeren Zeit bis zu ihrer Entscheidung nicht anzunehmen brauchen, daß die geltenden wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht als Beweismittel habe gelten lassen wollen, sondern neue Forschungen verlangt habe« Diese auf tatsächlichem Sebiet liegenden Feststellungen binden das Revisionsgericht, Daß das Berufungsgericht dabei gegen § 286 oder § 139 2P0 verstossen hätte, kann der Revision nicht zugegeben werden« Die Auslegung des Preisausschreibens und der späteren Schreiben durch das Berufungs-