BGH · VII ZR 37/62
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der VII« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom T8® April 1963 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Glanzmann und der Bundesrichter Dr* Winkelmann, Rietsche1, Dr<> Heimann-Trosien und Bro Pinke für Recht erkannt: und 1956 in den Neubauten des Beklagten in Str« 0 und B^m^pstr« jetzt Istr0 ^B, Malerarbeiten ausgeführt« Nach Ansicht |s schuldet der Beklagte für diese Arbeiten einen restlichen Werklohn von 330,77 DM für das Haus \V< kostenpreis habe arbeiten wollen und daß er dem Beklagten einen Architektenauftrag erteilt habe« Die Einrede der Verjährung hält sie für unbegründet« % Im Gegensatz zu dem Landgericht hält das Oberlandesgericht den eingeklagten Werklohnanspruch nicht fiir verjährt* Es ist der Ansicht, die Forderungen W^H^^s verjähren erst in vier Jahren, weil dessen Leistungen für den Gewerbebetrieb des Beklagten erbracht worden seien (§ 196 Abs« 1 Er* % Halbsatz 2 i«V«m« Abs« 2 BGB)« Hierzu führt es aus, der Beklagte unterhalte ein Architekten-buro, also ein der Öffentlichkeit zugewandtes Unternehmen, das seinem Inhaber dazu diene, sich einen dauernden geschäftlichen Gewinn zu verschaffen« Das Bauen von Häusern gehöre zu dem Gewerbebetrieb des' Architekten« Auch das Bauen eigener Häuser zähle zu dessen gev/innbringender Stätigkeit, zu demal wenn er sie vermiete oder weiterveräußere« Ob das Vermieten von Wohnungen und Geschäftsräumen durch den Eigentümer anders zu beurteilen ist, wenn dieser beabsichtigt, sich aus der Vermietung eine auf Ge-' winn gerichtete, dauernde, berufsmäßige Erwerbsquelle zu verschaffen (RGZ 74, 150; 94, 162 f; Staudinger-Going aaO Anm« 18; RGRK BGB aaO Anm« 13), bedarf keiner näheren Untersuchung« Für das Vorliegen derartiger besonderer Umstände hat die - hierfür beweispflichtige (Enneccerus-Nipperdey Allg« Teil 15«Auflo § 233 I t, So 1409; Erman aaO BGB 3o Aufl« Anm« 3c)- Klägerin in den Tatsacheninstanzen nichts dargetän« Vielmehr hat der Beklagte ohne ihren Widerspruch vorgebracht,er habe das Haus str« erbaut, um daraus eine Versorgung für sein Alter zu haben« Allerdings ist die Planung, Leitung und Beaufsichtigung von Bauten ein wesentlicher Teil, wenn nicht die eigent liehe Tätigkeit eines Architekten* Es läßt sich auch nicht leugnen, daß ein Architekt, wenn er für sich ein Haus errichten läßt, dies wegen seiner Fachkunde ~"ünd seiner geschäftlichen Beziehungen unter besonders günstigen Umständen tut* Bas allein aber macht den Bau eines eigenen Hauses durch einen Architekten weder zu einem Teil seines Gewerbebetriebs noch zu einer gewerbsmäßig Tätigkeit schlechthin«» Maßgebend hierfür ist vor allem das mit dem Bau verbundene Erwerbsstreben (BGHZ 33, 325f)o Glaubt der Architekt, in seinem Berufe besser zu verdienen, wenn er, anstatt fUr fremde Bauherren zu arbeiten, schlüsselfertige Häuser für sich herstellt, um sie alsdann mit Gewinn zu verkaufen, so ist eine solche Tätigkeit sicherlich eine gewerbsmäßige * Benn sie bezweckt nicht in erster Linie die Ausnutzung des Eigentums an den Baugrundstücken, sondern geschieht zur Erzielung von Gewinn aus der berufsmäßigen Architektentätigkeito Erbaut ein Architekt dagegen ein Haus, um privat darin zu wohnen oder um es ganz oder teilweise durch Vermietung zu nutzen, so wird sich der Beruf des Bauherrn als Architekt zwar in der Regel verbilligend auf die Baukosten auswirken; aber zu einem Gewerbebetrieb wird der Hausbau deshalb in der Regel noch nicht* Benn die Eigenschaft des Bauherrn als Architekt läßt den mit dem Bau verfolgten privaten Zweck grundsätzlich unberührt* c) Nach der unbestrittenen Darstellung des Beklagten hat dieser das Haus OdHH^stro nicht zu gewerblichen Zwecken gebaut, sondern um sich für sein Alter ein Einkommen zu sichern« Bei dieser Sachlage trifft die Ausnahmevorschrift des § ^96 Nr0 1 BGB entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts nicht zu« Forderungen von Bauhandwerkern aus Leistungen für einen solchen Bau verjähren nach der Regel des § 196 BGB in zwei Jahren* Der im Jahre 1956 entstandene Klageanspruch wäre also verjährt, weil er erst im Jahre 1959 gerichtlich geltend ge« macht worden ist (§§ 196 Nr« 1, 198? 2« Die Klägerin ist der Einrede der Verjährung noch aus weiteren Gründen entgegengetreten* Diese hat das Landgericht zwar nicht für gerechtfertigt erachtet; das Berufungsgericht hat hierzu jedoch keine Stellung genommen, weil es die Verjährungseinrede schon nach § 196 Abs« 1 Nr° 1, Abs« 2 BGB nicht als begründet ansieht« Da der Rechtsstreit insoweit noch nicht zur Entscheidung reif ist, ist das angefochtene Urteil zur Nachholung dieser Prüfung aufzuheben*