BGH · VII ZR 435/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Klägerin machte die Lieferung deB Wagens davoh abhängig, daß eine deutsche Außenhandlungsbank ihr und ihrer Bank, der Ippp di H^p, die Bereitstellung des genannten Betrages bestätigte. In zwei gleichlautenden Briefen vom 19* März 1951 bestätigte die Beklagte der Klägerin und deren Bank den Inhalt des Telegramms» Ba die Zollbehörde nach Ablauf der Vormerkfrist di Wiederausfuhr des Wagens forderte und die Genehmigung für eine entgeltliche Einfuhr nicht zu beschaffen war, gab ter dem 9» Oktober 1951#folgende Erklärung ab* Hierzu hat sie angeführt, sie hätte auch den von Ax^H^& SfllH) übernommenen Wagen nicht nach Deutschland geliefert , wenn sie gevmßt hätte, daß der bei der Hfli^-Bfl^-Bank bereitgestellte Betrag für StflHIV uhü nicht für sie bestimmt gewesen sei® Ihre Auskunft sei für die Lieferung des Ersatzkraftwagens auch nicht ursächlich gewesen» Die Klägerin habe in ihrem Schreiben vom 9» Oktober 1951 auf alle Ansprüche verzichtete Landgericht und Oberländesgerieht haben die Klägerin mit ihrer Klage abgewiesen - Mit der Revision verfolgt die Klägerin den Klageanspruch weiter. Io Das Berufungsgericht ist der Auffassung, ein die Beklagte zu sorgfältiger Auskunfterteilung verpflichtender Vertrag sei zwischen dieser und der Klägerin nicht zustande gekommen. über dem, welchem die Mitteilung auf Veranlassung eines Dritten übersandt worden sei, habe die Rechtsprechung (RGZ 52, 366 f; 114, 289 f; 126; 50, 52) zwar anerkannt« Eine solche Haftung setze aber voraus, daß der Empfänger der Bescheinigung auf sie entscheidende Maßnahmen gründen wolle und daß dies den Aussteller ohne weiteres (RGr Seuff Arch 80, 18 f) erkennbar sei» Die Beklagte habe unstreitig nicht gewußt, daß die Klägerin die Lieferung des Kraftfahrzeugs von der Sicherstellung des Kaufpreises für sie» selbst abhängig gemacht habe* Auch aus den Umständen sei das für die Beklagte nicht eindeutig erkennbar gewesen. Sie habe insbesondere ohne näheren Einblick in die Zusammenhänge nicht annehmen können, daß die Klägerin zur Lieferung des Wagens schon dann bereit sein v/ürde, wenn sie nicht durch die zahlende, sondern durch eine dritte Bank von der Bereitstellung des Kaufpreises benachrichtigt würde« Diese Ausführungen werden, wie die Revision mit Recht hervorhebt, der eingangs angeführten Rechtsprechung des Reichsgerichts, der auch der Bundesgerichtshof (BGHZ 12, 105, 108) und der erkennende Senat (Urteil vom 21o Hovember 1957 - VII ZR 25/57 - ) gefolgt sind, nicht gerecht« Sie beruhen ferner auf einer unzureichenden und deshalb gemäß § 286 ZPO zu beanstandenden Würdigung des in den Tatsacheninstanzen festgestellten Sachverhalts« 1«) Wie zwischen den Parteien unstreitig ist, war die Klägerin zur Lieferung des von der Firma ArflBM & Sd^bei gekauften AI^R^p-Coupls nur bereit wenn ihr von einer Außenhandelsbank bescheinigt wurde, daß der für den Kraftwagen zu zahlende Kaufpreis von 4«000 US-Dollar für sie sichergestellt sei« Die Klägerin hatte die Lieferung des Wagens, also eine für sie ent- daß die Klägerin die Lieferung des Wagens von dem Inhalt der ihr erteilten Auskunft abhängig gemacht hatte. Hiernach sind die Voraussetzungen für eine ver -fragliche Inanspruchnahme der Beklagten, wie im Gegensatz zu den Ausführungen des Berufungsgerichts angenommen werden muß, erfüllt« 2«) Baß die Beklagte bei der Abfassung des Telegramms und der dieses bestätigenden Schreiben vom 19» Mäi 1951 fahrlässig gehandelt hat, hat das Berufungsgericht in anderem Zusammenhänge selbst dargelegt« Ein Rechtsirrtum tritt darin nicht zutage« Der Beklagten konnte auch bei geringer Aufmerksamkeit nicht entgehen, daß die Bestätigung der eine Bereitstellung- des darin genannten Betrages zugunsten der Klägerin nicht enthielt« Da das Schreiben an St|pgerichtet war, mußte sie auf Grund ihrer besonderen Kenntnisse* als ~ Bank die Klägerin bestimmt war® Allerdings ist in dem Schreiben selbst der Zahlungsberechtigle nicht genannt« Eeraer ließ der im zweiten Absatz der Mitteilung enthaltene Hinweis auf die Notwendigkeit einer Zahlungsormächtigurig der Landeszentralbank die Möglichkeit zu, daß die versprochene Zahlung für einen Devisenausländer, der Stru-bind nicht war, bestimmt war« Dennoch durfte die Beklagte angesichts des Inhalts der Bestätigung und ihres Adres institute habe begnügen und von dieser die Entscheidung * über die Lieferung habe abhängig machen wollen.* Indessen keit seiner Auskunft für eine wichtige Maßnahme des Emp- * fängers der Nachricht erkennbar ist« Dieses Erfordernis ^ ist hier nach den fcstgesteilten Sachverhalt gegeben« richtigen, daß der zur Verfügung gestellte Betrag zur Auszahlung an die Klägerin bestimmt seic Eine solche Mitteilung war nach den Schreiben der Rfll^HflB^Bank keinesfalls gerechtfertigt. Vielmehr beruhen die in den Verlautbarungen der Beklagten enthaltenen, ohne nähere Nachprüfung vorgenommenen Abweichungen von dem Wortlaut und Inhalt der Bestätigung der RÜ^R^^-Bank, wie das Berufungsgericht des Näheren dargelegt hat, auf einem Verschulden der in Betracht kommenden Angestellten der Beklagten. Einer Erörterung, ob das Berufungsgericht den weiterhin auf ein außervertragliches Verschulden (§ 826 BGB) der Beklagten gestützten Ersatzanspruch der Klägerin mit Recht verneint hat oder nicht, bedarf es daher nicht. träges von einer legalen Einfuhr des von Strübind geteuften Fahrzeugs abhängig gewesen«, Diese Bedingung habe die Klägerin aber nicht erfüllt« Vielmehr sei eine Einfuhrsperre über ausländische Kraftfahrzeuge verhängt worden, und die Bemühungen um eine Einfuhr- und Devisengenehmigung seien fehlgeschlagen« Die Aufhebung der Einfuhrsperre abzuwarten, sei der Käuferin ArflHI & nicht zuzu demuten gewesen= Die Klägerin hätte also bei korrektem Verhalten auf die Durchführung des Geschäfts verzichten müssen und hätte den bei der RHH^KfllVBank für sie bereit gestellten Betrag ebenfalls nicht erhalten« Auch diese Ausführungen sind nicht frei von recht- i liehen Bedenken« Schon der Ausgangspunkt des Berufungsgerichts für die Bemessung des der Klägerin aus der unrichtigen Auskunft erwachsenen Schadens bedarf der Berichtigung« Nach § 249 EGB hat der zu dem Schadensersatz Verpflichtete den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn der zu dem Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre« Der zu dem Schadensersatz verpflichtende Umstand ist hier die unrichtige Mitteilung der Beklagten« Diese enthielt nicht etwa selbst ein Zahlungsversprecheri an die Klägerin, sondern gab nur den Inhalt einer an StflHBl gerichteten Erklärung der Zahlungsbereitschaft fehlsam wiederoDie Beklagte hat hiernach der Klägerin den Schaden zu ersetzen, der dieser durch die unrichtige Auskunft entstanden ist, d«h« sie hat die Klägerin so zu stellen, wie diese stehen würde, wenn ihr keine oder eine richtige Auskunft erteilt worden wäre« Es kommt daher darauf an7 wie sich die Klägerin verhalten haben würde, wenn die Beklagte dem Ansinnen StflBV8 nicht entsprochen oder den Inhalt des Schreibens der BflH^^l^pBank unverändert an die Klägerin weitergegeben hätte « Die Annah- Nun hat allerdings die Klägerin, wie das Berufungsgericht festgestellt hat, wegen der Unmöglichkeit, einen fabrikneuen Kraftwagen gegen Zahlung des Kaufpreises einzuführen, nicht den von an verkauften Wagen geliefert, sondern auf Carnet de--passages einen gebrauchten Kraftwagen, der angeblich Ausstellungs- und Vorführzwecken dienen sollte« Ob sich die Klägerin aber zur Einfuhr dieses Wagens entschlos-' sen hätte, wenn ihr bekannt gewesen wäre, daß der bei der BÜ^-Bf^-Bank bereit gestellte Betrag nicht zur Zahlung an sie bestimmt sei, bleibt zu prüfen. III« Eine Ersatzpflicht der Beklagten ist nach dem bisher festgestellten Sachverhalt nicht auszuschließen« Bas angefochtene Urteil war daher aufzuheben« Das Oberlandesgericht wird nunmehr zu prüfen haben, ob die Klägerin sich zur Lieferung des Ersatzkraftwagens wegen der Auskunft der Beklagten oder aus anderen damit nicht in Zusammenhang stehenden Gründen entschlossen hat« Sollte das Gericht die Schadensersatzpflicht der Beklagten bejahen, so wird es weiterhin zu untersuchen haben, ob und gegebenfalls in welchem Umfange bei der Entstehung des Schadens ein eigenes Verschulden der Klägerin mitgewirkt hat (§ 254 BGB)«