BGH · VII ZR 286/63
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der VII® Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung von 15o November 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Glanzmann und der Bundesrich-ter Dr® Heimann-Trosien? habe er 2hr die drei Sparbücher übergeben und ihr die Sparguthaben abgetreten Hilfsvveiae hat die Klägerin das Klagebegehren darauf gestützt5 sie habe im Hinblick auf die in Aussicht genommene Heirat den Erblasser seit der Währungsreform bis zu seinem Tode gepflegt und aus ihren Mitteln beköstigto Ihre Aufwendungen für 5 Mahlzeiten täglich seien mit mindestens ? Das Berufungsgericht hält nicht für bewiesen3 daß der Erblasser die Forderungen aus den Sparguthaben bereits zu seinen Lebzeiten an die Klägerin abgetreten habeo Auch Ansprüche der Klägerin aus einem Schenkungsversprechen auf den Todesfall verneint es«, Jedoch hält es das Klagebegehren aus ungerechtfertigter Bereicherung (§ 812 Abs* 1 Satz 2 2o Alternative) für begründet0 Dazu hat es festgestellt: Es sei bewiesen, daß der Erblasser seit der Währungsreform bis zu seinem Tode - abgesehen von Krankenhausaufenthalten und Urlaubsreisen - sich ständig tagsüber bei der Klägerin aufgehalten und daß diese ihn gepflegt und aus ihren Mitteln mit 3 Mahlzeiten täglich beköstigt habeo Der Erblasser habe der Zeugin ScflHflHP gegenüber eingeräumt 9 daß er der Klägerin dafür nichts zahle, und dies damit begründet, die Klägerin müsse zu dem geplanten Hausbau etwas beitragen,, er wolle sie heiraten, sobald das Haus fertig sei9 ihr aber jedenfalls für den Fall seines vorzeitigen Todes etwas vermachen« Die Klägerin habe mit ihren Leistungen den Zweck verfolgt^ dera Erblasser die Beschaffung der Mittel zu dem Bau des Hauses zu erleichtern, um nach der ihr versprochenen Heirat zu einer Wohnung oder, falls der Hausbau nicht mehr ausgeführt worden sollte, als Erbin ihres Verlobten in den Genuß seiner Ersparnisse zu kommen0 Dieser mit ihren Leistungen verfolgte Zweck sei ’'Gegenstand einer bindenden Willenseinigung” geworden« Der mit den Leistungen bezweckte Erfolg sei aber nicht eingetreten, weil der Erblasser vor Erstellung des Hauses und vor der Eheschließung gestorben sei, auch keine Verfügung von Todes wegen zu Gunsten der Klägerin hinterlassen habe« Der Erblasser habe während eines Zeitraums von 11 1/2 Jahren durch die Leistungen der Klägerin eigene Aufwendungen für seine Beköstigung und für die Inanspruchnahme einer anderen Pflegeperson - er sei viel krank gewesen - mindestens in Höhe des Klagebeltrages erspart * daß die Klägerin sich dem Erblasser gegenüber zu ihren Leistungen vertraglich verpflichtet hat® Sie hat sich nicht etwa als Haushälterin des Erblassers betätigt; dieser ist vielmehr immer in ihre Wohnung gekommen und ist dort von ihr gepflegt und beköstigt wordene Ein wesentlicher Teil der Leistungen der Klägerin bestand ferner in den geldlichen Aufwendungen für die Beköstigung des Erblassers, also nicht in Dienstleistungen* § 812 Abs« 1 Satz 2 BGB ist gerade dann anwendbar, wenn • wie hier - dem Leistenden kein Anspruch auf eine Gegenleistung zusteht, den er nach den Grundsätzen des Vertragsrechts durchsetzen könnte* Eine vertragliche Bindung hat offenbar auch das Berufungsgericht nicht angenommen0 Zweck der Leistungen der Klägerin nicht aus«, Es kann dahingestellt bleiben* ob der Erblasser etwa zuletzt insgeheim nicht mehr beabsichtigt hat, das Haus zu bauen und die Klägerin zu heiraten, gegebenenfalls ein Testament zu ihren Gunsten zu erricht en«, Maßgebend ist nur, wie sein Verhallten von der Klägerin zu verstehen war«, Die Revision bittet um Nachprüfung, ob dem Klageanspruch nicht die Vorschrift des § 1301 Satz 2 BGB entgegenstehe, wonach im Zweifel die Rückforderung von unter Verlobten gegebenen Geschenken ausgeschlossen ist, wenn das Verlöbnis durch den Tod eines der Verlobten aufgelöst worden isto 5o) Die Revision verkennt nicht, daß § 814 BGB im Falle des § 812 Abs» 1 Satz 2 BGB im allgemeinen nicht zu dem Zuge kommt (RGZ 71, 316; 98, 2379 239; 129, 307 ] o In der zuerst angeführten Entscheidung hat das Reichsgericht zwar eine andere Beurteilung für möglich gehalten, sofern der Leistende die Gefahr des Nichteintritts des Erfolges übernommen oder sonst zu dem Ausdruck gebracht habe, daß er auf einen Erstattungsanspruch verzichte«, Diese Voraussetzungen liegen aber nach den Feststellungen des Berufungsgerichts hier nicht vor0 Die Klägerin hat ihre Leistungenian den Erblasser im Einverständnis mit ihm nur erbracht, weil er sie heiraten und dann in das geplante Haus aufnehmen, gegebenenfalls ein Testament zu ihren Gunsten errichten wollte0 6<J Da der Klageanspruch nicht auf einem Dienstvertrag beruht, kommt auch keine Verjährung nach § 196 Abs* 1 Nr0 8 BGB in Betrachte Der Anspruch der Klägerin aus ungerechtfertigter Bereicherung ist, wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, erst mit dem Tode des Ei'blassers entstanden, als sich der Nichteintritt des mit ihren Leistungen bezweckten Erfolges herausstellte, und ist selbsi bei Annahme einer Verjährungsfrist von zwei Jahren vor derer Ablauf eingeklagt worden«