BGH · VII ZR 284/56 vom 11.02.1957
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fiel sie unter das Gesetz Nr 52 der Militär-' regierung, Ihr Vermögen wurde unter Kontrolle genommene Im Jahre 1950 wurde der Betrieb aus der Vermögenskontrolle entlassenv Die Beklagte befindet sich jetzt in Liquidation* Am 1* März und 7- Oktober 1948 hatte die Beklagte zwei Schreiben an den Kläger gerichtet, die seine Honorarforderung zu dem Gegenstand hatten. In dem Brief vom 7» Oktober 1948, einem Rundschreiben an die Gläubiger der Beklagten, weist diese u:a, darauf hin, daß sie als ehemaliger Rüstungsbetrieb dem Gesetz Nr 52 unterliege und daher unverändert unter Property Control stehe. Eine sichere Gewähr für die ordnungsgemäße Abwicklung von Verbindlichkeiten aus der Zeit vor dem Zusammenbruch sei aber dadurch gegeben, daß ihr*Werk durch einen Treuhänder verwaltet werde. Anfang Juni 1955 hat der Kläger die vorliegende Klage auf Zahlung seines Honorars erhoben» Die Beklagte hat die Einrede der Verjährung erhoben« Der Kläger ist der Ansicht, der Einrede stehe der Gegenein-wand der unzulässigen Rechtsausübung entgegen« Durch die Schreiben der Beklagten aus dem Jahre 1948 habe er sich von der Erhebung einer Klage abhalten lassen» Der Inhalt dieser Schreiben habe nämlich in ihm den Glauben erweckt, er könne mit weiteren abschließenden Erklärungen über die Zahlungsbereitschaft und Zahlungs-möglichkeit der Beklagten rechnen« Daß die Sperre über das Vermögen der Beklagten aufgehoben worden sei, habe er nur zufällig und erst kurz vor der Klageerhebung erfahren» Dies hat die Beklagte bestritten» Der Senat folgt zwar mit dem Berufungsgericht der vom Reichsgericht in ständiger Rechtsprechung vertretenen und vom II, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGHZ 9, 1 übernommenen Ansicht, daß gegenüber der Verjährungseinrede der Einwand der Arglist gegeben ist, wenn ein Gläubiger auf Grund des Verhaltens seines Schuldners nach verständigem Ermessen annehmen durfte, ein Rechtsstreit werde nicht erforderlich sein oder die Verjährungseinrede werde nicht erhoben werden, und wenn er infolgedessen die Klageerhebung aufgeschoben hat, Der Senat kann aber nicht der Meinung des Berufungsrichters bei treten.- Diese Meinung würde dazu führen, daß der Kläger auch nach Ablauf von 30 und mehr Jahren die Verjährungseinrede nicht gegen sich gelten zu lassen brauchte, wenn er erst dann die Kenntnis von der Entsperrung erhalten hätte. Abgesehen von dieser allgemeinen Erwägung kommt dem Zeitablauf'hier auch noch nach anderer Richtung Bedeutung zu-- Wie das Reichsgericht in einigen seiner Entscheidungen (vgl RGZ 115, 135; 142, 280/284/) her-vorgehoben hat und wie auch das Berufungsgericht annimmt, kommt es darauf an,' ob der Gläubiger nach verständigem Ermessen ausreichenden Anlaß hatte, die Kla~ geerhebung aufzuschieben. Ein Gläubiger darf also nicht mehr untätig bleiben, wenn seit der Erklärung des Schuldners, die ihn zunächst verständigerweise von einem Vorgehen gegen diesen abhalten konnte, so viel Zeit verstrichen ist, daß ihm bei vernünftiger Würdigung der Umstände jene Erklärung nicht mehr ausreichend erscheinen durfte, um Schritte gegen den Schuldner zu unterlassene Im vorliegenden 3?all hätte das jahrelange Schweigen der Beklagten den Kläger auch trotz der Briefe vom 1, März 1348 und 7c Oktober 1948 veranlassen müssen, irgendwelche Schritte zur Wahrung seines Anspruchs zu unternehmen, sei es auch nur in der Richtung, daß er sic’i bei der Beklagten nach dem Stand der Angelegenheit erkundigteo Wenn auch die Beklagte in Aussicht gestellt hatte, sich wieder zu melden, falls von der Militärregierung neue Anordnungen ergingen-, so hätte der Kläger doch bedenken müssen, daß das Vermögen der Beklagten unter Umständen entsperrt werden würde und daß damit Anordnungen' der Militärregierung für dieses Vermögen nicht mehr in Frage kämen3