BGH · VII ZR 210/64 vom 19.01.1967
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Um das in § 20 Abs. 1 GOA vorgesehene Entgelt von 15 $ (statt 10 i<>) der Gesamtgebühr für einen Vorentwurf als Einzelleistung berechnen zu können, braucht der Architekt mit dem Auftraggeber keine besondere Vereinbarung zu treffeno Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des 5 o Zivilsenats des Oberlandesgerichts in Düsseldorf vom 15 © Mai 1964 teilweise aufgehoben und der Beklagte zur Zahlung weiterer 620 DM nebst 4 $ Zinsen seit dem 20f Juli i960 an den Kläger verurteilt© Der Beklagte hat bestritten* den Kläger mit der Planung und Bauleitung für den Wiederaufbau beauftragt zu habeno Er habe ihn lediglich gebeten* die Fluchtlinien seines Grundstücks festzustellen* und ihm die Bescheinigung vom 50 Februar 1959 nur erteilt* damit er bei der zuständigen Behörde die Hausakten habe ein-sehen können® Berufung des Klägers hat das Oberlandesgericht ihm als Teilgebühr für einen Vorentwurf (§ 19 (1} a GOA) 1o240 DM nebst Zinsen zugesprochen«, Mit seiner Revision verfolgt der Kläger den Klaganspruch* soweit er abgewiesen worden ist* weitero Der Beklagte bittet* die Revision zurückzuweiseno Entscheidungsgründe: Das Berufungsgericht hält nicht für erwiesen* daß die Parteien einen alle Leistungen des § 19 GOA umfassenden Vertrag geschlossen haben«, Das Schreiben vom 5o Februar 1959 stelle nach dem eigenen Sachvortrag des Klägers nicht die Vertragsurkunde dar* Es biete aber auch keinen ausreichenden Beweis für die Richtigkeit der Behauptung des Klägers* ein solcher Vertrag sei mündlich abgeschlossen und Beklagten mit dem Schreiben bestätigt wordene In dem Io Halbsatz des Schreibens werde der Kläger gegenüber der zuständigen Behörde ermächtigt* die Hausakten einzusehenc. In dem 2* Halbsatz werde als Grund für die Ermächtigung angegeben* daß der Beklagte ihn mit der Planung und Bauleitung für das Haus beauf“ tragt habeo Diese an sich überflüssige - Begründung möge der Kläger für erforderlich gehalten haben* um gegenüber der zuständigen Behörde sein Interesse an der daß der Beklagte dem Kläger einen Auftrag des in dem Schreiben wiedergegebenen Inhalts erteilt habeö Die gesamten Umständehsprächen jedoch gegen eine solche Auftragserteilung o So sei noch nicht hinreichend geklärt gewesen;, ob das Grundstück überhaupt und gegebenenfalls unter welchen Auflagen habe neu bebaut werden dürfen0 Das Schreiben vom 5o Februar 1959 habe gerade diese Feststellung ermöglichen solleno Die Annahme? ob und in welcher Weise das Grundstück habe bebaut werden können* Deshalb hat es dem Kläger die Teilgebühr aus § 19 H) a GOA für einen Vorentwurf zuerkannt * 1«) Bas Berufungsgericht hat nicht die Beweislast verkannte Ber Kläger muß beweisen« daß er mit dem Beklagten einen alle Architektenleistungen umfassenden Vertrag geschlossen hato Hierfür beruft er sich auf die von ihm diktierte und vom Beklagten unterschriebene Bescheinigung vom 5« Februar 1959° Er behauptet jedoch seibet nicht« daß dieses Schreiben die Vertragsurkunde darstelleg vielmehr sollanach seinem Vortrag der eigentliche Vertrag schon vorher mündlich geschlossen und die Bescheinigung nachträglich ausgestellt worden seine. 2cr Burch das keine Vertragsurkunde darstellende Schreiben könnte allerdings zugunsten des Klägers die Beweislast umgekehrt sein« wenn der Beklagte darin gegenüber dem Kläger anerkannt hätte« mit ihm einen Architektenvertrag des angegebenen Inhalts geschlossen zu haben0 Bie Wertung durch das Berufungsgericht als eine dem Kläger gegenüber dem Bauamt erteilte Vollmacht zur Einsichtnahme in die Hausakten« in der zugleich die Erteilung dieser Ermächtigung damit begründet wird<, daß der Kläger mit der Planung«, Bauleitung und Betreuung der zu errichtenden Gebäude beauftragt sei«, kann jedoch aus Rechtsgründen nicht beanstandet werdeno Bamit hat das Berufungsgericht nicht« wie die Revision meint« unter Verstoß gegen § 133 BGB einer klaren und zweifelsfreien Erklärung eine ihrem Wortlaut widersprechende Deutung gegeben- Der Wortlaut der Bescheinigung läßt durchaus die Deutung zu» daß sie nur als für das Bauamt bestimmte Vollmacht bestimmt war« Daß sie die objektiv unrichtige- auch wohl entbehrlich gewesene Erklärung enthält» der Beklagte habe den Kläger mit den darin genannten Architekten— Leistungen beauftragte schließt nicht die Würdigung des Berufungsgerichts aus» der Kläger habe diese von ihm diktierte Erklärung für erforderlich gehalten um gegenüber dem Bauamt ein berechtigtes Interesse an der Akteneinsicht nachzuweisen* 3o) Ein Indiz für den Abschluß eines Vertrags des in dem Schreiben aufgeführten Inhalts stellt die vom Beklagten erteilte Bescheinigung nach Ansicht des Berufungsgerichts jedoch dar* Indessen läßt seine An-’ sichtp die gesamten Umstände sprächen aber gegen eine solche Auftragserteilung* kein Bechtsfehler erkennen* Sie stützt sich auf tatrichterliche Erwägungen«, die das Hevisionsgericht binden* b) Zu Unrecht meint die Revision^ der Beklagte müsse darlegen und beweisen» daß seine Erklärung be*» wußt falsch gewesen sei und der Irreführung der Behörde gedient habe* Eine dahingehende Behauptung hat der Beklagte im Rechtsstreit nicht aufgestellt * Er hat betont» er ha be den Kläger nur gebeten«, die Fluchtlinien seines (Grundstücks festzustellen* d) Daß sich Bauherr und Architekt bei Abschluß des Architektenvertrags noch nicht über die Einzelheiten eines vorgesehenen Bauwerks einig zu sein braucheno ist gegenüber der Begründung des Berufungsgerichts unerheblicho Der Beklagte kann es für zweckmäßig gehalten haben«, dem Kläger den beschränkten Auftrag zu erteilenr festzusteilen«, wie und in welchem Umfang sein Grundstück bebaut werden durfte0 Der Um-stand«, daß sich die Dr nicht ausführbar erwiesen haben«, weil er darin nicht berücksichtigt hat«, daß die Straßenfront des Grundstücks 3 m kürzer wird als von ihm vorgesehen«, spricht dafür«, daß die Entschließung des Beklagten zweckmäßig war« Es ist auch anzunehmen«, daß der Beklagte«, wenn er dem Kläger alle Architektenleistungen in Auftrag gegeben hätte«, sich vor Anfertigung des Entwurfs und der weiteren Zeichnungen zunächst einmal den Vorent-wurf.zur Genehmigung hätte vorlegen lassen«. daß der Kläger den Be klagten nicht das übliche Vertragsformular hat unter--schreiben lassen* durfte es aber als auffallend und gegen den Abschluß des behaupteten Architektenver™ trags sprechend anseheno "Die allgemeinen Leistungen o»©,,© können mit den vollen Gebührensätzen des § 10 berechnet werden"., so bedeutet das, daß diese Sätze die Regelvergütung des Architekten darsteilen«, die er ohne eine besonderem Vereinbarung verlangen darf© Die in anderen Bestimmungen der GOA wiederkehrende gleiche Ausdrucksweise kann aber dann dort«, also auch in § 20 (1)? die Anfertigung eines zur Ermittlung der Bebauungsfähigkeit des Grundstücks erforderlichen Vorentwurfs als Einzelleistung in Auftrag gegeben® Der Kläger kann deshalb für den Vorentwurf 15 der Gebühr des § 10 GOA«, also nicht nur 1 o240 DM«?