BGH · VII ZR 183/64 vom 24.04.1964
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Er hat insbesondere geltend gemacht, die Kollektion sei nicht fertig gewesen, es seien ihm lediglich 5 Teile gezeigt wordene Der Beklagte habe als erster seine Ver-tragspflichten verletzt und ihm - dem Kläger - die '>itr ■ -erbeit unmöglich gemacht. Allerdings war der Beklagte für das Vorliegen eines wichtigen Grundes beweispflichtlg« Er hatte daher darzutun, daß sein Sohn den Kläger erfolglos zur Aufnahme der Reisetätigkeit aufgefordert habe» Diesen Beweis hat das Berufungsgericht aber - wie bereits erwähnt - durch die Aussagen der Zeugen als erbracht angesehen„ Wenn es seine Überzeugung durch den Brief des Klägers vom 13« Februar 1962 nicht als erschüttert betrachtet hat, so lag das im Rahmen der ihm zustehenden tatrichterlichen Würdigung« Der in diesem Zusammenhang erhobene Revisionsangriff richtet sich also in Wirklichkeit nur gegen diese Würdigung und ist daher gemäß § 561 ZPO unzulässig. Zu Unrecht meint sie, das Berufungsgericht hätte deshalb eine von dem Sohn des Beklagten erteilte Anweisung nicht als eine solche des Beklagten selbst an-sehen dürfen• Ent scheidend war, daß der Kläger von 'er Fertigstellung der Kollektion - gleichviel von wem -Kenntnis erhalten hat. Br hätte daraufhin unverzüglich mit seiner saisonbedingten Reisetätigkeit beginnen müssen o Sein Schreiben vom 4° März 1962 hat das Berufungsgericht ohne Rechtsfehler dahin gewertet, es lasse nicht erkennen, daß der Kläger noch bereit gewesen sei, mit der Kollektion auf Reisen zu gehen. Aus dem (Tatbestand seines Urteils (BU 9) ergibt sich auch, daß der Beklagte das behauptet, also den gegenteiligen Vortrag des Klägers bestritten hat. 4» Das Berufungsgericht hat weiter ausgeführt: Da der Kläger seine Hauptverpflichtung schwer verletzt habe, sei dem Beklagten nicht mehr zuzu demuten gewesen, mit ihm, seinen einzigen Vertreter, weiter zusammenzuarbeiten; einer Abmahnung des vertragswidrigen Verhaltens habe es nicht bedurft Sein Kündigungsrecht v;erdc nicht dadurch ausgeschlossen, da in seinem Betrieb nach dem Vorbringen des Klägers im Jahr<~ Der erkennende Senat hat zwar in seinem Urteil vom 29* November 1965 (BGHZ 44, 271, 275) ausgesprochen, daß im Rahmen der gebotenen Gesantwürdigung aller Umstände bei einer fristlosen Kündigung das eigene Verhalten des Kündigenden eine erhebliche Holle spielen könne, Er hat aber in diesem Urteil auch auf mehrere andere Entscheidungen hingewiesen, in denen er die fristlose Kündigung eines Vertragsteils gebilligt hat, obwohl dieser sich selbst ver-tragsv/idrig verhalten hatte. Hier handelt es sich zudem nicht wie in BGHZ 44, 271 um die Geltendmachung eines Schadensersatzanspruchs, der ausgeschlossen wäre, wenn auch der andere Vertragsteil aus wichtigem Grunde hätte kündigen können; es geht nur darum, ob die fristlose Kündigung des Beklagten gerechtfertigt war, Die Ausführungen des Berufungsgerichts lassen erkennen, daß cs den gesamten Vortrag des Klägers berücksichtigt hat, auch dessen Behauptung, der Beklagte habe ihm nicht vertragsgemäß Rechnung gelegt und seine Provisionen gezahlt. Verhalten des Klägers ohne Rechtsfehler eine Fortsetzung des Verti'agsverhältnisses als für den Beklagten nicht zu demutbar ansehen» Der Kläger hat selbst nicht etwa behauptet, daß er db Bearbeitung der Frühjahrskollektion von der Tr~ füllung der Verpflichtungen des Beklagten zur Rechnungslegung und Provisionszahlung abhängig gemacht habe,, Sein bereits erwähntes Schreiben vom 4o März 1962 läßt das nicht erkenneno Es kann dem Berufungsgericht ferner aus Rechtsgründen nicht entgegengetreten werden, v/enn es bei der hier gegebenen Sachlage vor Ausspruch der fristlosen Kündigung eine Abmahnung des Beklagten gegenüber dem Kläger nicht für erforderlich gehalten hat, auch nicht im Hinblick darauf, daß eine Vertragsdauer von 10 Jahren vereinbart war (vglo dazu das Urteil des erkennenden Senats vom 9» Jan» 1964 VII ZR 107/62 S» 10)» Der Kläger mußte sich darüber klar sein, von welcher Bedeutung die Bearbeitung der Früh-jahrslcollektion durch ihn als einzigen Vertreter für den Beklagten war, Dieser hat nach der Feststellung des Berufungsgerichts deo Schreiben nicht widersprochen» Es hält dadurch allein den Beweis, daß die \brede dem Vortrag des Klägers entspre weil der Beklagte auch sonst, wie der Kläger mehrfach hervorgehoben habe, kaufmännisch nicht korrekt verfahren sei, vor allem was die Abrechnungen für den Kläger selbst und die Zahlungen an ihn angehe• Die Revision meint, das Berufungsgericht hätte demgegenüber erwägen müssen, daß die Parteien erst seit Oktober I960 in Geschäftsverbindung gestanden hätten und daß daher die Kenntnis des Klägers von den Geschäftsmethoden des Beklagten noch nicht groß gewesen sei; ein Kaufmann dürfe sich auch nicht auf seine eigene geschäftliche Inkorrektheit berufene Es braucht nicht darauf eingegangen zu werden, ob die Begründung des Berufungsgerichts rechtlich unbedenklich ist» Jedenfalls brauchte es aus dem Schweigen des Beklagten auf das Schreiben des Klägers vom 5° Mai 1961 nicht zu folgern, daß die hier geltend gemachte Forderung begründet seio Bas Schreiben war kein Bestätigungsschreiben, dessen stillschweigender Hinnahme unter Kaufleuten rechtliche Bedeutung zukommt» Es handelte sich dabei nicht un eine zusammenfassende Wiedergabe vorangegangener Vereinbarungen der Parteien, die den Zweck haben soll, deren Inhalt festzulegen (vgl„ dazu BGH in BB 1961, 271 u0 1963, 918), sondern um ein Mahnschreiben.