BGH · VII ZR 183/59
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Bin zu Spielzwecken gegebenes Darlehen ist jedenfalls dann wegen Sittenwidrigkeit nichtig, wenn der Darlehensgeber aus eigenem Gewinnstreben gehandelt hat und wenn es sich um für den Darlehens|»&mer nicht unbedeutende . Der Kläger ist Inhaber eines Spiel salons in Zu seinen regelmäßigen Gästen gehörte seit 1952 der früher mit verklagte Ehemann der Beklagten, der Kaufmann und Elektroingenieur Richard CSBHB:» Dieser ließ sich mehrfach*, wenn er im Spiel verloren hatte, vom Kläger darlehensweise größere Beträge vorstrecken, um damit weiterzuspielen» Nach kurzer Zeit schuldete er dem Kläger aus diesem Darlehen 12»500 DM« 1) Mit Recht sieht das Berufungsgericht den zwischen dem Kläger und dem Ehemann der Beklagten abgeschlossenen Darlehensvertrag als nichtig an* § 762 BGB findet allerdings keine Anwendung, da es sich nicht um eine Spielschuld, sondern um eine Darlehensschuld handelt. Ein zu Spielzwecken gegebenes Darlehen ist nicht in jedem Falle als sittenwidrig und deshalb nichtig anzusehen (KGZ 67, 355)* Es ist es aber nach der in stähdiger Rechtsprechung vertretenen Auffassung des Reichsgerichts, der sich der Senat anschließt, jedenfalls dann, wenn der Darlehensgeber das Darlehen aus eigenem Gewinnstreben gewährt hat, so insbesondere, wenn der Darlehensgeber der Inhaber oder Kassier des Spielbetriebs ist iRGZ 70, 1; Diese Voraussetzungen sind hier gegeben* Der Kläger war Inhaber des Spielsalons, er erhielt nach den nicht angegriffenen Feststellungen des Berufungsgerichts von den dort getätigten Umsätzen 5 i» "Kartengeld"• Die von ihm hingegebenen Darlehensbeträge dienten also dazu, den Ehemann der Beklagten zu dem weiteren Spielen anzureizen und auf diese Weise die für ihn gewinnbringenden Umsätze des Spielsalons zu erhöhen. Deshalb liegen auch die Ausführungen des Berufungsgerichts und der Revisionsbegründung über die Höhe der von dem Kläger erzielten Vorteile neben der Sache. Unerheblich ist auch, daß das damals betriebene Ecart&-Spiel zu dem Zeitpunkt, als der Kläger die Darlehen gewährte, noch polizeilich geduldet war und erst später verboten worden ist. So lag der Fall hier, zu demal die Darlehen in Form von Chips gegeben wurden» Dabei ist es unerheblich, inwieweit es bei dem Spiel neben dem Zufall auch auf die Geschicklichkeit des einzelnen Spielers ankam und ob das vom Kläger veranstaltete Ecartespiel unter den Begriff des Glücksspiels nach § 284 StGB fiel (dazu einerseits EG JW 1928, 2240, andererseits BVerwG NJY/ , I960, 1684)« Jedenfalls spielte der Zufall eine ganz erhebliche Bolle. Entscheidend ist, die allgemein bekannte Tatsache, daß die Spieler in Spielsalons dieser Art leicht dem Spieltrieb verfallen; dies wird noch befördert, wenn der Veranstalter des Spiels seinen Gästen zu dem Weiterspiel Geld vorstreckt und sie damit in die Gefahr bringt, immer tiefer in Spielschulden zu geraten» Derartige Darlehensgeschäfte verstoßen jedenfalls dann gegen d.ie guten Sitten, wenn es sich, wie hier, bei den möglichen und auch tatsächlichen Verlusten r und dementsprechend den Darlehen -um Beträge handelt, die in die Tausende gehen» Die Duldung solcher Spiele durch die Behörde ist deshalb keinesfalls geeignet, derartigen Spieldarlehen ihre sittliche Verwerflichkeit zu nehmen (vgl. 2) a) Das Berufungsgericht folgert daraus auch die Nichtig-keit des von Kichard CflHHHPund der Beklagten abgegebenen Schuldanerkenntnisseso Es geht davon aus, daß eine derartige abstrakte Verpflichtungserklärung zwar grundsätzlich nicht von der Unwirksamkeit des ihr zugrundeliegen-den Kausalgeschäfts berührt werde, der Versprechende vielmehr auf einen Bereicherungsanspruch beschränkt bleibe. Im gegebenen Fa^l sei aber in Ziffer II der Vereinbarung ausdrücklich auf die "in rechtmäßiger Weise" erfolgte Darlehenshingabe verwiesen und damit der Darlehensvertrag auch zu dem Inhalt des Schuldanerkenntnisses gemacht worden. Denn jedenfalls hat der Kläger, indem er sich die nichtige Spieldarlehensforderung durch das Schuldanerkenntnis der Ehefrau des Darlehensnehmers noch bestärken ließ, hierdurch erneut gegen die guten Sitten verstoßen» Deshalb kann, die Beklagte, die weder an dem Spiel noch an dem Darlehensgeschäft beteiligt war und selbst nicht sittenwidrig gehandelt hat, in jedem Falle nach § 817 Satz 1 BGB das von ihr abgegebene Schuldanerkenntnis von dem Kläger zurlickfordern und infolgedessen die Zahlung aus diesem verweigern (vgl. e) Unbegründet ist schließlich auch die Revisionsrüge, das Berufungsgericht habe nicht beachtet, daß der Abgabe des Schuldanerkenntnisses eine Umwandlung der Darlehensschuld in eine abstrakte YSechselverpflichtung vorangegangen sei. Dafür geben schon die Feststellungen des Berufungsgerichts keinen Anhaltspunkt» Aus Ziffer II der Vereinbarung ist vielmehr zu entnehmen, daß das dem Schuldanerkenntnis zugrunde liegende Geschäft die Darlehensverpflich-tung sein sollte und die Wechsel nur Sicherheits- oder erfüllungshalber gegeben worden sind» Im übrigen kann auch eine abstrakte Wechselverpflichtung - jedenfalls im Verhältnis zwischen den unmittelbar Beteiligten - ebenso wie ein abstraktes Schuldanerkenntnis gemäß § 817 BGB zurückgefordert werden»