BGH · VII ZR 180/84 vom 28.03.1985
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HOAI § 4 Eine Absprache, wonach der Architekt zunächst "auf eigenes Risiko" arbeiten und eine Vergütung für die von ihm erbrachten Leistungen nur bei Eintritt einer bestimmten Bedingung erhalten soll, fällt nicht unter § 4 Abs.4 HOAI und bedarf deshalb auch nicht der Schriftform. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung von 28# März 1985 durch den Vorsitzenden Richter Dr, drisch sowie die Richter Dr. Recken» Doerry# Prof* Dr* Walchshöfer und Quack für Recht erkannt* Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe - 14. Tatbestands Der Kläger* ein Architekt* verlangt Honorar fitr die Vorplanung eines Bauvorhabens» das auf de» Grund* stick der Beklagten* eines Bauträgeriiöternehmens* in W, durehgeftlirt werden sollte, aber nicht durehge-führt worden ist. Die Beklagte hat eingewendet » daß der Kläger auf eigenes Risiko gearbeitet habe? Anfang 1981 mündlich vereinbart, daß der Klüger jedenfalls die Vorplanung für die Bebauung des Grundstücks ausführen sollte♦ Eine Bezahlung habe er allerdings erst erhalten sollen, wenn das Projekt sich auch realisieren lasse. Mit Rücksicht auf den «erwarteten weiteren Geschäftskontakt« habe der Kläger das Risiko tragen sollen, daß er «seine Architektenarbeiten möglicherweise umsonst getätigt,l habe» Auf der Grundlage dieser Pläne habe die Beklagte dann ihrerseits zu demindest eine mit einer Ausstellung verbundene Verkaufsveranstaltung durchgeführt und auch wiederholt Interessenten an den Kläger als ihren zuständigen Architekten verwiesen. Diese Regelung sei aber mangels Einhaltung der nach den Vorschriften der HOAI erforderlichen Schriftform gemäß § 125 BGB nichtig* Dabei könne dahinstehen, ob der Kläger seine Forderung bis zur Durchführung des Bauvorhabens gestundet, sich also mit einer "anderen Zahlungsweise" (§8 Abs.4 HOAI) einverstanden gezeigt eder ob er einen "bedingten Honorarverzicht" erkürt habe# Auch die Vereinbarung eines von der Durchführung des Bauvorhabens abhängigen Ar chitekt ©»honor ars sei «etwas anderes« im Sinne des § 4 Abs# 4 BOA! Im übrigen falle der Umstand» daß die Beklagte ihre Vorstellungen von der Verwertung des Grundstücks geändert habe, nicht sehr in das Honorarrisiko, das der Kläger bei der Auftragserteilung habe auf sich nehmen wollen und sollen* a) Verträge der Art* daß der Bauherr die Bezahlung der Irchitektenleistiiagen von der Durchführung des Bauvorhabens abhängig machte und der Architekt seinerseits im Hinblick auf den zu erwartende» Auftrag das Risiko übernahm, seine Vorarbeiten «sonst geleistet zu haben, waren zu der Zeit» als di© Vergütung der Architekten sich nach der GOA richtetet nicht «gewöhnlich* Das hat der Senat in einem Pall betont» in dem die Honorarklage abgewiesen wurde» weil der Architektenvertrag unter der - nicht eingetreteaeii - Bedingung geschlossen worden war» daß der Kaufvertrag über das Baugrundstück zustande komme (Urteil vom 15* Oktober 1966 - VXX ZR 251/64 « Schäfer/Piimern Z 3.00 Bl. 113; vgl« auch Soergel in MünchKomm. März 1966 - VII ZR 130/64 » Schäfer/Pinnern Z 3.00 Bl, 102), Mit der Begründung, eine von den Parteien vereinbarte Bedingung sei nicht eingetreten - etwa weil die vom Architekten zu vermittelnde Finanzierung nicht gelungen war oder eine;-Brücke dann doch nicht nach den Plänen des Architekten gebaut wurde hat der Senat aber auch später noch wiederholt die von Berufungsgerichten vertretene Ansicht aus Rechtsgründen nicht beanstandet» daß der Architekt Jeweils Mauf eigenes Risiko** gearbeitet habe» weshalb er Honorar nicht verlangen könne (Urteile vom 31» März 1969 - VII ZR 37/67 « Schäfer/Pinnern Z 3»01 Bl. 405? Daneben hat der Senat auch die auf tatrichterlicher Würdigung der Umstände des Einzelfalles beruhende Auffassung der Berufungsgerichte gebilligt» daß ein “unverbindlicher" Bebauungsvorschlag als "kostenlos" zu verstehen sei tmd der Architekt sich an seine Zusage» er werde die Bebauungsund Finanzierungsmöglichkeiten "kostenlos" ermitteln, festhalten lassen müsse (Urteile vom 28, März 1968 - VII ZR 145/65 « Schäfer/Finnern Z 3.01 Bl. 380; 20, Juni 1968 - VII ZR 64/66 = Schäfer/Finnern Z 3.00 Bl. 144). HOAl, 2* Auf1,i S, 1046j Hesse aaö» § 1 H0A1 Rdn, 2 £; Hartmann, Die neue Ronorarordaung für Architekten und Ingenieure - HOAI - Erläuterungen Teil 4, Kapitel 1 Rdn. 7; Kapitel 2 § 4 Rdn. 6)» Daß die Rechtsprechung des Senats zu der hier interessierenden Frage mit Inkrafttreten der HOAI gegenstandslos geworden sei, wird denn auch » soweit ersichtlich - im Schrifttum nirgends angenommen (vgl, z.B. Locher/Koeble/Frik, Dafür, daß die Beklagte den Eintritt der Bedingung wider Treu und Glauben verhindert habe C§ 162 Abs. 1 BGB), hat der Kläger nichts vorgetragen; dafür ist auch sonst nichts ersichtlich. Unter Aufhebung der angefochtenen Entscheidung ist seine Berufung gegen das die Klage abweisende Urteil des Landgerichts daher mit der Kostenfolge aus den §§ 91» 97 ZPO zurückzuweisen.