BGH · VII ZR 174/61
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Klägerin macht für den durch Kaskoversicherung nicht gedeckten Teil des Schadens und für ihren Verdienstausfall den Beklagten haftbar« Sie hat mit der Klage beantragt>,den Beklagten zu verurteilen, ihr 6o 257 j74 DM nebst Zinsen zu zahlen» Sie hat vorgetragen* der Unfall.sei allein darauf .zurückzuführen, daß die Fußbremse des Motorwagens an der Unfallstelle versagt habe» Dies beruhe darauf, daß der Hebel an der Reifenfüllflasche auf "Reifen Füllen", statt wie es hätte sein müssen, auf "Fahrt" gestanden habe» Dadurch seien die BremsZylinder von der Zufuhr neuer Druckluft abgeschnitten gewesen« Den Hebel hätten die Söhne des Beklagten* seine Oehilfen* als sie die Brennstoffleitung instandsetzten und sich mit ihren Körpern in den Motorraum hätten hineihbeugen müssen, versehentlich umgestelit. Das sei auch nach den technischen Gegebenheiten nicht anzunehmeno Daß der Hebel richtig auf MFahrt" gestanden habe, als der Bastzug die Werkstatt des Beklagten 'verließ , werde dadurch bestätigt* daß bei der Weiterfahrt bis zur Unfall-steile die Fußbremse einwandfrei .gearbeitet habe*, Die Straße von DflM nach führe durch steigendes und fallendes Gelände, sei sehr kurvenreich und stark befahren«, Es sei daher als sicher anzunehmen, daß der fah**er häufig, mindestens mehr als achtmal die Bremse habe treten müssen«, Diese hätte nach so häufiger Betätigung nicht mehr gewirkt, wenn der Hebel in der Werkstatt des Beklagten verstellt worden wäre* ' Es spreche auch nichts dafür, daß bei dem Unfall die Bremse versagt habe« Der dahingehende Eindruck des Fahrers könne nicht richtig sein* Die durch die Dia- • sei auf eine wirksame Betätigung der Bremse zurückzufüh-ren» Nach dem Unfall habe auch niemand von einem Versagen der Bremse gesprochen.» 1« Es bedarf keiner Erörterung, ob unter den vorliegenden Umständen der Beklagte den Beweis dafür führen müßte, daß er es bei seiner Arbeit an der gebotenen Sorgfalt nicht habe fehlen lassen (vgl« dazu BGHZ 23, 288, 2 90)« Hier müßte zunächst bewiesen werden, daß die Söhne des Be-* klagten durch Umstellen des Hebels überhaupt den objektiven Tatbestand einer positiven Vertragsverletzung verwirklicht und dadurch den Unfall verursacht haben« Dieser Be -weis obliegt auf 'jeden .-Fall'^ iClägfrin« Der erkennende Senat hat«das schon mehrfach für gleichgelagerte Fälle ausgesprochen (vgl« z«B« das Urteil vom 17« Oktober I960 - VII ZB 86/59 -)« Bei Zugrundelegung der Feststellungen des Berufuhgsgerichts kommt auch kein Anscheinsbeweis zu Gunsten der Klägerin in Betfacht« daß die Söhne des Beklagten den Bebel umgestellt hätten, und es sei auch nicht auszuschließen, daß der Hebel erst nach dem Unfall verstellt worden sei« Dieses hat dargelegt, B^^ sei zwar, nachdem er einen gleichen Bastwägen besichtigt habe, zu dem Ergebnis gekommen, daß der Hebel in der Stellung "Fahrt" bei Auswechslung der Brennstoffleitung durch zwei Handwerker störend in deren Arbeitsbereich liege, die Störung jedoch beseitigt werden wenn der Hebel auf "Reifen Füllen" gestellt werde« Es sei aber "durch nichts belegt", daß der von dem Sachverständigen besichtigte Lastkraftwagen in jeder Einzelheit dem Motorwagen der Klägerin gleiche« Die Auffassung von stehe, wie die vorliegende fotografi- weil es sie als nicht in Einklang mit den technischen Gegebenheiten stehend ansah» DerLatrichter konnte im Rahmen der ihm nach § 286 2PÖ zustehenden freien BeweiswUrdigung auf Grund eigenen Anschauungsmaterials und mit näherer Begründung zu einer von der Meinung des Sachverständigen ab«* weichenden Auffassung kommen« Die Revision hat sich auch nicht darauf berufen? vorher sei er von keiner Seite auf ein Versagen der Bremse beim Unfall hingewiesen to Die Revision macht demgegenüber geltend? Ersichtlich war für die Überzeugung des Berufungsgerichts 9 es lasse sich nicht ausschließen, daß der Hebel erst nach dem Unfall verstellt worden sei, entscheidend, daß der Sachverständige seine Feststellung erst über acht Stunden hach dem Unfall getroffen hat« Ob schon vorher von einem Versagen der.Bremsen gesprochen worden ist, ist da-* bei ohne Bedeutung« Das Berufungsgericht hat an anderer Stelle den Eindruck des Fahrers, die Bremse habe versagt, als unrichtig bezeichnet. 4o Die Feststellung, ein Umstellen des Hebels durch die Söhne des Beklagten sei nicht bewiesen, es sei auch nicht auszuschließen, daß der Hebel erst nach dem Unfall verstellt worden sei, reicht aus, um das angefoehtene Urteil zu tragen« Die weiteren Ausführungen des Berufungsgerichts über die Betätigung der Bremse auf der Strecke von D^HA bis und unmittelbar vor dem Unfall sind, wie sich auch aus der Fassung der Ent scheidungsgründe ergibt, nur als Hilfsbegründung anzusehen« Auch wenn auf der Strecke von bis die Fußbremse nicht oder nur in einigen wenigen Fällen benutzt worden sein sollte, wird dadurch die Hauptbegründung des Berufungsgerichts nicht in Frage gestellto Es bedarf daher keines Eingehens auf die Huge der Keviaion, das Berufungsgericht habe bei seiner Feststei lüng Uber den Verlauf der Straße zwischen D^Bl und M' die abweichende Bekundung des Sachverständigen S unbeachtet gelassen; die Klägez'ih hätte auf Befragen gemäß § 09 ZPO ferner vorgetragen und unter Beweis gestellt, die Strecke habe nur einige langgestreckte Kurven« Im übrigen hat die Klägerin im Schriftsatz vom 28« Oktober 1958 (So 5?. 5o Die Revision hat ferner die PestStellung des Berufungsgerichts «der Lastwagen sei auf den letzten Metern vor dem Unfall wirksam gebremst worden, nicht anzugreifen vermochto Sie hat sich auch in diesem Zusammenhang lediglich gegen die Bemerkung des Berufungsgerichts gewandt, nach dem Unfall habe niemand von einem Versagen der Bremse gesprochen« Hierauf kommt es, wie bereitserwähnt, für die Entscheidung nicht an«