BGH · VII ZR 172/63
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 23- September 1965 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr. Heimann-Trosion, Bietsehe1, Erbel, Dr. Vogt und Dr. Pinke für Rocht erkannt: Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des 8. Am 15* Februar 1959 übersandte sie der Beklagten eine Rechnung über insgesamt 94.774,— DM. Am 19» Februar I960 trafen sie eine Vereinbarung, wonach die Anlage durch die Firma Saake fertiggestellt werden sollte. Die Beklagte sollte dieser Firma einen entsprechenden Auftrag geben mit der Maßgabe, daß sie ihn bis zu einem Preis von 13*500 DM in Vollmacht des Klägers erteile. Einen etwaigen Mehrpreis sollte die Beklagte unter Verzicht auf eine Aufrechnung gegenüber der noch ausstehenden Forderung der Konkursmasse übernehmen. Diese Forderung der Gemeinschuldnerin sollte die Beklagte entsprechend der ursprünglichen Rechnung begleichen, jedoch unter Vorbehalt der Aufrechnung mit ihren Sachleistungen und gezahlten Löhnen. Die Beklagte beanstandet die Rechnung im Revisionsverfahren nicht mehr, rechnet jedoch mit einer Schadensersatzforderung auf mit der Begründung, daß sie eine im Dezember 1959 leistungsbereite Papiermaschine nicht habe in Betrieb nehmen können, weil die Anlage noch nicht fertiggestellt gewesen sei; dadurch sei ihr in der Zeit vom 1. Es läßt offen, ob nicht schon durch diese Vereinbarung alle weiteren Schadensersatzansprüche der Beklagten ausgeschlossen sein sollten, wie das Landgericht annimmt; denn die Beklagte könne den von ihr geltend gemachten weiteren Schaden schon deshalb nicht ersetzt verlangen, weil sie in der Lage gewesen sei, die Anlage bis i960 fertigstellen zu lassen, und deshalb den Eintritt des Schadens hätte verhindern können. Das Landgericht hat die Urkunde vom 19* Februar I960 dahin verstanden, daß die Beklagte die hier streitige Goge: forderung fallen gelassen und sich verpflichtet hat, sie bei der Abwicklung der Vereinbarung nicht geltend zu mache: Der Senat stimmt dem zu» Das gilt umsomehr, als nur unter solchen Voraussetzungen verständlich ist, daß der Konkursverwalter in der Nr. 2 die Zahlung des Betrags von 13*500 DM aus der Masse übernommen hat. Allerdings hat die Beklagte behauptet, sie habe sich bei Abschluß der Vereinbarung mündlich auch die hier streitige Gegenforderung Vorbehalten, und es hat darüber im ersten Rechtszuge eine Beweisaufnahme stattgefunden. im Besitz des Schriftstücks, das sie am 23- Februar I960 ihrem Anwalt übersandt hatNach kaufmännischen Grundsätzen wäre sie verpflichtet gewesen, die Unvollständigkeit des schriftlich Niedergelegten unverzüglich zu rügen, wenn sie sich ihre Rechte erhalten wollte - Bas hat sie nicht getan, sondern 1 1/2 Jahre über andere Dinge verhandelt, ohne die angebliche Schadensersatzforderung mit einem Wort zu erwähnen, wie unstreitig ist (Schriftsätze des Klägers vom 26° Januar 1962, S. Der Kläger durfte sich zudem darauf verlassen, daß alle Einwände gegen die Zahlungspflicht der Beklagten erschöpfend erörtert waren und sein weiteres Verhalten hierauf abstellen; insbesondere konnte er davon ausgehen, daß auch die Verpflichtungen der Konkursmasse ohne Berücksichtigung einer solchen Gegenforderung zu erfüllen seien« Es wäre mit den Grundsätzen von Treu und Glauben unvereinbar, wenn es der Beklagten gestattet sein sollte, unter diesen Umständen auf ihre angebliche Gegenforderung nach 1 1/2 Jahren erstmals zurückzugreifeno Das gilt umsomehr, als sie durch nichts gehindert war, sich früher darauf zu berufen; denn die Höhe des Anspruchs stand mit dem 30* April I960 fest und er war von Beginn an geeignet, jedes Zahlungsverlangen des Konkursverwalters zu nichte zu machen.